OWL-Landwirte erwarten wegen der Trockenheit erneut geringen Ertrag
Sorgen um die Ernte

Hövelhof (WB). Die Lage der Landwirte in Ostwestfalen-Lippe spitzt sich nach Einschätzung des Bauernverbands zu. Nach dem Hitzesommer 2018 rechnet der Bezirksvorsitzende Hubertus Beringmeier erneut mit teilweise deutlichen Einbußen – auf jeden Fall mit einer unterdurchschnittlichen Ernte.

Donnerstag, 04.07.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 06:58 Uhr
Mit der Gerste hat in diesen Tagen nicht nur in Ostwestfalen-Lippe die diesjährige Getreideernte bereits begonnen. Größere Einbußen befürchten die Landwirte aber vor allem bei den nachfolgenden Ernten von Weizen, Roggen und Triticale sowie bei Mais. Foto: dpa

Verhältnismäßig gut weggekommen sind nach Angaben des Landwirts aus Hövelhof die Erdbeer- und Spargelbauern. Sie hätten sogar von der Sonne zur Erntezeit profitiert. Auch die Gerste, die aktuell in der Region bereits gedroschen wird, habe gut ausreifen können. Dagegen seien die Ernteerwartungen der Bauern bei den übrigen Getreidesorten – vor allem Weizen, Roggen und Triticale – deutlich niedriger. Die Körner seien kleiner und könnten diesen Rückstand beim Wachstum auch kaum noch aufholen.

Erkennbare Trockenschäden beim Mais

Weltweit war der Juni 2019 nach Angaben von Experten der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch in Deutschland markierte er mit Temperaturen bis zu 39,6 Grad einen Rekord. Inzwischen sind die Temperaturen zwar zurückgegangen. »Doch was die Bauern brauchen, sind kräftige Landregen«, sagt Beringmeier. Diese aber seien überhaupt nicht in Sicht.

Erkennbare Trockenschäden gebe es auch schon beim Mais. Zum Teil seien sie so groß, dass sie auch bei idealem Wetter nicht mehr aufgeholt werden könnten.

Besonders stark leiden Beringmeier zufolge auch die Gemüsebauern in OWL unter den trockenheißen Sommerwochen. Künstliche Bewässerung könne – ganz abgesehen von der Kostenfrage – den Regen nicht ersetzen.

Heu ernten die Bauern in Ostwestfalen-Lippe je nach Lage vier bis fünf Mal im Jahr. Zweimal wurde der sogenannte Grünschnitt 2019 schon durchgeführt. »Doch der dritte ist ein Totalausfall«, sagt Beringmeier.

Silos leer

Das wiederum hat Folgen auch für die Viehhalter unter den Landwirten. Insbesondere bei Rindern sowie bei Schafen spiele das Grünfutter eine große Rolle. Doch die Silos seien nach dem Hitzesommer 2018 leer, erklärt der OWL-Bauernpräsident. Damit gebe es kaum eine Möglichkeit, den Ausfall einer Heuernte auszugleichen. Und wenn doch, dann sei das sehr teuer.

Wie sehr der einzelne Landwirt in der Region unter der Trockenheit zu leiden hat, hängt insbesondere von der Lage seines Hofs ab. Besonders negativ sind die Folgen für jene, die etwa in der Senne mit sandigem Boden zurechtkommen müssen.

»Die Trockenheit des vergangenen Jahres war schlimm«, sagt Beringmeier. »Damit muss ein Landwirt aber zurechtkommen.« Doch seien die finanziellen Reserven geschrumpft. Noch hoffe er, dass durch ausgedehnte Landregen ein Teil der Trockenschäden wieder ausgeglichen werden könne. Aber selbst dann werde die Ernte bei den meisten Bauern in OWL unterdurchschnittlich ausfallen.

Steuerbefreiung für Rücklage gefordert

Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, rechnet auch bundesweit mit negativen Auswirkungen der jüngsten Dürrephase und mit einer unter unterdurchschnittlichen Ernte – wenn auch höher als im extrem trockenen 2018.

Rukwied appellierte am Mittwoch an die Bundesregierung, mehr Möglichkeiten für Agrarbetriebe zur Selbsthilfe zu schaffen. Insbesondere fordert er Steuerbefreiung für eine Risikoausgleichsrücklage. Betriebe könnten dann in guten Jahren leichter Geld zur Seite zu legen. Eine solche Risikoausgleichsrücklage hatte auch schon der Bundesrat vorgeschlagen.

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