Im Südwestfeld hat die Stadt erstmals Grundstücke nach sozialen Kriterien vergeben
Erfolgreicher Test zur Baulandpolitik

Bielefeld-Brackwede (WB). Das kleine Neubaugebiet »Im Lecke« ist für die Stadt Bielefeld zum Experimentierfeld geworden: Zum ersten Mal hat sie einen Katalog mit sozialen Kriterien aufgestellt, nach dem Käufer von stadteigenen Grundstücken ausgewählt werden sollten. Aus Sicht der Verwaltung war dieser Test für die neue soziale Baulandpolitik der Stadt »ein Erfolg«.

Samstag, 03.08.2019, 11:00 Uhr
Bislang führt nur eine Baustraße ins Baugebiet Im Lecke, daneben wuchert das Kraut auf den Grundstücken, auf denen bald acht Ein- bis Zweifamilienhäuser entstehen sollen. Auf der Fläche im Südwestfeld stand einst ein städtisches Gemeinschaftshaus. Foto: Peter Bollig

So sagt es der kaufmännische Leiter des städtischen Immobilienservicebetriebs (ISB) Jürgen Bültmann im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Nur wenige Wochen hatten Bauinteressenten Zeit, sich für eines der acht Grundstücke im Südwestfeld zu bewerben. Und 27 Bewerbungen sind Bültmann zufolge beim ISB eingegangen.

Diese 27 haben sich auf die durchaus strengen Anforderungen an die Bewerber eingelassen. Denn den Zuschlag sollte, wie berichtet, nur bekommen, wer möglichst viele Anforderungen erfüllt. Der ISB hat dazu Punkte für soziale Kriterien vergeben: für jedes Kind, das im Haushalt lebt, für Bewohner mit einer Behinderung von mindestens 50 Prozent oder einen Pflegegrad von mindestens Stufe zwei. Punkte gab es auch für jede Person im Haushalt, die einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in Bielefeld hat. Außerdem verpflichten sich Bewerber, ihr Haus innerhalb von zwei Jahren bezugsfertig zu bauen und es mindestens zehn Jahre lang selbst zu nutzen.

Preis wird an Wohnbaulandrichtwert angelehnt

Im Gegenzug für die Erfüllung möglichst vieler dieser Kriterien legt sich die Stadt beim Kaufpreis fest: 220 Euro kostet der Quadratmeter, angelehnt an den geltenden Wohnbaulandrichtwert. Üblich war es bisher, städtische Grundstücke an Interessenten mit dem höchsten Gebot zu verkaufen. Mit dem neuen Verfahren will man laut ISB im Sinne der sozialen Baulandstrategie insbesondere Familien die Möglichkeit geben, preisgünstig zu bauen.

Investoren, die mit Grundstücksgeschäften Geld verdienen wollen, sollen unterdessen ausgeschlossen werden. »Die waren bei den Interessenten auch nicht dabei«, sagt Bultmann. Aus den 27 Bewerbern hat der ISB anhand der Punkte eine Rangliste ermittelt. »Bei Punktgleichheit wurde gelost«, sagt Jürgen Bültmann.

Die Liste mit den acht höchstplatzierten Interessenten sowie eine Reserve-Rangliste für den Fall, dass Bewerber doch noch abspringen, wurde dem Rat vorgelegt und von den Politikern verabschiedet. Bültmanns Eindruck: »Auch die Politiker sind mit diesem Verfahren offensichtlich zufrieden.« Den Gewinnern aus dem Bewerbungsverfahren sollen in Kürze Vertragsentwürfe vorgelegt werden.

Bauamt prüft weitere Kriterien

Ob das Auswahlverfahren jetzt zum Modell wird für den künftigen Verkauf städtischer Baugrundstücke, ist aber noch nicht klar, wie Jürgen Bültmann betont. Das Bauamt prüfe noch, ob auch andere Kriterien in den Auswahl-Katalog mit aufgenommen werden sollten.

Außerdem sei das kleine Baugebiet im Südwestfeld mit Grundstücken zwischen 413 und 528 Quadratmetern, einheitlichen Quadratmeter-Preisen und der überschaubaren Zahl von acht Grundstücken »sehr homogen« und daher einfach zu bewerten. Bei größeren Flächen mit unterschiedlichen Lagen und Preisen werde wohl ein differenzierteres Auswahlverfahren nötig.

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