Anwohner an der Johanneswerkstraße wehren sich gegen Verbreiterung der Fahrbahn
Vorgärten sollen Straßenausbau weichen

Bielefeld-Schildesche (WB). Der Brief der Stadt Bielefeld hat Marlies Horstkotte kalt erwischt. Bis zum 31. Oktober soll sie einen drei Meter breiten Streifen des Grundstücks an der Ecke Apfelstraße/Johanneswerkstraße räumen, auf dem das Haus steht, das ihrer Familie seit 1939 gehört. Denn diesen Platz will die Stadt nutzen, um die Johanneswerkstraße zu verbreitern.

Freitag, 02.08.2019, 15:00 Uhr
Gerhard Horstkotte (von links), Ladi Wackerhage, Jürgen Peter Bastian, Marlies Horstkotte und Michaela Heinze ärgern sich über die Pläne der Stadt, die Johanneswerkstraße (rechts im Bild) an der Einmündung Apfelstraße zu verbreitern. Foto: Hendrik Uffmann

Von der Einfahrt an der Apfelstraße ist die Johanneswerkstraße bislang nur eine etwa drei Meter schmale Zufahrt zu den angrenzenden Grundstücken. Durchfahrtsverkehr ist seit vielen Jahren nicht möglich, seit Sperrpfosten den Weg für Autos blockieren und nur noch Radfahrer und Fußgänger durchkommen in Richtung Sudbrackstraße.

In den 50er Jahren habe es jedoch Pläne gegeben, die Straße zu verbreitern, sagt Michaela Heinze, die ebenfalls an der Johanneswerkstraße wohnt. Und für diese Pläne habe die Stadt damals auf jeder Seite der Straße einen drei Meter breiten Streifen reserviert. »Diese Bereiche sind sogar als eigene Flurstücke eingetragen«, so die Anwohnerin.

»Das muss mir die Stadt erst einmal beweisen«

Die Vorbesitzer des Hauses, in dem  Michaela Heinze wohnt, haben vor vielen Jahren diesen drei Meter breiten Streifen gekauft – bei dem angrenzenden Grundstück sowie dem Eckgrundstück von Marlies Horstkotte war dies jedoch nicht der Fall. Doch dass ein Teil des Grundstücks, das sie und ihre Familie seit Jahrzehnten pflegen und mit einem Zaun versehen haben, kann Marlies Horstkotte nicht glauben. »Es gibt bei uns keine einzige Unterlage, aus der das hervor geht. Das muss mir die Stadt erst einmal beweisen«, zeigt sie sich kämpferisch.

Dass die Johannswerkstraße in diesem Bereich überhaupt verbreitert werden soll, liege an den zusätzlichen Häusern, die dort gebaut wurden oder noch gebaut werden sollen, erklärt Michaela Heinze. Im vergangenen Jahr habe die Baugenossenschaft Freie Scholle dort ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen bauen wollen, bis das Amt für Verkehr interveniert habe. »Es hieß, dass die Straße den zusätzlichen Verkehr nicht verkraften könne, so dass die Zahl der Wohnungen in dem Haus auf sechs reduziert wurde«, sagt die 53-jährige Journalistin.

Nun gebe es ein weiteres Grundstück, das mit einem Fünf-Parteien-Haus bebaut werden solle. Dies bedeute zusätzlich weitere Autos, die die schmale Zufahrt nutzen müssen. Was Michaela Heinze besonders ärgert ist, dass aus diesem Grund Anlieger Grundstücke aufgeben sollen. »Zum Teil seit 80 Jahren pflegen sie die Gärten. Außerdem wird durch die Straßenverbreiterung Natur zerstört, und das für fünf Autos. Das steht in keinem Verhältnis.«

Grundstücke zweifelsfrei in Besitz der Stadt

Stadt-Sprecherin Gisela Bockermann bestätigt, dass die Straße in dem Bereich verbreitert werden soll, weil dort ein weiteres Haus mit fünf Wohnungen gebaut werden soll. »Der Investor hat zur Auflage bekommen, die Straße auf eigene Kosten auszubauen, weil es durch die zusätzlichen Fahrzeuge sonst zum Stau kommen könnte.«

Dass die Stadt Vorratsflächen für Straßenverbreiterungen vorhalte, komme sehr häufig vor, so Gisela Bockermann. Nicht immer würden diese dann benötigt, doch dies komme ebenfalls oft vor, wie aktuell etwa an der Schloßhofstraße.

Sie könne nachvollziehen, dass für die Anlieger, die die Flächen seit vielen Jahren pflegen, diese »gedanklich in ihr Eigentum übergegangen« seien. Doch sie betont, dass die Grundstücke zweifelsfrei im Besitz der Stadt sind. »Das ist in den Unterlagen des Grundbuchamtes eindeutig zu erkennen.«

Auch Jürgen Bültmann, kaufmännischer Betriebsleiter des städtischen Immobilienservicebetriebs, betont, dass die Stadt keinesfalls »Grund und Boden okkupiere«. Warum bei einem der Grundstücke der städtische Streifen an die Besitzer des angrenzenden Grundstücks verkauft worden sei, obwohl der Streifen durchgängig für eine Straßenverbreiterung vorgehalten werden sollte, sei nicht mehr nachzuvollziehen. Bültmann: »Den ISB gibt es jetzt seit 21 Jahren. Seit dem hat es dort keine Verkäufe gegeben.«

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