Neue Sommerserie »Kultur-Knigge«: Was bei einem Theaterbesuch zu beachten ist
»Jeder ist uns willkommen«

Bielefeld (WB). Gibt es einen bestimmten Dresscode und wie vermeide ich es, ins Fettnäpfchen zu treten? Ein Theaterbesuch ist für viele Menschen mit unbekannten Variabeln und somit großer Unsicherheit verbunden. Ein paar Verhaltensregeln sollte man schon beherzigen, meint Charlotte Höpker. Die Marketingleiterin des Theaters Bielefeld sprach mit Uta Jostwerner.

Freitag, 02.08.2019, 11:00 Uhr
Charlotte Höpker, Marketingleiterin des Theaters Bielefeld, gibt Tipps für den Theaterbesuch. Foto: Bernhard Pierel

Ein Theaterbesuch beginnt ja schon zu Hause mit der Frage: Was ziehe ich an. Muss ich in Abendgarderobe kommen oder darf ich auch eine Jeans tragen?

Charlotte Höpker: Mittlerweile ist es so, dass jeder kommen kann wie er mag. Bei einer Premiere macht man sich in der Regel ein bisschen schicker. Da ist aber auch die Jeans mit dem Sakko völlig in Ordnung.

 

Gilt das für alle drei Sparten des Theaters, also für das Musiktheater ebenso wie für das Schauspiel und das Tanztheater?

Höpker: Ja, dennoch sieht das Publikum je nach Sparte etwas anders aus. Wenn man vorne im Foyer ist, kann man an der Bekleidung schon erkennen, was gespielt wird. Ins Schauspiel kommen die Leute am lockersten und bei der Oper sind sie besonders schick. Aber generell ist uns jeder willkommen, so wie er ist. Hauptsache er kommt nicht direkt aus dem Fitness-Studio.

Bloß nicht zu spät kommen!

Also sollte man schon sauber erscheinen, vor allem ohne müffelnde Gerüche.

Höpker: Ja, wobei es eher passiert, dass Leute stark parfümiert ins Theater kommen. Und darauf reagieren einige Menschen allergisch. Und zweieinhalb Stunden neben jemandem zu sitzen, der stark nach einem schweren Parfüm riecht, ist kein Vergnügen. Wir greifen da selbstverständlich nicht ein, aber wir bitten um Rücksicht.

 

Was ist mit Pünktlichkeit? Komme ich noch rein, wenn ich lange nach einem Parkplatz suchen musste und die Vorstellung ohne mich angefangen hat?

Höpker: Es ist wahnsinnig störend, wenn Zuschauer in die laufende Vorstellung platzen und durch die Reihen laufen. Gerade die Anfangsphasen einer Aufführung sind oft sehr sensibel. Ob und wann es einen Nacheinlass gibt, wird für jedes einzelne Stück besprochen. Manchmal muss man bis zum Ende eines Aktes warten.

 

Man beobachtet immer wieder, dass Leute, die einen Mittelplatz haben, auf den letzten Drücker ihren Platz einnehmen und alle anderen, die schon in der Reihe sitzen, wieder aufstehen müssen. Das scheint geradezu eine Gesetzmäßigkeit zu sein.

Höpker: Ja, das ist faszinierend. Es gibt Dinge, die ändern sich nie. Natürlich ist es schöner, wenn Leute, die einen Mittelplatz haben, diesen zeitig einnehmen.

 

Wenn es dennoch mal passiert ist, weil man vielleicht in der Pause lange für ein Getränk anstehen musste oder sich mit einem lieben Mitmenschen verquatscht hat: Gibt es einen Verhaltenskodex, den man dann beherzigen sollte?

Höpker: Ja, man sollte dann den Leuten, die aufstehen müssen, das Gesicht und nicht den Rücken zuwenden und natürlich nicht vergessen, sich freundlich zu bedanken.

Smartphones sind ein Problem

Was ist für den Umgang mit dem Handy zu beachten?

Höpker: Ein Problem, mit dem wir es immer mehr zu tun haben, ist der Umgang mit Smartphones. Für viele Leute ist es normal geworden, da zwischendurch drauf zu gucken. Ein immer wieder hell aufflackerndes Display stört allerdings die anderen Zuschauer. Abgesehen davon ist es bei uns verboten, das Handy während der Vorstellung zu benutzen. Zum einen aus urheberrechtlichen Gründen, zum anderen weil die Funkstrahlung des Smartphones direkt unsere Medientechnik stören kann. Das kann tatsächlich eine Vorstellung gefährden. Deshalb sollte jeder Theaterbesucher vor der Vorstellung sein Handy zumindest in den Flugmodus schalten oder besser ganz ausmachen.

 

Benimm dich!

»Also lautet ein Beschluss: Dass der Mensch was lernen muss. Nicht allein das ABC bringt den Menschen in die Höh (...), sondern auch der Weisheit Lehren muss man mit Vergnügen hören.«

Ganz im Sinne des Lehrers Lämpel aus Wilhelm Busch’ »Max und Moritz« möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, mit unserem Kultur-Knigge einen vergnüglichen Wegweiser an die Hand geben.

...

Darf ich denn vor der Vorstellung noch schnell ein Selfie machen?

Höpker : Ja klar, und bitte schnell noch posten, dass sie im Theater sind.

 

Wir gehen noch mal einen Schritt zurück. Muss ich meinen Mantel an der Garderobe abgeben? Es gibt Besucher, die ihre Sachen gerne mit in den Zuschauerraum nehmen.

Höpker: Am Theater ist es Pflicht, Mäntel, Jacken und größere Gepäckstück wie etwa einen Rucksack an der Garderobe abzugeben. Eine Rolle dabei spielt die Sicherheit. Im Falle eines Brandes muss der Raum schnell geräumt werden. Da können Taschen und Mäntel schnell mal zu einer Stolperfalle werden. Die Garderobe im Stadttheater und im Theater am Alten Markt ist kostenlos. Eine Handtasche darf natürlich mit in den Saal genommen werden. Daraus sollte allerdings während der Vorstellung nichts zu essen und zu trinken geholt werden.

 

Warum nicht?

Höpker: Wir sind nicht im Kino. Es stört alle drumherum, wenn gegessen und getrunken wird und vor allem wenn es knistert.

 

Das berühmte Bonbonpapier-Knistern, wenn jemand langsam ein Hustenbonbon aus der Verpackung schält.

Höpker: Es gibt auch Pfefferminzdosen, die sich geräuschlos öffnen lassen. Bei uns erhält man diese Dosen an der Info-Theke, dort, wo man auch Programmhefte kaufen kann.

Das Theater ist kein Fußballstadion

Wo wir beim Thema Geräusche sind: Was ist noch besonders störend?

Höpker: Dauerkommentatoren wie beim Fußballspiel müssen nicht sein. Und auch Tuscheln wird in der guten Theaterakustik sehr gut übertragen. Das machen sich viele nicht bewusst: Die Akustik funktioniert in beide Richtungen. Das, was von der Bühne in den Zuschauerraum kommt, kommt genau so vom Zuschauerraum auf die Bühne. Es ist auch eine Frage des Respekts den Künstlern gegenüber. Die fühlen sich in ihrer Konzentration gestört, wenn im Zuschauerraum getuschelt wird.

 

Man kann sich ja in der Pause oder nach der Vorstellung austauschen. Wenn Ruhe so wichtig ist, dann darf man wahrscheinlich auch nicht mitsingen oder mitdirigieren, wenn die Euphorie einen überkommt.

Höpker: Bei bekannten Melodien wie zum Beispiel im Musical »My Fair Lady«, da sieht man schon mal die Köpfe oder Füße mitwippen. Das ist natürlich schön, wenn sich die Stimmung so auf die Zuschauer überträgt. Aber niemand sollte versuchen, bei Figaros Hochzeit die Arie des Figaro mitzuträllern. Wir freuen uns aber, wenn die Leute mitgehen. Das ist ein Zeichen von emotionaler Berührung und dabei geht es ja im Theater.

 

Noch mal zum Thema Störungen. Darf ich an heißen Tagen einen Fächer benutzen oder mir mit dem Programmheft etwas frische Luft zuwedeln? Der Luftstrom könnte andere stören.

Höpker: Das ist erlaubt. Wenn es jemanden stören sollte, wird sich sie oder er schon melden.

 

Ist das gute alte Opernglas eigentlich noch in Gebrauch?

Höpker: Ja, tatsächlich. Wir verleihen auch Operngläser. Sie sind genau wie die Halsbonbons an der Info-Theke erhältlich. Dort gibt es auch Sitzerhöhungen.

Standing-Ovations und Bravo-Rufe sind willkommen

Auch applaudieren will gelernt sein. Kann ich da was falsch machen, indem ich an den falschen Stelle klatsche?

Höpker: In den meisten Fällen gibt es ein unbewusstes Verständnis im Publikum, welche Stelle für Applaus geeignet ist und welche nicht. Den meisten Zwischenapplaus gibt es im Musiktheater, zum Beispiel nach Gesangsnummern oder Arien, wenn sie dem Publikum besonders gut gefallen haben. Das ist auch für die Künstlerinnen und Künstler toll, die eine direkte Rückmeldung bekommen. Am Ende sind uns auch Standing-Ovations und Bravo-Rufe willkommen.

 

Darf ich an witzigen Stellen offen lachen?

Höpker: Ja, selbstverständlich. Alle emotionalen Reaktionen sind uns lieb. Allerdings sollte man die Vorstellung nicht durch permanente Zwischenrufe stören.

 

Was ist denn, wenn es mir nicht gefallen hat? Darf ich Buh rufen?

Höpker: Man darf es schon, sollte aber bedenken, dass ein Buh das krasseste Urteil ist, das es gibt.

 

Man kann sein Missfallen ja auch durch einen zurückgenommenen Applaus ausdrücken. Wäre das die stilvollere Variante?

Höpker: Ja richtig, das merkt man auch.

 

Also alles gar nicht so schwierig.

Höpker: Genau, niemand muss Bedenken vor einem Theaterbesuch haben. Und wir stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

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