Dirk Ukena war auch im Gründungsausschuss der neuen Uni
Uni-Serie: Der erste Absolvent

Bielefeld (WB). Studiert hat Dirk Ukena kaum in Bielefeld. Dennoch ist der langjährige Leiter der Bielefelder Volkshochschule der erste Absolvent der Universität Bielefeld. Im Sommersemester 1970 bestand er sein Diplom. »Ein Zeugnis konnte mir nur mit Schreibmaschine getippt werden, das Exemplar mit ›ordentlichem‹ Briefkopf erhielt ich erst etwa ein Jahr später«, erinnert er sich.

Sonntag, 07.07.2019, 06:00 Uhr
Dirk Ukena, heute 74 Jahre alt, war zwar nicht der erste Student der Universität Bielefeld (das war ein Jurist), aber der erste, der eine Examensurkunde erhielt.

Als Ukena 1965 am Bielefelder Max-Planck-Gymnasium das Abitur ablegte, studierten gerade einmal sechs Prozent eines Jahrgangs an einer Hochschule. In Nordrhein-Westfalen gab es nur Bonn, Köln, Münster und Aachen als Studienorte. Ukena entschied sich für Münster und schrieb sich für Soziologie und Volkswirtschaft ein. »Ich hatte Arno Klönne, der damals Assistent in Münster war, bei einem Ostermarsch kennengelernt und beschlossen, dort ins Studium einzusteigen und dann an das Otto-Suhr-Institut der Humboldt-Universität zu wechseln«, erzählt er.

Allerdings erfuhr er, kaum dass er die Zusage für Berlin in der Hand hielt, dass er Vater würde. Er fühlte sich zwar dem linken Milieu zugehörig, beschloss aber ganz bürgerlich, Verantwortung zu übernehmen. Also änderte Dirk Ukena seine Pläne, da er neben dem Studium in Münster durch Werkverträge an der Sozialforschungsstelle in Dortmund arbeiten konnte: »Damit habe ich dann Geld für unsere kleine Familie verdient.«

Per Akklamation zum »VDS-Neugründungsbeauftragten«

Politisch aktiv war der angehende Soziologe und Volkswirt außerdem noch beim Sozialdemokratischen Hochschulbund. Daher nahm er Mitte 1968 auch an einer Sitzung des Verbandes Deutscher Studentenschaften teil, in dem ein Brief des damaligen NRW-Wissenschaftsministers Johannes Rau vorgetragen wurde. Der bat für die Neugründung der Uni Bielefeld um die Benennung eines studentischen Vertreters in den Gründungsausschuss der Hochschule. »Ich fühlte mich überhaupt nicht angesprochen, weil ich andere Pläne hatte.«

Andere Studentenvertreter hatten aber auch keine Lust nach Bielefeld zu gehen, und weil Ukenas Eltern hier wohnten, mithin das Übernachtungsproblem keines wahr, wurde er quasi per Akklamation zum »VDS-Neugründungsbeauftragten« bestimmt.

Von Stund’ an musste er sich mit Vor-Konfigurierungen für Fakultäten, mit Berufungen, der Entscheidung für ein Hochschulgebäude oder Raumplanungen befassen. »Und da ich nun schon im Gründungsausschuss war, habe ich mein Studium eben auch hier beendet – mit Ausnahme der volkswirtschaftlichen Fächer.« Schließlich gab es hier auch noch keine Wirtschaftsfakultät.

Einen Bruch bedeutete der Wechsel für ihn allerdings nicht: Mehrere Münsteraner Professoren und Studenten aller Semester zog es nach Bielefeld, »wir Soziologen bildeten damals quasi die erste richtige Fakultät. Denn die Juristen hatten nur Erstsemester, und die Mathematiker wiederum noch keine Studienanfänger.«

»Kampfauftrag« vom VDS

Der Gründungsausschuss, erinnert sich Ukena, bestand aus einem kleinen Kreis von 13 Herren, darunter ihm als studentischem Vertreter und Ludwig Huber (später Leiter des Oberstufenkollegs und Professor für Hochschuldidaktik) als Vertreter der Assistenten. Dabei, betont Ukena, verhandelten er und Huber mit den gestandenen Professoren durchaus auf Augenhöhe. »Wir fühlten uns mit am Tisch.« Klar war allerdings, dass man als Vertreter einer Statusgruppe in dem Gremium saß und zuweilen auch entsprechend agierte und argumentierte.

»Wir (Ukena und sein Stellvertreter) waren ja Beauftragte des VDS und hatten der Radikalisierung des so genannten Zentralrats zu folgen.« Damit verbunden war durchaus ein »Kampfauftrag«, wie er es nennt: »Die Neugründungsbeauftragen sollen ihr Ziel darin sehen, Konflikte mit zu gründen, das heißt die Front gegenüber Professoren und Universitätsbürokratie beziehungsweise der Stadtbürokratie, sodann gegenüber den reaktionären studentischen Handlangern (RCDS, DSU) schon in die Satzungsentwürfe mit einzubringen«, hieß es vom VDS.

Die erste Satzung der Uni vom Februar 1969, so Ukena, sei ein Beispiel für die Doppelgleisigkeit des Verhaltens und der Außendarstellung. Nicht alles, aber doch manches hatte er erreicht, dem »Auftraggeber« VDS aber reichte es nicht, weswegen die Studenten im Juli 1969 kurz vor Aufnahme des Uni-Betriebs »spektakulär« aus dem Gründungsausschuss ausziehen mussten. Gründungsrektor Proof. Dr. Ernst-Joachim Mestmäcker bedauerte das: Er lobte, dass mit den studentischen Mitgliedern eine sachliche Zusammenarbeit möglich gewesen sei.

Gleichwohl: Durch die Arbeit im Gründungsausschuss habe er fürs Leben gelernt, meint Ukena: Er konnte das Wissen und die Erfahrungen gleich bei seiner ersten Stelle an der Hochschul-Informationssystem GmbH, einer externen Planungsstelle für Hochschulen, nutzen. Und auch später, zunächst als Fachleiter und dann langjähriger Direktor der Bielefelder Volkshochschule kam es ihm zugute.

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