Dürre lässt Buchen im Osning reihenweise absterben - mit Video
Riesenlöcher im Dach des Waldes

Bielefeld (WB). Der Blick auf den bewaldeten Kamm ergibt ein düsteres Bild. Das Dach aus stattlichen Buchen ist löchrig. Statt sattem Grün ist viel vertrocknetes Laub zu sehen, in den Wipfeln ragen nackte Äste empor. »Immer mehr Buchen sterben ab, werden ein Opfer der Trockenheit«, analysiert Revierförster Erhard Oehle. Und: Die Extremhitze 2019 geht noch weiter.

Donnerstag, 25.07.2019, 03:00 Uhr
Ernüchternd: Über Erhard Oehle hat das dichte Dach der Buchen Löcher. Die Kronen brechen komplett aus. Foto: Bernhard Pierel

Die Schäden am Bielefelder Wald nehmen nach Einschätzung der Fachleute bedenkliche Züge an. Nachdem 2018 der Fokus der Öffentlichkeit insbesondere auf den Borkenkäfern und dem daraus resultierenden Massensterben der Fichten lag, rückt im Sommer 2019 die Buche in den Blickpunkt. Während die Forstbetriebe insbesondere Stress haben, weil sie bei der Durcharbeitung betroffener Fichtenwälder gerade die dritte Welle erledigen und ein erneutes Ausfliegen der Buchdrucker und Kupferstecher zu befürchten ist, sterben die Buchen im Teutoburger Wald leise. Der klassische Laubbaum dieser Region hat großen Trockenstress.

Entlang des Teutoburger Waldes betroffen sind alle Südhanglagen von Steinhagen bis Oerlinghausen. Die flache Bodendecke auf Buntsandstein oder Kalk ist extrem trocken. »Kleine Regenmengen wie am Wochenende können daran überhaupt nichts ändern«, erklärt Erhard Oehle.

Mit dem Fernglas analysiert er die Silhouette des Buchenkamms in Quelle. Statt grüner Wand zeigt sich ein stellenweise mattgrünes Bild mit zahlreichen braunen Stellen. Der obere Rand ist brüchig, gezackt wie eine Briefmarke. Nach oben ragen jede Menge trockene Äste aus den Kronen in den Sommerhimmel.

Das Bild auf der Nordseite des Osning ist ähnlich, unterstreicht Oehle, auch wenn die Bodenverhältnisse komplett anders sind. Erhebliche Schäden in den Buchen gibt es auch vom Eckendorfer Wald über Vilsendorf und Jöllenbeck bis zu Meier zu Selhausen in Hillegossen. Böden sind knochenhart, das wenige Wasser kann nicht eindringen. Die Karte der Bodenfeuchte, die der Landesbetrieb Wald und Holz herausgibt, spricht von schwerer Dürre bis 25 Zentimeter Tiefe, bis 1,80 Meter Tiefe sogar von extremer Dürre.

Mitte Juli sieht das Bild im Buchenwald in Quelle eher nach September aus, findet Oehle. Ein großer Teil der ohnehin nur halb so groß ausgebildeten Buchenblätter ist eingerollt, braun, trocknet und fällt zu Boden. Das Muster an Flecken auf den Blättern interpretiert der Forstfachmann als Folge von UV-Einwirkung.

Jeder zweite Baum am Südhang geschädigt

Jeder zweite Baum am Südhang hier sei geschädigt, hat Oehle ermittelt: »Man kann sicher sagen, dass diese Bäume gefällt werden müssen.« Während die unteren acht bis zehn Meter des Baums noch belaubt sind, ragt darüber die trockene Krone. Man müsse, sagt der Förster, jederzeit mit herabstürzenden Ästen rechnen. Hoffnung macht an der Steinbreede in Quelle einzig, dass am Fuße der Baumriesen ein dichter Jungbuchenteppich sprießt. Der Nachwuchs ist etwa zehn Jahre alt. Man nutzt an dieser Stelle die »Buchenmast«, also die große Menge an Bucheckern, einfach im Boden eingearbeitet. Oehle: »Wo man das nicht macht, ist der Waldboden kahl.« Allerdings: Viel Licht durch dünne Kronen sorgt dafür, dass wilde Naturverjüngung mit Brombeeren und Brennnesseln siegt.

Um die Situation richtig einschätzen zu können, wünschen sich die Forstleute noch mehr Daten zu den Veränderungen. Oehle: »Die komplexe Thematik ist so geballt. Wir müssen erst zu einer Strategie kommen.« Tatsächlich geht ein erheblicher Teil der Käferfichten in den Export nach Asien, wird zu Bauholz. Der Buchenmarkt war bereits seit längerem eingeschlafen. Neue Vermarktungswege müssen erst erschlossen werden. Förster sehen Probleme, weil abgestorbenes Buchenholz fleckig wird, für optische Verwertung nicht nutzbar ist.

»Der wirtschaftliche Schaden für die Waldbesitzer ist enorm.«

Erhard Oehle warnt: »Der wirtschaftliche Schaden für die Waldbesitzer ist enorm.« Bereits heute kämpfen einige private Waldbauern wirtschaftlich ums Überleben. Dienstleister zum Fällen und Rücken bevorzugen Vorkasse.

Die Buchen in Quelle sind 137 Jahre alt. Einen Klimaschaden wie aktuell haben sie noch nie erlitten, sagen die Förster. Allein in Bielefeld wird das Buchensterben mindestens 3000 Festmeter Holz kosten. Die Sorgen der Branche gehen weiter: Die Reaktion der Politik auf das Thema Buchen ist eher gering. Jeder Antrag auf öffentliche Hilfen dafür sei ein »Marsch durch den Dschungel der Bürokratie«.

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