Bielefelder Konzern steigert Umsatz – Standort in Paderborn geplant – mit Video
Schüco wächst dank Bauboom

Bielefeld (WB). Symbolträchtiger hätte das Wachstum beim Bielefelder Fenster-, Türen- und Fassadenspezialist Schüco am Montag kaum sichtbar werden können. Unter tatkräftiger Mithilfe von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wurde der Spatenstich für den nächsten Schritt des 95-Millionen-Euro-Ausbauprogramms am Stammsitz gemacht. Dann legte Schüco-Chef Andreas Engelhardt (59) seine Erfolgsbilanz für 2018 vor.

Dienstag, 02.07.2019, 03:09 Uhr aktualisiert: 02.07.2019, 06:46 Uhr
Schüco-Chef Andreas Engelhardt will in weiteren Märkten die Türen für mehr Wachstum öffnen. Der 59-Jährige führt den Bielefelder Gebäudehüllenspezialisten seit 2012.

Der Gebäudehüllen-Spezialist Schüco steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr gegenüber 2017 um rund sechs Prozent oder 95 Millionen auf 1,67 Milliarden Euro. »In Europa sind wir stärker gewachsen als der Markt«, sagt Engelhardt. Währungsbereinigt sei das weltweite Plus mit 7,3 Prozent noch stärker ausgefallen. Der traditionell nicht bezifferte Gewinn sei – in ostwestfälischer Bescheidenheit ausgedrückt – »auskömmlich« und habe sich weiter verbessert. Dr. Hinrich Mählmann, Chef des Schüco-Mutterkonzerns Otto Fuchs KG (Meinerzhagen) nickte vielsagend zustimmend. Auch ihre Investitionen schultere die Tochter alleine aus eigener Kraft – ohne Bankkredite.

Für das laufende Jahr rechnet Engelhardt mit einem weiteren Umsatzwachstum von rund fünf Prozent. Dabei werde Schüco wie schon in den vergangenen Jahren vom Fachkräftemangel bei den Partnerbetrieben im Handwerk gebremst. Weil es – »in Deutschland besonders extrem« – an Metall- und Fensterbauern fehle, seien auch 2018 Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe nicht realisiert worden, die bei ausreichend Personal möglich gewesen wären. Schüco liefert Handwerksbetrieben für das Systemprogramm Material, Planungswerkzeuge und auch Maschinen zur Fertigung von Fenstern, Türen und Fassaden. All das soll ab Anfang 2021 auch im »Welcome Forum« zu sehen sein, für dessen Bau der Spatenstich der Auftakt war.

Mehr Mitarbeiter

Die Mitarbeiterzahl der Schüco-Gruppe erhöhte sich – auch dank mehrerer Firmenzukäufe – um 500 auf weltweit 5400, davon 3750 in Deutschland. Am Stammsitz Bielefeld wuchs die Belegschaft um fast 100 auf 1900 Mitarbeiter, in Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) sind weiterhin 400 Menschen beschäftigt.

Als dritter Standort in OWL soll spätestens Ende 2020 Paderborn hinzukommen. »Wegen fehlender Flächen in Bielefeld in Autobahnnähe« werde dort nahe der A33 eine Halle geplant, in der anfangs etwa 20 und später bis zu 50 Mitarbeiter Montagesätze für Schiebetüren zusammenstellen sollen. Engelhardt beziffert die Investition auf zwölf Millionen Euro.

Metallbau hat den Löwenanteil

Den Löwenanteil des Umsatzes steuerte auch im vergangenen Jahr der Geschäftsbereich Metallbau mit 1,41 Milliarden Euro bei – ein Plus von 6,8 Prozent. In Deutschland legte Schüco in dieser Sparte nur um 1,5 Prozent auf 497 Millionen Euro zu. Zweistellige Wachstumsraten gab es derweil auf der iberischen Halbinsel, in Luxemburg, Italien, Osteuropa, Kasachstan, Indien und Südostasien. In China spürte Schüco indes »Zurückhaltung bei Investoren auch wegen des Handelskonflikts mit den USA«, sagt Engelhardt. Nach einem kräftigen Vorjahreszuwachs von 45 Prozent auf rund 70 Millionen Euro musste sich Schüco 2018 mit einem Plus von 5,4 Prozent zufriedengeben.

Der in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) beheimatete Geschäftsbereich Kunststoff steigerte den Umsatz 2018 um 3,1 Prozent auf 260 Millionen Euro. Auf Deutschland entfielen davon 108 Millionen. Wachstumstreiber waren Osteuropa, Italien und Spanien.

Digitalisierung der Baubranche

Bei der Digitalisierung der Baubranche soll Schüco laut Engelhardt eine führende Rolle einnehmen. Die Bielefelder halten 90 Prozent an »Plan One«, einem im Herbst 2018 ausgegründeten herstellerübergreifenden Vergleichsportal für Bauprodukte. Das 100-prozentige Schüco-Start-up »Plan ToBuild« soll die Steuerung von Bauprojekten vereinfachen und alle Beteiligten vernetzen.

Engelhardt will die Internationalisierung vorantreiben in Japan mit einer neu gegründeten Tochter und im Mittleren Osten, wo Schüco in Dubai die Mehrheit des lokalen Partners übernommen hat und nun 100 Prozent hält. Nordamerika bleibt mit etwa 40 Millionen Euro Umsatz indes ein Feld nur für ausgewählte Projekte. »Der Markt in den USA funktioniert völlig anders. Der Qualitätsanspruch liegt auf niedrigerem Niveau«, sagt Engelhardt. Ein größerer Einstieg sei nur durch eine Übernahme vorstellbar. Ob mit oder ohne USA: Für 2020 nimmt Engelhardt die Umsatzmarke von 1,8 Milliarden Euro in den Blick. Er sagt aber auch: »Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern nachhaltig und profitabel.« ­Typisch ostwestfälisch eben.

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