Gesellschaft legt Bielefelder Jahnplatz lahm – Mann muss wohl nur Verwarngeld zahlen Hochzeitskorso: Fahrer ermittelt

Bielefeld (WB). Eine Woche nachdem ein Hochzeitskorso den Verkehr auf dem Jahnplatz in Bielefeld minutenlang blockierte , hat die Polizei den Fahrer der Stretchlimousine ermittelt. »Der Mann hat sich bei der Polizei gemeldet«, berichtet Polizeisprecherin Hella Christoph auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage. Zum Alter und Wohnort des Mannes, der für eine Mietwagenfirma arbeitet, will die Polizei keine Angaben machen.

Von Stefan Biestmann
Eine Hochzeitsgesellschaft blockiert den Bielefelder Jahnplatz.
Eine Hochzeitsgesellschaft blockiert den Bielefelder Jahnplatz. Foto: Pierel

Nach jetzigem Stand der Ermittlungen muss der Mann aber lediglich ein Verwarngeld in Höhe von 15 Euro zahlen – »wegen Parkens auf der Fahrbahn«, berichtet Hella Christoph. Grund dafür sei, dass sich trotz mehrmaligen Aufrufs bislang noch »kein Geschädigter und kein Opfer« bei der Polizei gemeldet habe. Erst dann würde die Polizei wegen Nötigung oder wegen Gefährdung des Straßenverkehrs ermitteln.

Aber die Ermittlungen seien keinesfalls abgeschlossen, denn die Polizei bittet weiterhin mögliche Geschädigte darum, sich unter der Telefonnummer 0521/5450 zu melden. Zudem würden weiter Fotos ausgewertet, um mögliche Zeugen zu ermitteln. Die Ermittlungen der Polizei haben auch ergeben, welches Brautpaar im Auto saß. Zum Alter und Wohnort macht die Polizei auch hier keine Angaben. Das Paar müsse vorerst kein Verwarngeld zahlen, sagt Hella Christoph.

Gespräch mit dem Paar

Allerdings plane die Polizei ein Gespräch mit dem Paar, in dem klar gemacht werden solle, dass die Aktion »kein gängiges Verhalten« sei. »Das hätte auch anders ausgehen können«, sagt Hella Christoph. Der Autokorso mit einer Stretchlimousine an der Spitze hatte am vergangenen Freitag gegen 18.20 Uhr an der Ampel vor der Bushaltestelle gestoppt und blieb in Fahrtrichtung Kunsthalle minutenlang stehen. Das Brautpaar und knapp 20 Gäste stiegen aus und schossen Fotos.

Zwei Männer sprangen auf die Fahrspur in Gegenrichtung und stoppten einige Fahrzeuge. Nach dieser Aktion wich der Verkehr auf die Umweltspur aus. Bevor die Polizei eingreifen konnte, hatte die Hochzeitsgesellschaft die Blockade wieder aufgelöst.

In den vergangenen Monaten musste die Polizei häufiger wegen ausufernder Hochzeitskorsos ausrücken. Allein im April verzeichnete die Polizei in NRW 104 Korso-Einsätze.

Kommentare

Hochzeitskorso und Ordnungsrecht

Auch bei deutschen Hochzeiten habe ich erlebt, das so manches gestandene Familienmitglied am Steuer regelrecht ausgeflippt ist. Die Hupkonzerte lassen grüßen. Die Polizei schaute da auch schon mal immer wieder weg. In Paderborn streiten die Behörden gern darum, wer für den fließenden und wer für den stehenden Verkehr zuständig sein könnte. Ordnungsamt und Polizei sind sich jedoch schnell einig und werden tätig, wenn es um das schnelle abkassieren geht. Ich meine oft genug ein gewisses Maß an Willkür erlebt zu haben. Entweder leugnete man das wegsehen oder sprach von billigen Ermessen. Doch hier geht es nicht um behördliches Raubrittertum unter dem Deckmantel von Verkehrsregulierung.

Das Ordnungsrecht erscheinen mir zu lasch und wenig geeignet, um Verkehrs Blockaden aus nichtigen Anlässen zu ahnden. Müssen erst Menschen zu Schaden kommen bis der Staat hier zumindest präventiv tätig wird? Wo bleibt bei dieser Hilflosigkeit und Unentschlossenheit das öffentliche Interesse? Und wer bitteschön sollte sich trauen einen durchgeknallten Autokorso anzuzeigen, wenn man anschließend die Personalien bekannt werden und im Falle gewaltbereiten temperamentvollen Personen mögliche Gewalttaten befürchten muß. Und welcher Polizeibeamte traut sich einen Konflikt mit einer deutlich größeren und emotional geladen Feiergemeinschaft in Unterzahl herbeizuführen?

Die Behörden bekleckern sich auch hier nicht wirklich mit Ruhm. Schön dass wir mal darüber geredet haben......und weiter so...

Hochzeitskorso, Verkehrsblockade in Bielefeld, 15 euro Strafe!

Grotesk, dieser Staat und diese Polizei!!!! Vor ca. 3 Jahren bin ich durch ein asphaltiertes Waldstück mit mäßigem Verkehr statt mit 70km/h wie erlaubt mit 92 km gefahren (ich war innerlich über etwas sehr verärgert und habe deshalb nicht auf den Tacho geschaut). Hinter dem ersten Busch, nach ca. 50-100 m, lauerte die Polizei! Stopp, ich habe sofort meinen Personalausweis vorgezeigt, 3 Tage später kam der Bußgeldbescheid, fast 100 Euro!!!!
Dieser Staat (u. offensichtlich diese Polizei) ist so etwas von lächerlich und UNGLAUBWÜRDIG! Misst mit zweierlei Maß, wie auch diese Beispiel belegt! Lächerlich, ein Staat, der einen ausplündert u. NICHT schützt!

Gesetze haben sich bewährt

Was halten die Vorredner denn für eine Strafe oder Bußgeld für angemessen? Die Sache ist doch noch gar nicht abschließend geklärt. Bei Nötigung oder Gefährdung (§315b StGB wie abgedruckt) reden wir von ganz anderen Dimensionen. In Deutschland ist etwas langsam, aber korrekt. Das heißt aber auch, das man auf das deutlich geringfügigere Bußgeld beschränkt ist, wenn es für das Strafrecht nicht reicht. Man kann nicht einfach mehr aufbrummen, nur weil die Aktion insgesamt verrückt und rechtswidrig ist

Wie bitte ???

§ 315b
Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr

(1) Wer die Sicherheit des Straßenverkehrs dadurch beeinträchtigt, daß er
1. Anlagen oder Fahrzeuge zerstört, beschädigt oder beseitigt,
2. Hindernisse bereitet oder
3. einen ähnlichen, ebenso gefährlichen Eingriff vornimmt,

und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Handelt der Täter unter den Voraussetzungen des § 315 Abs. 3, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

(4) Wer in den Fällen des Absatzes 1 die Gefahr fahrlässig verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(5) Wer in den Fällen des Absatzes 1 fahrlässig handelt und die Gefahr fahrlässig verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Keine worte

Man findet keine Worte mehr für unsere gesetzsprechung. Einfach nur lächerlich

Peinlicher gehts fast nimmer

Was ist jetzt peinlicher? Als Brautpaar auf dem Jahnplatz zu stehen oder "nur" 15 EUR Bußgeld für diese Aktion.
Diese bezahlt dann der Fahrer - wahrscheinlich natürlich das Brautpaar. Wenn ich ein Gewebe ausübe und vorsätzlich so gefährliche Situationen unterstütze - nichts anderes macht der Limousinenservice - dann sollte man solchen Leuten das Gewerbe untersagen.
Wir alle sollen tolerieren, nur das diese Aktionen nur noch nerven sollte auch in der türkischen Gemeinde langsam angekommen sein.

15€

Auf dem Parkplatz vor einem Baumarkt in Schildesche habe ich die Parkuhr hinter der Windschutzscheibe nicht platziert. Bisher hat man auch nicht verlangt das zu machen und ich wusste nichts vor der neuen Abzocker Methode. Für dieses "Verbrechen" habe ich ebenfalls einen Bußgeld in höhe von 15 € bekommen. Mit diesem Unterschied, dass ich den Verkehr nicht behinderte und keiner hat einen Schaden deswegen erlitten. Man könnte dies nur so erklären, dass das deutsche Gesetz "normale" und privilegierte Bürger unterscheidet. Zu der ersten Gruppe zählen die Deutsche, zu der anderen Ausländer. Ich werde bestimmt den selben Fehler nicht machen, weil 15 € ist eine hohe Summe für mich. Aber für manche Leute ein Bußgeld von 15 € ist eine Einladung zu Wiederholung. Nur weiter so.

Das ist jetzt schon


meine Lieblingsgeschichte des Jahres. Erst findet die Polizei, die ihre Wache neben an hat, den Halter / Fahrer nicht - obwohl das Kennzeichen zum großen Teil auf dem Foto zu erkennen ist - und jetzt die 15 Euro Nummer. Welcome to Absurdistan.

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