Forst auf dem Sennefriedhof bietet Platz für 254 naturnahe Gräber Bielefeld bekommt Bestattungswald

Bielefeld (WB). In 17 verschiedenen Varianten können Verstorbene auf dem Sennefriedhof die letzte Ruhe finden – so viele wie auf keinem anderen Bielefelder Friedhof. Jetzt kommt eine weitere hinzu: die naturnahe Bestattung im Wald.

Von Peter Bollig
In dem etwa einen Hektar großen Forst innerhalb des Sennefriedhofs sollen Verstorbene bestattet werden.
In dem etwa einen Hektar großen Forst innerhalb des Sennefriedhofs sollen Verstorbene bestattet werden. Foto: Bernhard Pierel

Die Begräbniskultur spiegelt immer auch den Zeitgeist wider, ist Trends oder gesellschaftlichen Entwicklungen unterworfen. So hat vor rund zehn Jahren die Einäscherung die Erdbestattung als die am häufigsten gewählte Bestattungsform auf den kommunalen Friedhöfen in Bielefeld abgelöst. Auch weil Angehörige oft entfernt leben, ging der Trend vor Jahren schon zu pflegefreien Grabstätten. Seit 2003 bietet der Sennefriedhof die Möglichkeit, sich unter einem Baum bestatten zu lassen – in den vergangenen Jahren die am häufigsten nachgefragte Form der Urnenbeisetzung. Die Friedhofsverwaltung im städtischen Umweltbetrieb (UWB) entwickelt diese Bestattungsart jetzt weiter und bietet voraussichtlich ab Herbst oder Winter die Waldbestattung an.

Ein rund ein Hektar großes, dicht mit Bäumen bewachsenes Waldstück auf dem ohnehin baumreichen Sennefriedhof haben die UWB-Mitarbeiter in den vergangenen Wochen vorbereitet. Sie haben Brombeeren und anderes Buschwerk beseitigt, damit die Eichen, Lärchen, Buchen und Birken frei zugänglich sind, haben Totholz aus den Kronen geschnitten, um die Besucher vor herabfallenden Ästen zu schützen.

»Wir arbeiten noch am Konzept«

Auf zunächst 6000 Quadratmetern in diesem Waldstück zwischen der Gedenkstätte für die ostdeutschen Landsmannschaften und einer kleinen Düne sollen für den Anfang 254 Grabstätten unter 50 Bäumen ausgewiesen werden, wie die Leiterin der Friedhofsabteilung im UWB, Friederike Hennen, erläutert. »Wir arbeiten noch am Konzept«, sagt sie. Das Grundprinzip steht aber fest: Bestattet wird die Asche der Verstorbenen in zersetzbaren Aschekapseln. Grabsteine wird es nicht geben, auch keine Blumen oder Grabeinfassungen, denn Sinn dieser Form der Beisetzung ist die naturnahe Bestattung in einer scheinbar wenig berührten Landschaft. Ein natürlicher Bewuchs soll die Gräber überwuchern. Nur an einem zentralen Platz sollen Blumen abgelegt werden können.

Unklar ist Friederike Hennen zufolge noch, wie die Gräber dennoch gekennzeichnet werden. Denn diese Form der Beisetzung ist nicht anonym. Angehörige sollen auch später das Grab finden können, eventuell durch Namensplaketten am jeweiligen Baum oder durch einen Plan, der den Standort anzeigt und einem mit einer Nummer gekennzeichneten Baum zuweist. Noch nicht geklärt ist, sagt Friederike Hennen, ob in dem Wald Wege angelegt werden, um den Besucher zu leiten. Mehrere Grabstellen teilen sich eine Eiche, Lärche, Birke oder Buche. Eine Idee sei es, dass Familien einen Baum für sich reservieren können.

Immer wieder auch Nachfragen von Bürgern

Die Möglichkeit der Waldbestattung gibt es in Bielefeld bislang nicht, wenngleich es Anfragen von Waldbesitzern gegeben habe, sagt Friederike Hennen. Weil Bestattung kommunale Aufgabe sei, könnten Bestattungswälder nur in Zusammenarbeit mit einer Kommune eingerichtet werden. Allerdings habe es immer wieder auch Nachfragen von Bürgern nach dieser Form von Bestattung gegeben. Dies und die Konkurrenz durch Bestattungswälder im Umfeld sind demnach ein Grund, warum sich der UWB entschieden hat, Waldgräber auf dem Sennefriedhof anzubieten.

Für die kommunalen Friedhöfe ist es eine Frage der Wirtschaftlichkeit, dass Kunden nicht abwandern, etwa auf Gut Eckendorf in Leopoldshöhe. Unter dem Namen Friedwald hat ein Unternehmen 2001 seinen ersten Bestattungswald in Deutschland eingerichtet. Inzwischen sind es nach Firmenangaben 66, unter anderem in Kalletal und bei Warendorf.

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