Arbeitsgruppe nimmt Politik, Verwaltung und weitere Teilnehmer mit auf einen Rundgang
Visite im Brackweder Angstraum

Bielefeld (WB). Seit der Fußgängertunnel unter den Bahngleisen erneuert wird und deshalb geschlossen wurde, ist der Treppenplatz Brackwedes Angstraum Nummer eins. Das wissen vor allem die, die es besonders betrifft: Anwohner und Geschäftsinhaber. Bei einer Ortsbegehung wurde das erneut deutlich.

Donnerstag, 04.07.2019, 12:00 Uhr
Rundgang zu den Angsträumen in Brackwede: Vincenzo Copertino (Mitte) zeigt Thomas Niekamp vom Sozial- und Kriminalpräventiven Rat der Stadt Hinterlassenschaften an einem Weg vor der Vogelruthschule, die auf Drogenkonsum hinweisen. Foto: Peter Bollig

Aufgerufen hatte dazu Thomas Niekamp vom Sozial- und Kriminalpräventiven Rat der Stadt Bielefeld (SKPR) als Beitrag der Arbeitsgruppe »Angstraumbekämpfung«. Dass bei dem Rundgang mit Politikern und anderen Akteuren zunächst vor allem Straßen und Plätze abgeschritten wurden, auf denen Müll und Unkraut das Bild stören und mit Ingo Nürnberger zwar die Spitze des Sozialdezernats teilnahm, die des Ordnungsdezernats aber fehlte, sorgte für Unmut. »Hier wurden völlig andere Erwartungen geschürt«, sagte Vincenzo Copertino (CDU) mit Blick eben auf den Arbeitsgruppentitel »Angstraumbekämpfung«. Denn die Politiker warten vor allem auf ein nachhaltiges Eingreifen der Ordnungsbehörden, auf Zustimmung aus dem Ordnungsdezernat von Anja Ritschel zum geforderten Alkoholverbot auf dem Treppenplatz.

Empörte Bürger

Nürnberger rechtfertigte indes die Teilnahme seiner Abteilung. Denn es gehe um diejenigen, für die das Sozialdezernat zuständig sei: Wohnungslose, Jugendliche und Süchtige. »Auch denen wollen wir ja helfen«, sagte er. Der Handlungsbedarf am Treppenplatz betreffe »ein größeres Konzept«, an dem neben Ordnungsamt und Polizei auch Umweltbetrieb und Sozialarbeit beteiligt würden.

Dass Unkraut im Pflaster eher ein Randproblem ist, machten Anwohner und Geschäftsleute klar, als die Teilnehmer des Rundgangs am Mittwoch den Treppenplatz erreichten. Auf Randalierer und Trinker trafen sie zwar nicht, dafür auf empörte Bürger: »Wir wollen nicht mehr reden, wir wollen, dass endlich gehandelt wird«, ließ ein Ladeninhaber Dampf ab. Ein anderer berichtete, wie Kräfte des Ordnungsamtes zwar erscheinen und mit den Störern sprechen, dann aber wieder wegfahren.

»Die Trinker bleiben da und machen weiter«, sagte er. Und mit ihnen bleiben die Probleme, die die Brackweder seit Jahren umtreiben: Alkoholexzesse, Pöbeleien, Randale, das Hinterlassen von Fäkalien. Zuletzt sollen Drogengeschäfte beobachtet worden sein. Außerdem tauchen inzwischen auch Jugendgruppen auf, die zwar vom Alkohol die Finger lassen, dafür aber ihren Beitrag zu Lärm und Vermüllung leisten. Zwischen Jugendlichen und Trinkerszene soll es regelmäßig zu Auseinandersetzungen kommen. Pfarrer Ingo Stucke von der evangelischen Gemeinde berichtet ähnliches vom Kirchplatz, wohin die Szene gelegentlich ausweicht.

Wirkung fehlt

Polizei und Ordnungskräfte haben ihre Einsätze zwar intensiviert, an den Problemen scheint das nichts zu ändern. »Wir drehen uns im Kreis«, stellte auch Bezirksamtsleiter Hans-Georg Hellermann fest. Eine nachhaltige Wirkung fehlt aus Sicht der Politiker, weil die Stadt ein Alkoholverbot aus rechtlichen Gründen ablehnt. Gegen einen Kiosk am Treppenplatz, der rund um die Uhr alkoholische Getränke verkauft, gibt es offenbar keine Handhabe. Forderungen, durch bessere Beleuchtung und andere Maßnahmen den Trinkern den Aufenthalt unattraktiv zu machen, wurden noch nicht umgesetzt. Eine neue Idee soll ein Alkoholverbot quasi durch die Hintertür erlauben: Man könne Spielgeräte auf dem Platz aufbauen. Eine Alkoholverbot im Umfeld eines Spielplatzes sei rechtlich machbar, hieß es.

Bislang ausgeblieben ist eine soziale Betreuung der Trinker und Jugendlichen. Und so berichtet Ingo Nürnberger nur von Absichten: »Wir wollen mehr draußen sein, mehr Sprechstunden anbieten, eine bessere telefonische Erreichbarkeit ermöglichen.« Der Einsatz von Sozialarbeitern sei in Planung.

Sauberkeit, die Beseitigung von Müll wurde als Teil des Problems erkannt und Abhilfe versprochen. Dazu sollen zusätzliche Kräfte im Umweltbetrieb zum Einsatz kommen. Hans-Georg Hellermann betonte aber auch, dass diese nur auf städtischen Flächen zum Einsatz kämen. Auf vielen Bürgersteigen seien die Anlieger dafür verantwortlich, Unkraut im Pflaster zu beseitigen.

Dass Maßnahmen des Umweltbetriebs helfen können, zeigt das Beispiel des Spielplatzes oberhalb des Kirchplatzes, wo Alkohol konsumiert wurde, sich die Szene ebenfalls niedergelassen hatte, so dass Familien den Spielplatz nicht mehr ansteuerten. Die Stadt ließ Sträucher roden, so dass der Spielplatz einsehbar wurde. Das, beteuert die Verwaltung, habe gewirkt.

Drogenumschlagplatz

Neben dem Treppenplatz wurden andere problematische Orte ausgemacht: So soll sich ein Fußweg an der Vogelruthschule zum Drogenumschlagplatz entwickelt haben. Teilnehmer der Begehung fanden denn auch kleine Plastikhülsen, in denen wohl harte Drogen aufbewahrt wurden.

Kritik am drastischen Titel »Angstraumbekämpfung« der Arbeitsgruppe nahm sich Thomas Niekamp zu Herzen. Die Gruppe hieß bis zur Auflösung vor zehn Jahren »Stadtbildpflege« und soll jetzt wieder umbenannt werden.

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