Die Brackweder Bethel-Werkstatt Grabe profitiert von ehrenamtlichem Sozialprojekt
Plötzlich helfen die Wirtschaftsjunioren

Bielefeld-Brackwede (WB). »Großartig ist das!« – Kerstin Senf, Leiterin der Bethel-Werkstatt Grabe in Brackwede, kann noch nicht so richtig glauben, was sie sieht: Wie aus heiterem Himmel kommt ihre Einrichtung zu einem kostenlosen Plattenweg, der auch Rollstuhl- und Rollatorfahrern endlich einen Zugang zur hauseigenen Gartenhütte ermöglicht. Und ganz »nebenbei« wird das Treppenhaus neu gestrichen – für sie ebenfalls gratis.

Montag, 29.07.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 14:50 Uhr
Damit auch Rollstuhl- und Rollatorfahrer der Bethel-Werkstatt Grabe den Weg zur Gartenhütte (hinten) schaffen können, bauen die Bielefelder Wirtschaftsjuniorin Melina Meyer (EK Servicegroup, rechts) und ihre Kollegen einen Plattenweg. Foto: Markus Poch

23 Männer und Frauen aus Deutschland, Holland, Belgien, der Schweiz und Tschechien haben sich einen Tag lang in der Behindertenwerkstatt am Stadtring 85 breit gemacht, um den 140 dort beschäftigten, zumeist psychisch kranken oder anderweitig benachteiligten Menschen Gutes zu tun. Und die, die sonst einfache Montage- und Verpackungsaufträge für Industriebetriebe der Region erledigen, kleben an den Fensterscheiben, wundern sich genau wie Kerstin Senf über die plötzlichen und ungewohnten Aktionen auf dem Firmengelände.

17.000 aktive und passive Mitglieder

Hinter dem Sozialprojekt stecken die Wirtschaftsjunioren Deutschland, ein Wirtschaftsverband aus 20- bis 40-jährigen Unternehmern und Führungskräften, der der Industrie- und Handelskammer angegliedert ist. Gut 17.000 aktive und passive Mitglieder gehören dem Zusammenschluss an. Einmal pro Jahr, immer in einer anderen Stadt, trifft sich eine kleine Anzahl ausgewählter, besonders aktiver Mitglieder zu einem mehrtägigen Bildungscamp, der so genannten German Academy. Dort werden Inhalte wie Teamgeist, Vertrauen, Selbstreflexion, Kommunikation, Menschenführung und das Organisieren von Veranstaltungen trainiert. Die ehrenamtliche und doch professionelle Sofort-Umsetzung eines Sozialprojektes gehört jedes Mal dazu. Auf diese Weise bereiten sich die Teilnehmer auf Führungspositionen innerhalb des eigenen Verbandes vor.

Vom 25. bis 28. Juli richteten die Wirtschaftsjunioren Ostwestfalen die German Academy 2019 im Sennestädter Seminarzentrum Haus Neuland aus. Als Sozialprojekt hatte der Bundesdachverband die Umsetzung der geplanten Maßnahmen in der Werkstatt Grabe beschlossen. Und dort wurde nicht lange gefackelt: In kürzester Zeit waren die Bauplanung gemacht, das unebene, leicht abschüssige Rasenstück vermessen, ein 75 Meter langer Graben ausgehoben, grober Schotter als Fundament eingebracht und verdichtet, feiner Split aufgetragen und schließlich die Gehwegplatten aus Beton verlegt worden.

»Wirtschaftsjunioren sind gewohnt, anzupacken«

»Wirtschaftsjunioren sind gewohnt, anzupacken und schnell zur Sache zu kommen. Sie haben den Willen, die Dinge voranzutreiben«, erklärt selbstbewusst aus ihren Reihen Markus Reisch, Geschäftsführer eines Industrie-Unternehmens in Reutlingen. Er hat selbst nicht mit am Plattenweg gebaut, sondern gehörte dem Team Finanzen, Sponsoring und Koordination an, das innerhalb weniger Stunden die benötigten Material- und Geldspenden auftreiben musste. Team drei verpasste dem Treppenhaus einen frischen Anstrich. Wohlgemerkt: Es ging um mehr als 350 Quadratmeter Wand - und Deckenfläche. Team vier bereitete indes ein Grillfest vor, zu dem nach getaner Arbeit alle Academy-Teilnehmer und sämtliche Werkstatt-Beschäftigten eingeladen waren.

Den Wert sämtlicher organisierter Materialien und geleisteter Arbeitsstunden beziffert Markus Reinsch auf 15.000 Euro. Darin enthalten ist auch eine stählerne Rampe als Verbindungselement zwischen dem frisch angelegten Plattenweg und der höher gelegenen Gartenhütte. Sie soll in den kommenden Tagen nachgerüstet werden. »Jetzt hat unsere Werkstatt eine Barriere weniger«, sagte Kerstin Senf hocherfreut. Mindestens zwölf ihrer Mitarbeiter seien auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen und hätten die Gartenhütte zuvor nur mit großen Mühen erreichen können.

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