Vor allem Unternehmen mit viel Geld müssen zahlen
Drehen an der Strafzins-Schraube

Samstag, 06.07.2019, 05:00 Uhr
Unbeirrt von der gegenteiligen Entwicklung in den USA hält die Europäische Zentralbank an der Politik des billigen Geldes fest. Die Erwartung einer Zinswende im Verlauf dieses Jahres hat der noch amtierende EZB-Chef Marion Draghi zurückgenommen. Foto: dpa

Das hat Folgen auch für die Geldinstitute in OWL und für ihre Kunden: Die Banken müssen für Einlagen bei der EZB weiterhin einen »Negativzins« von 0,4 Prozent bezahlen. Schlimmer noch: EZB-Chef Mario Draghi hat gerade wegen der konjunkturellen Abkühlung und der niedrigen Inflationsrate sogar eine Erhöhung auf 0,5 Prozent ins Gespräch gebracht.

Negativzins nicht an Kunden weitergeben

Noch immer gibt es Institute wie die Deutsche Bank, die den Negativzins grundsätzlich nicht an ihre Kunden weitergeben. »Aber das ist eine große Herausforderung, die unser Ergebnis natürlich sehr belastet«, sagt Bernd-Christian Balz, Sprecher der Geschäftsleitung der Bank in OWL.

Die Sparkasse Herford hat gerade entschieden, den bisherigen Kurs aufzugeben und von gewerblichen und institutionellen Großanlegern wie Kommunen oder Versicherungen ab diesem Sommer ein »Verwahrentgelt« von 0,4 Prozent zu verlangen. Voraussetzung ist allerdings ein Einlagevermögen von mehr als drei Millionen Euro. Privatkunden bleiben noch verschont – wie aktuell fast überall in Ostwestfalen-Lippe.

Bei der Commerzbank existiert die »Guthabengebühr« auf hohe Einlagen von Konzernen und institutionelle Kunden schon länger, doch wird sie jetzt verstärkt eingefordert. »Unser Ziel ist es aber nicht, die Gebühr zu erheben, sondern gemeinsam alternative Anlagenkonzepte zu entwickeln«, sagt Frank Brüggemann (Commerzbank Bielefeld).

Grenzen

Die Volksbank Bielefeld-Gütersloh erhebt »Verwahrentgelte« in Höhe des EZB-Strafzinses seit dessen Einführung 2017 zwar auch nur von institutionellen und gewerblichen Großanlegern. Doch liegt die Grenze, bei der »wir das Gespräch suchen«, im Einzelfall schon bei 750.000 Euro.

Weitgehend tabu ist bislang noch die Erhebung von »Verwahrentgelten« bei Privatkunden. Eine Ausnahme ist etwa die Kreissparkasse Wiedenbrück. »Bei Einlagen ab einer Million Euro müssen wir in wenigen Einzelfällen auch von Privatkunden Strafzinsen in Höhe dessen fordern, was wir an die EZB abführen müssen«, sagt der Vorstand des Instituts, Werner Twent. Er geht davon aus, dass mehr Banken dem Beispiel folgen: »Die Frage ist virulent.«

Diskussion

Dass das Thema brennt, bestätigt auch Elmo Spieß, Sprecher der größten OWL-Sparkasse in Paderborn-Detmold: »Sollte die EZB ihren Negativzins weiter erhöhen, werden auch wir darüber nachdenken, diese Kosten an unsere Kunden weiter zu geben.« Bislang zahlen gewerbliche Kunden ab einem Guthaben von einer Million Euro einen Zins von 0,4 Prozent.

Beim größten genossenschaftlichen Institut der Region, der Verbund-Volksbank OWL, diskutiert man »angesichts der Entwicklung bei der EZB« ebenfalls das Thema Anpassung der Verwahrentgelte. Eine Ausweitung auf vermögende Privatkunden schließt Vorstand Franz Kleine zum jetzigen Zeitpunkt aus: »Das wäre ein Dammbruch.«

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