Juweliergeschäft Dellbrügge: 100 Jahre im Fachwerkhaus – nun barrierefrei zu erreichen Eine Lego-Rampe zum Jubiläum

Bielefeld-Schildesche (WB). 350 Jahre alt ist das schöne Fachwerkhaus im Herzen Schildesches, in dem seit exakt 100 Jahren der familiengeführte Betrieb Dellbrügge untergebracht ist – anfangs nur als Uhrenfachgeschäft, mittlerweile auch Goldschmied Allerdings: Barrierefrei war das Juweliergeschäft bislang nicht zu erreichen, bedauert Inhaberin Astrid Brausch. Das ist ab sofort aber anders.

Von Sabine Schulze
Corina Huber erhält beim Bau der Legorampe Unterstützung von Johanna (von links), Isabbell, Liriam und Katja
Corina Huber erhält beim Bau der Legorampe Unterstützung von Johanna (von links), Isabbell, Liriam und Katja Foto: Sabine Schulze

Zwei kunterbunte Rampen erleichtern Rollstuhlfahrern, Müttern mit Kinderwagen und Menschen mit Rollator nun den Zugang und überbrücken die wenigen Stufen vor dem Ladeneingang. Entstanden sind sie aus jeweils 650 Legosteinen. Das Besondere: Auf einer der Rampen ist aus den Steinchen der Schriftzug »Goldschmiede Dellbrügge« gebildet, auf der zweiten das Gründungsjahr 1919 festgehalten: So wird das 100-jährige Bestehen sichtbar.

Dass Menschen mit Handicap nur schwer zu ihrem Geschäft kamen, hat Astrid Brausch schon länger gewurmt. Um so glücklicher war sie, als sie die Bielefelderin Corina Huber kennenlernte. Die 49-Jährige ist seit zehn Jahren auf den Rollstuhl angewiesen und erlebt oft genug, mit welchen Hindernissen sie zu kämpfen hat. So kam sie auf die Idee, Bielefeld – und jetzt eben auch Astrid Brausch – mit Lego-Rampen zu versorgen.

Gespendete Lego-Steine

»22 oder 23 sind es schon. Außerdem verschicke ich die Bauanleitungen bundesweit«, erzählt sie. Samstagmittag hat sie im Schatten des Dellbrüggeschen Hauses auf zwei Decken eine Kinderschar um sich versammelt, um die zweite von zwei Lego-Rampen zu vollenden. Bewaffnet mit Klebepistole, vor sich Kisten voller großer und kleiner bunter Steinchen, die ihr gespendet wurden, geht es gemeinsam mit dem Nachwuchs aus ihrer Nachbarschaft oder den Kindern von Freunden ans Werk.

Dabei schaut Corina Huber, dass die Kinder alles richtig machen. Denn ganz beliebig sind diese Rampen nicht: »Sie hat vorab Maß genommen, um Länge und Winkel zu berechnen«, erzählt Astrid Brausch. Warum sie gerne mitmacht, erzählt die elfjährige Johanna: »So kann man jemandem helfen. Denn ohne die Rampe, kämen viele nicht die Treppen hinauf.«

Irgendwann ist es auch geschafft – gefilmt von einem RTL-Fernsehteam, das auf die Aktion von Corina Huber aufmerksam geworden war –, und die Rampen werden probeweise angelegt. »Der Kleber muss jetzt aber noch aushärten, damit sich nichts wieder löst«, betont die 49-Jährige. Künftig aber wird Astrid Brausch die beiden bunten Rampen morgens über die Stufen vor ihrer Tür legen und abends wieder hereinholen. Und weil sie sich sehr darüber gefreut hat, gab es für Corina Huber einen Blumenstrauß mit Legosteinen und für die Kinder kleine Delphin-Anhänger.

101-Jähriges wird groß gefeiert

Die Lego-Rampen-Aktion soll in diesem Jahr als einzige auf das Geschäftsjubiläum und den runden »Geburtstag« ihres Hauses hinweisen. »Eigentlich hatten wir groß feiern wollen«, erzählt sie. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Michael, der das Geschäft von seiner Tante Emmy Dellbrügge 1984 übernommen hatte, steht ihr nicht der Sinn danach: Da ist zum einen die Trauer und ist zum anderen zu viel anderes zu organisieren. »Im nächsten Jahr sieht das sicher anders aus. Dann werden 101 Jahre gefeiert«, blickt sie nach vorne.

Im Mai 1919 hatte Heinrich Dellbrügge mit seiner Ehefrau Emma Liebergesell das Uhrenfachgeschäft eröffnet, in dem es auch silberne Kannen, Becher und Bestecke gab.

Als Tochter Emmmy dan 1954 ihre Meisterprüfung als Goldschmiedin bestanden hatte, kam die Anfertigung und Reparatur von Schmuck hinzu. Emmy Dellbrügge übernahm das Geschäft 1962 nach dem Tod ihres Vaters und führte es bis 1984. Danach folgten in dritter Generation Goldschmiedemeister und Uhrmacher Michael Brausch mit Ehefrau Astrid.

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