Bielefelder Bestseller-Autor Bernhard Schlink wird 75
»Ich bin beim Schreiben glücklich«

Berlin/Bielefeld (epd). Kein deutscher Roman war nach 1945 international erfolgreicher als »Der Vorleser« von Bernhard Schlink. 1995 erschienen, stand er 1997 auf Platz eins der Bestsellerliste der »New York Times«. Er wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt und erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise. Sogar Hollywood hat ihn unter dem Titel »The Reader« verfilmt – mit Kate Winslet in der weiblichen Hauptrolle. An diesem Samstag feiert Bernhard Schlink seinen 75. Geburtstag.

Samstag, 06.07.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2019, 16:46 Uhr
m Mai besuchte Bernhard Schlink die Universität Bielefeld und las aus seinem jüngsten Roman »Olga«. Foto: Oliver Schwabe

Schlink wurde als Sohn eines Theologieprofessors am 6. Juli 1944 in Großdornberg geboren, heute ein Teil der Stadt Bielefeld. Er studierte Jura in Heidelberg und Berlin, promovierte 1975 in Heidelberg, habilitierte sich 1981 in Freiburg im Breisgau, lehrte anschließend in Bonn, Frankfurt am Main und an der Humboldt-Universität in Berlin. Von 1987 bis 2005 war er Richter am Verfassungsgerichtshof Nordrhein-Westfalen in Münster. Er hat einen Sohn, lebt heute im Ruhestand in New York und Berlin.

»Selbs Justiz« war erster literarischer Text

Seinen ersten literarischen Text, den Krimi »Selbs Justiz«, schrieb Schlink zusammen mit einem Freund, Walter Popp. Hauptfigur ist Gerhard Selb, ehemaliger Staatsanwalt, jetzt Privatdetektiv, ein Mann mit einer Nazivergangenheit. Schon dieser Kriminalroman, erschienen 1987, ist ein typischer »Schlink«: prägnant erzählt in einer einfachen, klaren, aber nicht simplen Sprache. Schauplatz der Geschichte ist wie in allen seinen Romanen das Deutschland des 20. Jahrhunderts mit seinen politischen Verfehlungen und Verbrechen.

Dabei moralisiert Schlink nicht, er erzählt nur, überlässt das Urteil den Lesern und Leserinnen. Das haben ihm einige Kritiker übelgenommen, ihm wurde unter anderem »Gefühls- und Geschichtskitsch im Umgang mit der NS-Zeit« vorgeworfen. 2002 kommt Schlinks Essaysammlung »Vergangenheitsbewältigung und gegenwärtiges Recht« heraus.

Fleißiger Autor

»Ich bin beim Schreiben glücklich«, sagte er 2009 der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, »mag der Erfolg sein, wie er will«. Die Selb-Romane, es folgten »Selbs Betrug« (1992) und »Selbs Mord« (2001), spielen in Fabriken und Banken in der Gegend um Mannheim und Heidelberg, die Schlink sehr gut kannte.

Im Krimi »Die gordische Schleife« (1988) bekommt es der Besitzer eines Übersetzungsbüros mit Konstruktionsplänen für Kampfhubschrauber zu tun.

Schlink war und ist ein sehr fleißiger Autor, hat Essays veröffentlicht und Erzählungen, so »Liebesfluchten« (2000) und »Sommerlügen« (2010) und immer wieder Romane. Sie erregten allerdings weit weniger Aufsehen als »Der Vorleser«. In »Das Wochenende« (2008) trifft ein nach 20 Jahren begnadigter RAF-Terrorist alte Freunde. »Die Frau auf der Treppe« (2014) ist von einem Gemälde Gerhard Richters angeregt. Und sein jüngster Roman »Olga« (2018) erzählt eine Liebesgeschichte, die vom Kaiserreich bis fast in die Gegenwart reicht.

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