Freie Theaterszene zeigt sich auch beim 2. »Außer Haus«-Festival mit großer Bandbreite
Aufbruch und Angst

Bielefeld (WB). Der eine reist ins Wunderland, der andere mit einem Buch in die Welt der Piraten. Schnecken reisen mit Buckelwalen, Zootiere in Kisten und Flüchtlinge erleben das Ende ihrer Reise nicht. Beim 2. »Außer Haus«-Festival der Freien Theater Bielefelds sind die Figuren in Bewegung, sie machen sich auf den Weg in ein besseres Leben oder versuchen ihm zu entfliehen.

Montag, 08.07.2019, 17:54 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 18:42 Uhr
»Zoo-Hause ist es am schönsten« lautet die Botschaft der Bielefelder Puppenspiele – Dagmar Selje. Foto: Kerstin Panhorst

Der Aufbruch in fantastische Welten steht dabei dem Gefühl der Angst vor der zu großen Welt gegenüber, dem Impuls, sich hinter Mauern vor dem Fremden zu verschanzen. Kleine Sehnsüchte und große Träume vom Ausbrechen aus starren Konventionen ziehen sich durch viele der 14 aktuellen Inszenierungen, aus denen die unterschiedlichen Theatermacher Ausschnitte zeigen.

15 Jahre lang präsentierten sich zuvor die Freien Theater mit der Nachtreise, im vergangenen Jahr feierte »Außer Haus« Premiere. Organisiert von der Initiative Freie Darstellende Künste Bielefeld verlassen sie dafür für eine Nacht ihre gewohnten Spielstätten und präsentieren sich in und um das Theaterhaus Tor 6.

Festival »Außer Haus«

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Das »um« gestaltete sich dieses Mal allerdings schwierig. Zwar konnte das Tunnel-Theater den Auftakt noch wie geplant gestalten und führte die Besucher des szenischen Spaziergangs »Rothgießer in seinem Park« auf den Spuren Georg Rothgießers über das Gelände von Dürkopp Tor 6. Doch kurz nach der Performance über den Visionär, der Hochradrennen und die Fortbewegung von Fahrzeugen mittels Knallgas ersann, bevor er im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet wurde, setzte der Regen ein.

Dahin war der Plan, die neue Haltestelle Dürkopp Tor 6 in der Nähe des Theaterhauses samt Bahnsteig und Park mit überraschenden Auftritten zu bespielen. Doch von so etwas Banalem wie unpassendem Wetter lassen sich Bielefelds Kreative nicht abschrecken: kurzerhand wurde auch noch das Foyer des Theaterlabors in einen weiteren Theatersaal verwandelt, so dass im Gebäude bis zu fünf Inszenierungen gleichzeitig gezeigt werden konnten. Die mehr als 250 Besucher hatten also die Qual der Wahl zwischen modernem Schauspiel, Musik- und Tanz-, Straßen- und Figurentheater, Kindertheater, Performances und Musik.

Die Puppen tanzen ließen dabei unter anderem die Bielefelder Puppenspiele – Dagmar Selje in »Zoo-Hause ist es am schönsten« und das Puppentheater Pulcinella mit »Die Schnecke und der Buckelwal«. Die Canaillen-Bagage zeigte unterdessen Ausschnitte aus »Ein Gaunerstück«, dem frei nach John Gays Singspiel »Bettleroper« gestalteten Straßentheaterstück über den Boss eines Gaunerrings. Der Boss ist nicht so ganz einverstanden mit der Wahl seines zukünftigen Schwiegersohnes und zieht alle um ihn herum in eine turbulente Auseinandersetzung um Liebe, Eifersucht und Verrat hinein.

Zwei Produktion aus Bethel

Gleich mit zwei Inszenierungen präsentierte sich die Theaterwerkstatt Bethel. In »Mauer_Fälle – von Zusammenbrüchen und neuen Hoffnungen« baut das Volxtheater Wände, Wälle, Türme und Schächte als Zeichen für Schutz und Ausgrenzung, Umfriedung und Aggression. In der Performance »Zuhause für jeden!?« hinterfragt das Volxperformance-Kollektiv analog dazu das Zuhause als Ort der Geborgenheit, Zuflucht und sozialer Verwurzelung bis hin zur Verankerung von Identität.

Und in »Lampedusa« stellt das Forum für Kreativität und Kommunikation die Lebensentwürfe einer Schuldeneintreiberin und eines Fischers, der Leichen aus dem Wasser vor seiner Insel zieht, gegenüber. Beide verdienen ihr Geld mit dem Unglück anderer und können doch selbst nicht glücklich sein. Außerdem dabei waren beim Theaterfestival das AlarmTheater, das Feedback Kollektiv, das Mobile Theater, das Theaterlabor, das Trotz-Alledem-Theater und das Duo Wadowski & Flottmann.

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