Der frühere Arminen-Profifußballer Lienen hat bei seiner Buchvorstellung ein Heimspiel Lachen und fühlen mit Zettel-Ewald

Bielefeld (WB). Seine schnellen Dribblings, die langen Haare, sein Querkopf und spätestens eine Fleischwunde am Oberschenkel haben ihn in Fußballerkreisen einst berühmt gemacht. Jetzt kehrte der frühere Fußball-Profi Ewald Lienen nach Bielefeld zurück, wo er von 1974 bis 1977 und von 1981 bis 1983 für die Arminia spielte. Im Brackweder Gymnasium las er vor 250 Besuchern aus seiner Biografie »Ich war schon immer ein Rebell«.

Von Markus Poch
»Ich war schon immer ein Rebell«: der frühere Fußball-Profi Ewald Lienen mit (von links) Dorothee Plaß, Dorothea Potthoff, Gina Just und Ulla Loewner von der Brackweder Buchhandlung Klack, die die Lesung organisiert hat.
»Ich war schon immer ein Rebell«: der frühere Fußball-Profi Ewald Lienen mit (von links) Dorothee Plaß, Dorothea Potthoff, Gina Just und Ulla Loewner von der Brackweder Buchhandlung Klack, die die Lesung organisiert hat. Foto: Markus Poch

Nach erfolgreicher Karriere als Fußballer (Bielefeld, Gladbach, Duisburg) und Trainer (unter anderem Rostock, Teneriffa, Athen, Bielefeld, St. Pauli) ist der heute 65-Jährige inzwischen als Technischer Direktor und Wertebotschafter beim FC St. Pauli tätig. Weil er gebürtig aus Schloß Holte stammt, dort im Alter von vier Jahren den Fußball für sich entdeckt und später in Sennestadt Abitur gemacht hatte, war von vorn herein klar, dass er auf Lesestation in Brackwede ein Heimspiel haben würde: »Meine Damen und Herren, bitte begrüßen Sie mit mir den legendären Ewald Lienen«, posaunte Buchhändlerin Gina Just hinaus, und die Meute applaudierte wild.

Mit weißem Hemd, schwarzer Jeans, kleinem Rucksack, aber ohne Fußball stürmte Lienen in die Aula und begrüßte seinerseits einige Weggefährten persönlich; darunter sein Bruder Bruno, der frühere Arminia-Mitspieler Wolfgang »Latscher« Pohl (64) und sein Zivildienstvater, der Sennestädter Diakon Arthur Herrmann (84). Auf der Bühne, die Lienen lässig mit einem Sprung erreichte, spielte ihm Sportmoderator Michael Born die Bälle zu. Die beiden plauderten fast zweieinhalb Stunden lang humorig über die verrückte Fußballwelt; zunächst über die sportlichen Anfänge in Schloß Holte, als Klein-Ewald noch schmächtig, mit kurzem Haar und Seitenscheitel sowie dreckbeschmierter Lederhose auftrat. »Ich konnte zuerst gar nicht Fußball spielen«, gestand Lienen. »Ich konnte nur dribbeln. Ich habe den Ball erst dann abgegeben, wenn er im Tor lag. Jedes Abspiel war für mich ein Ballverlust.«

»Ich war doof wie ein Toastbrot«

Nach dem Tod seiner Mutter fand der damals Elfjährige neuen Halt im Vereinssport und in der Schule: »Ich war doof wie ein Toastbrot, aber ich wollte lernen bis zum Geht-nicht-mehr«, sagte Lienen. »Deshalb habe ich jedes Wort aufgeschrieben, das der Lehrer sagte. Dadurch habe ich visuell gelernt.« Dieselbe Taktik praktizierte er am Spielfeldrand bis in die Gegenwart, was ihm als Trainer den Spitznamen Zettel-Ewald einbrachte.

Am Beispiel der schweren Verletzung, die ihm der Bremer Spieler Norbert Siegmann 1981 eingebrockt hatte, sprach Lienen ausführlich über Vorurteile und Brutalität im Profi-Fußball. »Beim Gegner war ich immer der langhaarige Gammler, der allen auf die Nerven ging«, erzählte er. Damals sei es normal gewesen, dem Gegenspieler von hinten in die Beine zu grätschen. »In einigen Mannschaften gab es Verstörte, eigentlich nette Familienväter, die aber zum Tier mutierten, sobald sie eine kurze Hose anzogen. Und dann hat man diese Tiere auf uns losgelassen«, sagte er.

Erinnerungen an Manni Kaltz

Um den bösen Tritten des HSV-Spielers Manni Kaltz zu entkommen, habe er sich Hocksprünge angewöhnt. Lienen zog auch ordentlich über seinen Vereinskollegen, den späteren Bundestrainer Berti Vogts, vom Leder, bevor er in die Istzeit schwenkte, um zwei Naturschutzprojekte vorzustellen, die er mit dem FC St. Pauli unterstützt – und schwuppdiwupp waren fast zweieinhalb Stunden sehr kurzweiliger Lesung vorüber.

»Ewald hat eine tolle Entwicklung genommen und ist dabei doch sehr menschlich geblieben«, sagte anschließend anerkennend der Diakon Arthur Herrmann, der sich – wie einige Dutzend anderer Zuhörer – ein Buch signieren ließ. Wolfgang Pohl dagegen hatte Lienens Biografie bereits gelesen: »Ich find’s cool«, sagte er auf Anfrage. »Es ist kein reines Fußballbuch geworden, sondern eines über sein Leben. Typisch Ewald, so ist er eben: unverwechselbar.«

Wer die Veranstaltung in Brackwede verpasst hat, der fährt am Freitag, 5. Juli, ins Fußballmuseum Dortmund. Dort spricht Lienen um 20 Uhr erneut über sein Buch.

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