Historisches Museum zeigt Neuerwerbung – Ankauf von 30 Werken von Wassilij Barssoff
Das alte Bielefeld im Künstler-Blick

Bielefeld (WB). Auf diesen Bildern aus den 1950er und frühen 1960er Jahren wird ein Bielefeld sichtbar, das später in Teilen oft der vermeintlich modernen Stadtplanung zum Opfer gefallen ist. Das Historische Museum zeigt bis zum 15. September mehr als 30 Bielefeld-Ansichten des Künstlers Wassilij Barssoff (1901-1965), die der Förderverein aus der Privatsammlung des früheren Leiters des Museums Osthusschule, Hans Schumacher, erwerben konnte.

Sonntag, 04.08.2019, 15:00 Uhr
Dr. Gerhard Renda zeigt in der Ausstellung ein Selbstpotrait des Künstlers Wassilij Barssoff. Das Museum hat 30 Bielefeld-Ansichten erworben. Foto: Bernhard Pierel

Historiker Dr. Gerhard Renda sagt, Barssoff sei eine bekannte Persönlichkeit in Bielefeld gewesen: »Er streifte mit seinen Zeichenutensilien durch die Stadt und machte Illustrationen, auch im Auftrag der Tageszeitungen vor Ort.«

Die Promenade (rechts) mit der Sparrenburg. Wassilij Barssoff malte das Bild in der 1950er Jahren.

Die Promenade (rechts) mit der Sparrenburg. Wassilij Barssoff malte das Bild in der 1950er Jahren. Foto: Bernhard Pierel

Ausgestellt sind Feder- und Kohlezeichnungen, Aquarelle und Arbeiten in Pastellkreide. Die Motive zeigen Stadtansichten, die heute kaum noch erkennbar sind: der Klosterplatz mit St. Jodokus und einer Posamentiererei im (dicht bebauten) Vordergrund, die Martinikirche noch mit ihrem gesamten Turm, die Kreuzstraße als damals noch schmale Gasse, rechts und links begrenzt von Fachwerkhäusern, das Torschreiberhaus am Oberntorwall, den Kantensiek, einen Blick auf die Altstädter Nicolaikirche noch ohne Turmhaube oder den Blick auf die Sparrenburg mit den Nike-Denkmal im Vordergrund.

Viele Motive zeigen ein tief verschneites Bielefeld. Renda: »Wassilij Barssoff war eben unverkennbar Russe.« In der Nähe von Moskau geboren, studierte er an der Kunstakademie. Einer seiner Lehrer war Wassily Kandinsky.

Portrait von Oberbürgermeister Artur Ladebeck

Er reiste jahrelang durch Russland und war als Maler, Schriftsteller und Kunstkritiker tätig. Vermutlich sei Barssoff als Angehöriger der Roten Armee über Südostasien nach Europa gelangt, vermutet Renda. In Moskau jedenfalls ist sein Name auf einem Gefallenen-Denkmal unter der Rubrik »Vermisst« vermerkt. 1945 habe er sich in die amerikanische Zone abgesetzt und in Coburg gelebt. Gerhard Renda: »Es gibt von ihm Zeichnungen mit Coburg-Motiven.« Ab 1950 sei Barssoff dann in Bielefeld ansässig gewesen.

Kein Zufall, weiß Renda. Der Künstler sei ein Freund des russischen Fürsten Georg Kropotkin gewesen, der ab 1950 in Bielefeld eine Niederlassung des Unternehmens Philipps aufgebaut habe; Barssoff habe bei Kropotkin als Untermieter in dessen Wohnung an der Roonstraße gelebt. Der Fürst sei ein Gönner des Malers gewesen, betreute bis zu seinem Tod 1978 den Nachlass von Wassilij Barssoff.

Ein weiterer Gönner, ein früherer BGW-Geschäftsführer, bezahlte Barssoff dafür, dass der ein Portrait von Oberbürgermeister Artur Ladebeck anfertigte. Renda: »Dieses Bild stammt aus dem Eigenbesitz des Museums, es war ein Geschenk.«

Nachdem der russische Schriftsteller Boris Pasternak (»Doktor Schiwago«) 1958 seinen Nobelpreis für Literatur nicht entgegennehmen durfte, sei in Deutschland ein Band mit Pasternak-Gedichten erschienen. Das Pasternak-Portrait in diesem Band stamme von Barssoff, aber, so Renda, es sei nicht bekannt, ob der Maler und der Nobelpreisträger sich tatsächlich gekannt haben.

Zu sehen in der Ausstellung ist (als Kopie) auch ein Selbstportrait des Malers. Renda sagt, Zeitzeugen hätten berichtet, dass Barssoff auch in Öl gemalt habe: »Fratzenhafte, furcherregende Gesichter sollen die Bilder gezeigt haben. Sie waren nicht für den Verkauf bestimmt und gelten als verschollen.«

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