Pflegekassen und Land einig – Bielefelder Pflegedirektorin: »Der Bedarf ist da«
Kurzzeitpflege bald im Krankenhaus

Düsseldorf (WB). Das Land und die Landesverbände der Pflegekassen haben den Weg für Kurzzeitpflege in Krankenhäusern frei gemacht. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Meldung der Landesregierung hervor.

Samstag, 08.06.2019, 09:53 Uhr aktualisiert: 08.06.2019, 09:56 Uhr
Das Land und die Landesverbände der Pflegekassen haben den Weg für Kurzzeitpflege in Krankenhäusern frei gemacht. Foto: dpa

Der Mitteilung zufolge kann Kurzzeitpflege bislang nur in einem Pflegeheim erfolgen. Allerdings gebe es derzeit in vielen Kommunen zu wenige Plätze dafür. Deshalb sollen demnächst auch Krankenhäuser Kurzzeitpflege anbieten und gegenüber den Pflegekassen abrechnen können. Darauf haben sich laut Landesregierung die Landesverbände der Pflegekassen, die Krankenhausgesellschaft NRW und das NRW-Gesundheitsministerium geeinigt.

Minister Laumann setzt auf die Krankenhäuser

Minister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte: »Gerade im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung führte das Fehlen von Kurzzeitpflegeplätzen oft zu menschlich schwierigen Situationen.« NRW gehe jetzt einen neuen Weg. Er hoffe, dass viele Krankenhäuser ihn nutzen werden. Das Ministerium werde alle Einrichtungen des Landes anschreiben. Interessierte Häuser könnten sich dann beim Ministerium melden.

Für Christiane Höbing, Pflegedirektorin im Klinikum Bielefeld, ist es durchaus vorstellbar, dass auch in ihrem Haus solche Plätze entstehen. Doch müsste der Anteil dieser Plätze mit den Betten, die für eine akute Versorgung bereitstehen, abgewogen werden. Höbing, die zudem Geschäftsführerin des Bielefelder Zentrums für Pflege und Gesundheit (ZPG) ist, sagt aber auch: »Der Bedarf ist zu 100 Prozent da.« Die zehn Kurzzeitpflegeplätze des ZPG zum Beispiel seien das ganze Jahr lang ausgelastet.

In NRW werden nach Angaben der Landesregierung etwa drei Viertel aller 600.000 Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. In Fällen, in denen sie nicht dort gepflegt werden können, hätten sie Anspruch auf Kurzzeitpflege.

Anfang 2018 gab es 13.300 eingestreute Pflegeplätze

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gab es Anfang 2018 etwa 13.300 sogenannte eingestreute Pflegeplätze. Das heißt, dass sie nur dann für Kurzzeitpflege zur Verfügung stünden, wenn sie nicht dauerhaft mit einem Pflegebedürftigen belegt sind – was sich aus finanzieller Sicht für viele Anbieter oft mehr lohnt. Zum gleichen Zeitpunkt gab es nur etwas mehr als 2000 Plätze, die ausschließlich für Kurzzeit zur Verfügung stünden.

Die Zahlen stammen aus einer Studie des Iges-Instituts aus Berlin, die das NRW-Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben hatte. Mitautorin Grit Braeske sagte dazu, dass NRW im Bundesvergleich gut dastehe. »Beispielsweise wird bei den Kurzzeitpflege-Gästen der Investitionskostenanteil vom Land übernommen.« Laut der Studie, die im März 2018 veröffentlicht wurde, sei das Angebot an Kurzzeitplätzen in 15 Kommunen auch in Zukunft ausreichend. In acht Kommunen sei die Lage noch zufriedenstellend, aber es zeichneten sich erste Engpässe ab. In 30 Kommunen sei das Angebot nicht mehr ausreichend.

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