Vorfall im Mai 2018 auf der Senner Straße – Verfahren gegen den Angeklagten eingestellt Prozess um Eskalation bei Hochzeitskorso

Bielefeld (WB). Polizisten mehrerer Streifenwagen, die umringt wurden von aufgebrachten Autofahrern, ein Angriff gegen einen der Beamten, der Pfefferspray einsetzte – ein Autokorso einer Hochzeitsgesellschaft war im Mai 2018 in Senne aus dem Ruder gelaufen. Ein Teilnehmer des Geschehens musste sich jetzt vor dem Amtsgericht wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte verantworten, das Verfahren gegen ihn wurde jedoch eingestellt.

Von Hendrik Uffmann
Verhandelt wurde der Fall vor dem Amtsgericht.
Verhandelt wurde der Fall vor dem Amtsgericht. Foto: Thomas F. Starke

Einer der Beamten im Einsatz war damals Polizeioberkommissar H. (48) von der Wache Süd im Brackwede, der in dem Prozess gegen Ismail A. (43) jetzt als Zeuge aussagte. Laut H. waren er und sein Kollege zu einem Einsatz an der Ecke Lipp­städter Straße/Nelkenweg gerufen worden, weil dort Teilnehmer eines Hochzeitskorsos die Kreuzung blockierten. »Wir haben die Fahrer dann gebeten, die Blockade aufzulösen, was auch geschah«, berichtete H.

Mit einer Panne liegen geblieben

Weil einige Autofahrer offensichtlich deutlich zu schnell fuhren, so der Polizeioberkommissar weiter, seien er und sein Kollege dem Korso gefolgt. Am Kreisverkehr Enniskillener Straße/Senner Straße habe es einen Stau der Fahrzeuge gegeben. »Das erste Auto aus dem Korso machte einen Wheely mit durchdrehenden Reifen.«

Er habe dann die Autofahrer aufgefordert, weiterzufahren. »Nachdem die Reaktion war ›Ihr sollt euch verpissen‹, bin ich auch deutlicher geworden, so dass es einige Wortgefechte gab«, berichtete der Polizist vor Gericht. Dann habe sich die Lage wieder entspannt, die Autos seien weitergefahren. Das zweite Auto der Kolonne sei jedoch mit einer Panne liegen geblieben.

Während er mit dem Fahrer gesprochen habe, sei dann »wie aus dem Nichts« der Angeklagte Ismail A. auf ihn zugestürmt und habe ihn angesprochen mit »Du bist doch lächerlich«, so dass er A. einen Platzverweis erteilt habe. Dieser habe dann sein Handy hervorgeholt und ihm direkt vor das Gesicht gehalten. Dann habe A. die Hand in die Jackentasche gesteckt. »Und aufgrund der aggressiven Stimmung hatte ich Angst, dass er einen gefährlichen Gegenstand hervorholt und habe versucht, ihm die Hand aus der Tasche zu ziehen«, so H. Daraufhin sei A. zu Boden gefallen, sofort wieder aufgesprungen und haben ihn mit beiden Händen vor die Brust gestoßen. Um einen weiteren Angriff zu verhindern, habe er Pfefferspray gegen A. eingesetzt.

Handschellen angelegt

Daraufhin habe er diesem widerstandlos Handschellen anlegen und ihn auf der Motorhaube des Panneautos fixieren können. Kurz darauf seien dann viele Autos mit hohem Tempo »wie Streifenwagen im Einsatz« angefahren gekommen und seien er und sein Kollege von 20 bis 30 Personen umringt worden. »Das war eine sehr bedrohliche Situation. Ich hatte Angst, dass sich einen über den Schädel bekomme«, so der Polizeioberkommissar.

Dass er nicht angegriffen worden sei, habe er auch den Kollegen zu verdanken, die er zuvor zur Verstärkung gerufen habe. Laut Polizeiangaben von damals waren zehn Streifenwagen im Einsatz.

Für seinen Mandaten schilderte Verteidiger Jerrit Schöll, dass dieser nicht Teilnehmer des Hochzeitskorsos gewesen sei. »Der Fahrer des Pannefahrzeug ist sein Neffe und hat ihn angerufen und um Hilfe bei der Panne gebeten. Mit dem vorherigen Geschehen hatte er nichts zu tun«, so Schöll.

Pfefferspray eingesetzt

Da H. sich geweigert habe, ihm seinen Namen zu nennen, habe A. den Streifenwagen fotografieren wollen, um den Polizisten über dessen Kennzeichen identifizieren können. Dem widersprach H. »Ich habe meinen Namen genannt.« Außerdem sagte Schöll, habe sein Mandant den Polizisten nicht beleidigt, auch habe dieser den Platzverweis nicht mitbekommen.

In Einvernehmen mit Staatsanwältin Sabine Berger und Verteidiger Jerrit Schöll stellte Richter Jan-Christoph Mayer das Verfahren gegen A.  ein. Er sei nicht vorbestraft, nicht Teilnehmer des Korsos gewesen, habe Pfefferspray abbekommen und bis nachts um 3 Uhr im Polizeigewahrsam gesessen, begründete dies der Richter.

Kommentare

Prima !!!

Dann geht WILDWEST in unseren Städten weiter. Der Polizei (immer in der Minderzahl) wird durch die Aussagen der zahlreichen Verursacher das Wort im Munde umgedreht. Wir "braven" Bürger bleiben als erstaunte Zuschauer auf der Tribüne, sehen tolle Shows und werden unsere Zivilcourage begraben, da wir uns damit nur selber in Gefahr bringen, als Lügner diffamiert zu werden.

1 Kommentare

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