Ordnungsamt Bielefeld: »Da wollte sich wohl jemand aus dem Bußgeldverfahren herausziehen«
Schilderdieb bringt Kinder in Gefahr

Bielefeld (WB). Gibt es Menschen, die Verkehrsschilder abschrauben und mitgehen lassen? – »Ja«, sagt Norman Rosenland vom Ordnungsamt. »Das kommt vor. Aber eher selten.« Gibt es Menschen, die Verkehrsschilder abschrauben und mitgehen lassen, um sie woanders wieder anzuschrauben? – »Nein«, sagt Norman Rosenland. »So etwas wie jetzt in Quelle habe ich in zehn Jahren noch nicht erlebt.«

Mittwoch, 03.07.2019, 14:00 Uhr
Die originale Beschilderung an der Grundschule Quelle vor und nach der Manipulation. Der Umweltbetrieb hat lediglich die verschmutzten Oberflächen gereinigt. Foto: Markus Poch

Im Umfeld der Grundschule Quelle an der Carl-Severing-Straße hat tatsächlich jemand versucht, die Beschilderung zu seinen Gunsten nachträglich zu manipulieren. Jedenfalls ist das der Schluss, zu dem der Chef des Geschäftsbereiches Verkehrsordnungswidrigkeiten zwangsläufig kommt. Doch der Täter erreicht mit seinem Handeln möglicherweise genau das Gegenteil seiner Absicht, denn das Amt für Verkehr prüft laut Norman Rosenland gerade, ob es Anzeige gegen unbekannt erstattet – wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Queller Kinder hätten leicht zu Schaden kommen können.

Temposünder geblitzt

Und jetzt der Reihe nach: Die wundersame Geschichte beginnt am 6. Juni mit der Platzierung des mobilen Blitzgerätes Bernhard im Bereich der Queller Grundschule. Dort gilt permanent Tempo 30 (siehe linkes Foto), was allerdings von vielen Verkehrsteilnehmern missachtet wird. In nur zehn Tagen bis zum 15. Juni ertappt der Blitzer dort fast 1500 Temposünder. Das Ordnungsamt muss daraufhin mehrere Dutzend Fahrverbote verhängen und fast 300 Mal Flensburg-Punkte verteilen.

Wenige Tage später – Blitzer Bernhard steht inzwischen schon ganz woanders – ist die seit Jahren gleiche Beschilderung an der Grundschule in beiden Fahrtrichtungen eine neue: Zwei schwarz-weiße Zusatzschilder schränken plötzlich den Zeitraum für »Tempo 30« auf montags bis freitags von 7.30 bis 16.30 Uhr ein (siehe rechtes Foto). Einem Autofahrer aus Gütersloh, der genau an dieser Stelle mitten in der Nacht von Bernhard geblitzt worden war, fällt das auf. Er teilt seine Entdeckung überaus erstaunt dem Ordnungsamt mit. Denn nach der neuen Beschilderung hätte er für seine geringfügige Tempo-Überschreitung mitten in der Nacht gar kein Bußgeld zahlen müssen.

Dem Ordnungsamt allerdings ist von einer veränderten Beschilderung an der Queller Grundschule nichts bekannt. »Unser Außendienst hat die Zusatzschilder kontrolliert und fotografiert«, erzählt Norman Rosenland. »Aber laut Amt für Verkehr, wo man genau so verwundert war wie bei uns, sollten sie dort gar nicht hängen. Sie müssen erst nach der Tempokontrolle mit dem Blitzer von irgend jemand aufgehängt worden sein.« Der Umweltbetrieb, der sonst für die Schilder-Installation verantwortlich sei, habe ebenfalls von nichts gewusst, habe nie einen entsprechenden Auftrag erhalten.

Unauffällig umgehängt

Ordnungsamt und Amt für Verkehr standen jetzt vor einem Rätsel: Wie kamen die beiden Schilder an die Metallstangen vor der Queller Grundschule, und woher stammen sie? »Es sind originale Verkehrsschilder, die der Umweltbetrieb einmal hat prägen lassen. Das konnten wir zweifelsfrei feststellen«, sagt Rosenland. Über eine interne Prüfung von Akten, wie es sie zu jeder Bielefelder Straße und deren Beschilderung gibt, sei man schließlich zu der Gewissheit gekommen, dass die beiden kleinen Schilder eigentlich in Senne hängen sollten; und zwar an der Buschkampstraße vor der Bahnhofschule. Dort hätten sie tatsächlich ein paar Tage lang gefehlt, seien inzwischen aber wieder angebracht worden.

Norman Rosenland nimmt an, dass die Schilder von einem verärgerten Autofahrer, der in Quelle geblitzt worden war, nachträglich fachgerecht und auch in der richtige Reihenfolge und damit äußerst unauffällig umgehängt worden sind. »Da wollte sich wohl jemand aus dem Bußgeldverfahren herausziehen«, vermutet er.

Was der Täter bei seiner Nacht- und-Nebel-Aktion offenbar nicht bedacht hat: Sein Handeln ist kein Kavaliersdelikt. Es birgt großes Gefahrenpotenzial. An der Queller Grundschule muss dauerhaft Tempo 30 ohne jede Einschränkung gelten, weil sich in unmittelbarer Nachbarschaft eine Kindertagesstätte und ein Spielplatz befinden. »Dort können Kinder also auch außerhalb der Schulzeiten und sogar an Wochenenden unterwegs sein«, mahnt Rosenland. Diese Situation sei an der Senner Bahnhofschule, wo die beschilderte Einschränkung gilt, eine andere.

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