Wissenschaftlerin fordert bei Kirchentag die Modeindustrie zum Handeln auf Bielefelder Soziologin fordert gleiche Kleidung für Männer und Frauen

Dortmund/Bielefeld (epd). Die Bielefelder Soziologin Barbara Kuchler hat die Modeindustrie aufgefordert, Kleidung von Frauen und Männern anzugleichen. »Frauen haben die gesellschaftliche Hauptverantwortung fürs Schönaussehen«, kritisierte sie am Donnerstag auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Geschlechterverhältnisse auf dem 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Es brauche entweder »Kartoffelsäcke für alle« oder enge, körperbetonte Klamotten für alle Geschlechter.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Gleichzeitig kritisierte Kuchler Frauen, die »sehr bereitwillig« an einem gesellschaftlichen System teilnehmen, in dem bei Frauen mehr auf das Aussehen geachtet werde. Wenn Frauen sich schminkten, die Augenbrauen zupften und enge Kleidung trugen, müssten sie sich nicht wundern, »wenn sie angesehen werden und es zu Grabschereien kommt«, sagte die Wissenschaftlerin von der Universität Bielefeld. Dass Männer einen Minirock auf eine bestimmte Art wahrnähmen, könne ihnen nicht verübelt werden.

Statement bekommt viel Widerspruch

Natürlich müssten Männer »ihre Hände in Griff haben«, sagte Kuchler. Es sei aber »soziologische Augewischerei«, wenn eine Frau verlange, nur nach ihrer Leistung beurteilt zu werden, wenn sie aufgestylt ins Büro komme. Die Verantwortung von Übergrifflichkeit liege »teilweise bei der einzelnen Frau«, sagte sie.

Widerspruch kam sowohl aus dem Publikum als auch von der anderen Podiumsteilnehmerin Kristina Marlen. Es sei falsch zu versuchen, »den öffentlichen Raum zu entsexualisieren«, sagte die Sexarbeiterin und Physiotherapeutin.

Die weibliche Sexualität werde immer zuerst zensiert, kritisierte Marlen. Eine Frau, die »Nein« sage und sich sittlich verwehre, sei noch immer einfacher zu denken, als eine Frau, die ihre sexuellen Wünsche formuliere. Wenn alle Menschen in Kartoffelsäcken aufträten, würde dies sexuelle Gewalt nicht verhindern, betonte sie. Der einzige Grund, warum Frauen auf der Arbeit nicht ernst genommen würden, sei zudem, dass sie generell nicht ernst genommen würden.

Kommentare

Gender Gaga

Alle Nase lang wird eine weitere Sau vom Typus Gender durchs Dorf gejagt, allerdings mit Hintersinn. Die Burg von Mann und Frau und Familie soll sturmreif geschossen werden, auf dass ein ganz neues Menschenbild implementiert werden kann, das ebenso gaga ist wie der Vorschlag der werten Frau Wissenschaftlerin. Wie war das? Die Wissenschaft hat festgestellt ... Amen.

Alle die gleiche Kleidung

Ich bin dafür dass alle Männer mit Kilt rumlaufen müssen. Wenn Frauen dann Miniröcke tragen ist alles perfekt. So wird automatisch auch das verhältnis rausgenommen wer die Hosen in einer Beziehung an hat.

Ja Bitte

Ja, das finde ich eine sehr gute Idee. Dann wären alle Nazis und Islamisten endlich dazu gezwungen Sexy Frauenkleider, zum Beispiel HotPants oder Röcke zu tragen. Ich fände das gut, der Anblick auf den Strassen wäre dann bestimmt sehr amüsant.

Was ist denn bei der Dame schief gelaufen? Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter oder in Saudiarabien.
Ich bin gerne eine Frau, die sich schminkt und schick kleidet und als Selbständige fest im beruflichen Leben steht. Ich erwarte auch im Minirock Respekt von meinen Mitmenschen und den bekomme ich auch. Diese Dame erteilt ja den Grabschern einen Freibrief und macht aus Tätern Opfer!
Sie kann gern Ihren Kartoffelsack tragen. Nur schade, dass sich solche Leute auf einem Podium äußern dürfen.

Ja, ich beachte die Netiquette.

Obwohl das bei Aussagen wie "Selber schuld, wenn sie begrabscht wird - was trägt sie auch einen Minirock" sehr schwierig ist. Aber natürlich soll man Vulgarität nicht mit Vulgarität beantworten. Nur so viel: "Wenn Frauen sich schminkten, die Augenbrauen zupften und enge Kleidung trugen, müssten sie sich nicht wundern, »wenn sie angesehen werden und es zu Grabschereien kommt«" (so das genaue Zitat) - das enthält so viele sachliche Fehler, wie eigentlich gar nicht in diesen Satz passen.

Ob eine Frau begrabscht (oder genötigt, oder vergewaltigt) wird, liegt nicht an ihrer Aufmachung und ihrem Aussehen, sondern daran, daß es machtbesessene Kriminelle gibt.

Diese Soziologin hat bewiesen, daß dumpfer Chauvinismus auch Frauen möglich ist. Frauen können eben sehr vieles ebensogut wie Männer!

Übrigens trage ich weder einen Kartoffelsack noch enge, körperbetonte Kleidung.

Reklame für ein reaktionäres Männerbild

Die Positionen, die Frau Kuchler hier vertritt könnte man belächeln, wären sie nicht so reaktionär und menschenverachtend. Denkt man das weiter, was sie gesagt hat landet man ganz schnell bei Positionen des reaktionären Islamismus. Darüberhinaus wären auch Mörder nicht mehr für ihre Taten verantwortlich, wenn sie dazu provoziert worden sind. Ich konnte nicht widerstehen, ich musste einfach dieses paar Schuhe klauen. Wieso stellt man die auch ins Schaufenster.
Aber solche Positionen passen ins Bild einer sich rückwärts wendenden Gesellschaft, in der es trotz neuer Gesetze (Ehe für alle etc.) immer schwerer wird, nicht Angriffen auf seine Integrität ausgesetzt zu sein.

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