Sozialdezernent Ingo Nürnberger über die Integration der Geflüchteten
Flüchtlinge: »Noch zu viel Sprachlosigkeit«

Bielefeld (WB/MiS). Auf eines ist Bielefelds Sozialdezernent Ingo Nürnberger ein bisschen stolz: Dass es 2015 und in der Folgezeit gut gelungen sei, die Geflüchteten in Bielefeld aufzunehmen. »Es gab von vornherein wenig Unruhe«, sagt er. Die Stadt habe versucht, die Bürger immer offen zu informieren. Nur wenige Sporthallen mussten belegt werden. »Wir haben die Menschen, die in unsere Stadt kamen, bei ihren ersten Schritten gut begleitet.«

Dienstag, 30.07.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 11:50 Uhr
Ingo Nürnberger lobt die ehrenamtlichen Helfer, beklagt aber auch Defizite bei der Aufnahme der Geflüchteten.

Heute, im fünften Jahr nach der großen Flüchtlingswelle, stellt Nürnberger aber noch immer eine gewisse Sprachlosigkeit zwischen denen, die gekommen sind, und der »Aufnahmegesellschaft« fest. »Zu viele separieren sich«, sagt er und betont ausdrücklich, dass dies für beide Seiten gelte. Selbstkritisch räumt er auch ein, dass die räumliche Trennung nicht verhindert worden sei. Oft seien Flüchtlinge dort untergekommen, wo es ohnehin schon einen höheren Migrantenanteil gebe, und nennt als Beispiel den Oberlohmannshof in Jöllenbeck.

Parallelgesellschaften dürften nicht entstehen, findet der Dezernent und sieht die naheliegendste Lösung bei Kitas und Schulen: »Dort gibt es die einfachsten Begegnungsmöglichkeiten«, sagt er. Dort träfen Kinder meist ohne Voreingenommenheit aufeinander.

Dickes Kompliment für die Stadtgesellschaft

Der Stadtgesellschaft macht Nürnberger auch ein dickes Kompliment. In den vergangenen Jahren habe sich ein breites ehrenamtliches Engagement entwickelt. Menschen seien weiterhin bereit, Geflüchtete auf ihren Weg in die deutsche Gesellschaft zu begleiten. »Nicht mehr so viele wie am Anfang, aber immer noch zahlreiche.« Das reiche von großen Initiativen wie »Geflüchtete willkommen« bis hin zu besonders gut funktionierenden Netzwerken wie der Ökumenischen Flüchtlingsinitiative Schildesche oder kleinen Nachbarschaftsgruppen.

Aber immer wieder geht es auch ums Geld. 2017 hatte das Land NRW die Finanzierung des Flüchtlingszuzugs auf neue Füße gestellt, eine monatliche Pauschale von 866 Euro pro Person gezahlt. Dann gab noch die alte Landesregierung ein Gutachten zur Neubemessung der Pauschale in Auftrag. Sie versprach, sich an das Ergebnis zu halten. Zwischen 1100 und 1200 Euro sollten es sein. »Die höhere Pauschale wurde nie umgesetzt«, beklagt Nürnberger. Dies führe zu erheblichen finanziellen Belastungen für die Stadt.

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