Bürger können den Erhalt historisch oder künstlerisch wertvoller Steine sichern
Stadt sucht Grabmal-Paten

Senne (WB). Anfang des 20. Jahrhunderts waren Grabstätten wohlhabender Familien auch ein Statussymbol. Entsprechend opulent fielen Grabsteine aus. Aber auch in späteren Jahren wurden Grabsteine aufgestellt, die heute als erhaltenswert gelten. Damit das gelingt, sucht die Stadt nach Grabmal-Paten.

Sonntag, 04.08.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 04.08.2019, 13:40 Uhr
Martina Hollmann von der Friedhofsverwaltung ruft Bürger auf, sich als Paten für den Erhalt von künstlerisch oder historisch wertvollen Grabmälern zu engagieren – etwa für dieses opulente Familiengrab auf dem Sennefriedhof. Foto: Peter Bollig

Ein großes Familiengrab ganz in der Nähe der Verwaltung auf dem Sennefriedhof ist für Martina Hollmann von der Abteilung Friedhöfe im städtischen Umweltbetrieb ein prächtiges Beispiel: Rund zweieinhalb Meter hoch, vier Meter breit ist das mehrteilige Grabmal aus Muschelkalk, ausgestattet mit Verzierungen und Skulpturen, geschaffen im Jahr 1921 vom Brackweder Steinmetz Carl Eggert.

Andere Grabmäler fallen kleiner aus, sind gleichwohl erhaltenswert, wie Martina Hollmann betont. Als erhaltenswert werden Grabsteine eingestuft, weil sie künstlerisch wertvoll oder zeittypisch seien oder zum Grab eines prominenten Bürgers gehören. So finden sich beispielsweise Grabsteine mit Skulpturen von Käthe Kollwitz oder Bruno Buschmann auf dem Sennefriedhof.

Langfristig droht der Verlust der Steine

Rund 180 dieser Grabmäler allein auf dem Sennefriedhof, 50 auf dem Johannisfriedhof und weitere auf anderen städtischen Begräbnisstätten warten auf Paten. Schlimmstenfalls würden die Grabmäler sonst geschreddert – der übliche Weg, wenn die Nutzungszeit abgelaufen ist und Nutzer die Grabstellen abräumen müssen. Wenn die Friedhofsverwaltung Grabsteine für erhaltenswert hält, werden die Nutzer allerdings vorab gebeten, sie stehen zu lassen.

Allerdings kann sich der Umweltbetrieb nur bedingt selbst um den Erhalt kümmern, weil er dafür nicht auf Mittel aus den Friedhofsgebühren zurückgreifen darf, wie Martina Hollmann erläutert. Aufwändige Sanierungen seien nicht möglich, langfristig droht daher der Verlust der Steine.

Paten können sich Nutzungsrecht sichern

Eine Patenschaft bedeutet, dass sich Interessenten um Pflege und Reinigung der Grabsteine kümmern, notfalls aber auch Reparaturarbeiten oder Maßnahmen zur Sicherung der Standfestigkeit vornehmen lassen. Der Stein bleibt im Besitz des Umweltbetriebs, mit dem alle Maßnahmen abzusprechen sind. Patenschaft bedeutet Hollmann zufolge aber auch, dass sich Paten bei Interesse das Nutzungsrecht an der Grabstätte sichern können – und dadurch ein Grab mit einem besonderen Grabstein, den sie gegebenenfalls entsprechend neu beschriften lassen können. Man könne von der Patenschaft aber jederzeit zurücktreten, betont Martina Hollmann.

Erhaltenswert ist auch der Stein des früheren Bürgermeisters Josef Köllner (1872-1951).

Erhaltenswert ist auch der Stein des früheren Bürgermeisters Josef Köllner (1872-1951). Foto: Bollig

Bisher haben sich 18 Paten für Gräber auf dem Sennefriedhof gemeldet, zehn für den Johannisfriedhof, je einer für die Friedhöfe in Kirchdornberg und Schildesche, zwei für Theesen, zwölf für den Alten Friedhof Sennestadt. Ihre Motive: »Sie finden die Grabsteine schön, wollen sich für Kunst engagieren, haben manchmal auch einen persönlichen Bezug zu den Verstorbenen oder wollen sich einen schönen Stein für sich selber sichern«, weiß Hollmann.

Der Bedarf an Patenschaften wird wachsen, wenn auf weiteren Gräbern die Nutzungszeit endet: Auf rund 400 erhaltenswerte Grabmäler schätzt Martina Hollmann den Bestand allein auf dem Sennefriedhof. Wer sich für eine Patenschaft interessiert, kann sich bei der Friedhofsverwaltung melden: Telefon 0521/515562, umweltbetrieb@bielefeld.de.

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