Stadtwerke setzen auf neue Geschäftsfelder, aber die Gewinne sinken
Stadtwerke Bielefeld sind digital unterwegs

Bielefeld (WB). Oberbürgermeister Pit Clausen ist jetzt neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Bielefeld. Als Nachfolger des verstorbenen Hans Hamann konnte er am Freitag gleich ein erfreuliches Ergebnis zur Kenntnis nehmen: 2018 erzielten die Stadtwerke ein Jahresergebnis von 18,6 Millionen Euro.

Samstag, 06.07.2019, 06:00 Uhr
Tom Ihle von der Firma Ludwig Freytag sorgt für Glasfaseranschlüsse an der Klarhorststraße. Foto: Hans-Heinrich Sellmann

Das sind zwar weniger als die 83 Millionen Euro des Vorjahres, die vor allem Sondereffekten wie der Brennelementesteuerrückzahlung zu verdanken waren. Aber auch von diesem Betrag sind 22,1 Millionen Euro Verlust der Verkehrstochter Mobiel schon abgezogen. Mit anderen Worten: Die Stadt muss sie nicht selbst bezahlen.

»So wird es allerdings nicht weitergehen«, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Martin Uekmann bei der Vorstellung des Jahresabschlusses 2018. Auch in diesem Jahr würden die Stadtwerke die Verkehrsverluste noch erwirtschaften können. Doch dann sei wohl Schluss damit.

280 Millionen Euro für Versorgung der Stadt mit Glasfaserkabeln

Auch weil die Stadtwerke sich selbst allerhand vorgenommen haben, etwa die flächendeckende Versorgung der Stadt mit Glasfaserkabeln. Allein dafür sind in den kommenden Jahren 280 Millionen Euro angesetzt. »Das ist eine Investition in die Zukunft«, so Uekmanns Geschäftsführer-Kollege Rainer Müller. In Sudbrack nahm die Verkabelung ihren Anfang. Im Industriegebiet Gildemeisterstraße wurde weitergearbeitet, aktuell in Altenhagen.

Hinzu kommen die »weißen Flecken«, wo die Bewohner von schnellem Internet bisher nur träumen konnten. Dort steigen auch Privatkunden gern sofort um. In den Innenstadtbereichen sind sie zögerlicher, weil dort das Kupferkabel »vorübergehend« noch ausreiche, meinte Uekmann. Selbstbewusst geben sich Müller und Uekmann, wenn es um den Klimaschutz geht. Die vereinbarten Klimaschutzziele, nämlich 40 Prozent weniger Kohlendioxid zu produzieren als im Vergleichsjahr 1991, hätten die Stadtwerke schon 2018 erreicht, so Müller.

Er verwies am Freitag darauf, dass die Stadtwerke 2018 rund 104.000 Haushalte mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen konnten – das ist weit mehr als die Hälfte aller Haushalte in Bielefeld. Der Aufsichtsrat machte am Freitag auch den Weg frei für ein Batterie-Speicher-Kraftwerk. Noch so ein Zukunftsprojekt. Denn es ermöglicht, den überschüssigen grünen Strom zu speichern und ist eine »Power to heat«-Anlage: Aus dem überschüssigen Strom kann Fernwärme gewonnen werden.

Kerngeschäft soll nicht vernachlässigt werden

Klimaschutz, Energie- und Verkehrswende, Abfallentsorgung, Digitalisierung – allesamt Bereiche, in denen sich der Versorger tummelt. Darüber soll aber auch das Kerngeschäft nicht vernachlässigt werden. Der Stromabsatz lag 2018 mit fast 3,3 Milliarden Kilowattstunden mehr als acht Prozent über dem Vorjahresniveau. Beim Erdgas konnten die Absatzmengen um 2,3 Prozent auf 4,7 Milliarden Kilowattsunden gesteiert werden. Nur bei der Fernwärme gab es einen leichten Rückgang (mins 2,3 Prozent).

Der heiße Sommer und eine lange Trockenperiode ließen 2018 den Wasserverbrauch um 5,2 Prozent auf 19,2 Millionen Kubikmeter ansteigen. »Die Versorgung bleibt gewährleistet«, versprach Müller. Engpässe wie anderswo in OWL werde es nicht geben.

2020 hoffen die Stadtwerke auf den Zuschlag für ein weiteres Zukunftsprojekt: an der Müllverbrennungsanlage in Heepen soll eine Klärschlammverbrennung entstehen. Die Baugenehmigung ist beantragt. 70 Kommunen aus der Region könnte Entsorgungssicherheit geboten werden.

Kommentar von Michael Schläger

Unternehmen die weltweit agieren, werden gern als Global Player bezeichnet. Bielefelds Stadtwerke sind ein echter »City Player« – im besten Sinne. Sie spielen eine immer größere Rolle, wenn es darum geht, Infrastrukturprojekte in der Stadt zu realisieren. Das geht schon seit langem über die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser hinaus. Ihre Tochter Mobiel ist ein wichtiger Akteur, wenn es um die Mobilitätswende geht.

Der Ausbau des Glasfasernetzes in der Gesamtstadt ist ein echtes Marathonprojekt. Und die Bäder-Tochter BBF soll jetzt auch noch ein neues Kombi-Bad in Jöllenbeck realisieren. Das alles klappt und kann klappen, aber dabei sind die Stadtwerke nicht länger die Gelddruckmaschine fürs Rathaus. Das zeigen die schmelzenden Gewinne. Bei aller Zufriedenheit und Euphorie: Was immer die Politik bei den Stadtwerken »in Auftrag gibt« – es muss am Ende auch bezahlt werden.

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