Bertelsmann-Studie: Jeder Zweite empfindet den Islam als Bedrohung Bielefelder Konfliktforscher warnt vor Ausgrenzung von Muslimen

Bielefeld/Gütersloh (epd). Der Konfliktforscher Andreas Zick hat vor zunehmender Islamfeindlichkeit und Ausgrenzung von Muslimen gewarnt. »Alltagspöbeleien, Verdächtigungen und Distanzierungen gehören in weiten Teilen der Muslime zum Alltag«, sagte Zick in Bielefeld dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Rechtspopulistische Gruppen bemäntelten ihre Islamfeindlichkeit als Islamkritik. Anders als Kritik steht Islamfeindlichkeit laut Zick für die Abwertung von Muslimen und eine Verallgemeinerung auf alle Muslime. Die damit verbundenen politischen Ideologien von »unser Volk« und »Widerstand« gingen Forschungen zufolge heute klarer mit einer allgemeinen Billigung von Gewalt einher.

Islam als Bedrohung

Antimuslimische Vorurteile würden politischer, das zeige auch die aktuelle Bertelsmann-Studie , erklärte der Wissenschaftler. Die Sprache der vermeintlichen Islamkritik sei in den letzten Jahren immer aggressiver geworden. Nach dem »Religionsmonitor« der Bertelsmann Stiftung, der am Donnerstag in Gütersloh veröffentlicht wurde, empfindet jeder zweite Befragte den Islam als Bedrohung.

Gesellschaftliche Krisen wirkten sich immer negativ auf sogenannte Minderheiten aus, gegenüber denen Vorurteile der Minderwertigkeit herrschten, warnte Zick. Nach dem Brexit, der Trump-Wahl und der politischen Krisen in Frankreich sei die Zahl antimuslimischer Hasstaten gestiegen. Im Osten Deutschlands sei die stärkere Ablehnung des Islams auf mangelnde Kontakterfahrungen wie auch den starken Einfluss von Rechtspopulisten zurückzuführen, erläuterte der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld.

Klischees hinterfragen

Der Wissenschaftler rief dazu auf, Vorurteile und Klischees über den Islam kritisch zu hinterfragen. Das Stereotyp der Bedrohung durch den Islam habe in vielen Ländern eine lange Tradition. Die Migration von Geflüchteten und Asylsuchenden der letzten Jahren sei als bedrohlich und muslimisch wahrgenommen worden. Die »Pegida«-Demonstrationen hätten sich gegen eine vermeintliche Islamisierung formiert. Menschen versuchten über Vorurteile die Wirklichkeit zu erklären und sie zu verstehen. »Besonders in gesellschaftlichen Krisenzeiten werden Stereotype und Vorurteile gegen Fremde wirksam, indem sie Identität und Gemeinschaft schaffen«, erklärte Zick.

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