Gastronomie scheitert erneut – BGW sucht nach dauerhaftem Konzept
»Grüner Würfel« soll Treffpunkt für die Jugend werden

Bielefeld (WB). Auch der zweite Gastronom ist im »Grünen Würfel« auf dem Kesselbrink gescheitert. Das »Noori« ist nach noch nicht einmal zweieinhalb Jahren geschlossen. Der ursprünglich auf zehn Jahre geschlossene Mietvertrag läuft »einvernehmlich« Ende Juli aus.

Freitag, 26.07.2019, 05:00 Uhr
Das japanische Restaurant »Noori« im »Grünen Würfel« auf dem Kesselbrink schließt nach nur zwei Jahren. Foto: Bernhard Pierel

Die BGW als Eigentümerin der Immobilie kann sich jetzt andere als gastronomische Nutzungen vorstellen – etwa eine für Jugendliche. Das Unternehmen sei »für alle Möglichkeiten offen«, betont BGW-Geschäftsführerin Sabine Kubitza. Geprüft werden solle, was »der Platz und das Umfeld brauchen«.

Der Kesselbrink sei dank der gut besuchten Skater- und BMX-Anlage und künftig auch der (noch nicht eingeweihten) Cali­sthenics-Anlage »Anlaufpunkt für Jugendliche und Sportler«. Denkbar sei es, im efeuumrankten Kubus mit seinen jetzt 630 Quadratmetern Nutzfläche auf drei Etagen eine »Anlaufstelle« für diese Zielgruppe zu schaffen.

Zunächst einmal müsse überprüft werden, welche baulichen Veränderungen machbar seien – möglicherweise auch im Außenbereich mit der Terrasse. »Die Innenarchitektur ist eben allein auf Gastronomie zugeschnitten«, sagt Sabine Kubitza. Der »Würfel« stehe auf einer Bodenplatte, darunter befinde sich die Tiefgarage. Die BGW sei Eigentümerin den Grundstücks.

»Dauerhafte und wirtschaftlich tragfähige Lösung« gesucht

Die BGW suche für das Objekt vor allem eine »dauerhafte und wirtschaftlich tragfähige Lösung«. Denkbar sei natürlich auch zum Beispiel eine Vermietung an die Stadt oder einen Trägerverein, der dort auf dem Kesselbrink zum Beispiel einen Jugendtreffpunkt betreiben könnte. Die BGW-Geschäftsführerin sagt, zur Zeit würden Ideen entwickelt. Man wolle jedoch nicht »unter Druck« handeln, sondern hoffe darauf, in Zukunft den »Grünen Würfel« und damit auch den Platz dauerhaft beleben zu können.

Der Kubus, in dessen Bau die BGW 2,2 Millionen Euro investiert hat, wurde im September 2014 eingeweiht, eineinhalb Jahre nach dem Kesselbrink. Damals wurde dort das Lokal »Agora« miteröffnet, dass jedoch nur ein Jahr durchhielt. Nach monatelangem Leerstand zog das japanische Restaurant »Noori« im Februar 2017 ein.  Als Begründung für die vorzeitige Auflösung des Mietvertrages habe der Geschäftsführer angegeben, er müsse sich um weitere Restaurants in Essen, Düsseldorf und Moers kümmern. Er könne sich nicht dauerhaft um die Bielefelder Filiale der Kette kümmern, so Sabine Kubitza.

Gar nicht erst umgesetzt wurden Ideen wie die, dort in Verbindung mit dem ehemaligen »Agora« auch eine Eisdiele einzurichten, und die Eröffnung einer kleinen Markthalle. »Mangels Interesse der Händler«, sagt Sabine Kubitza.

Seit 2014 hat sich das Umfeld verändert: mit den Investitionen der Volksbank, den Plänen, aus der Wilhelmstraße möglicherweise eine Fußgängerzone zu machen, dem Projekt »Wissenswerkstadt« (in Planung) in der ehemaligen Stadtbibliothek und zuletzt die Sanierung und Neunutzung des Telekom-Hochhauses (das WESTFALEN-BLATT berichtete).

Kommentar von Burgit Hörttrich

Ja, vor Jahren, als die Pläne zur Neugestaltung des Kesselbrinks gemacht wurden, schien ein Lokal wie ein Café oder eine Eisdiele eine gute Idee. Dann stellte die BGW mit dem »Grünen Würfel« auch ein besonderes Gebäude an den Rand des Platzes. Nur: Gäste blieben aus, die Angebote passten wohl nicht zu dem, was Besucher des Kesselbrinks erwarten.

Denn andere Lokalitäten rund um den Platz sind ja durchaus gut frequentiert. Eine Einrichtung, möglichst maßgeschneidert für die Kesselbrink-Nutzer, wäre sicher ideal. Nur: Könnte eine solche Einrichtung ohne (öffentliche) Subventionen tatsächlich wirtschaftlich betrieben werden? Dringend gesucht wird eine geniale Idee zwischen Jugendzentrum und Galerie.

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