Uraufführung von »Malala« als Musiktheaterstück berührt die jungen Zuschauer
Das Leichte im Schrecken

Bielefeld (WB). »Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern«, sagt Malala Yousafzai in ihrer Rede vor den Vereinten Nationen. Da ist sie 16 und bereits so etwas wie eine Ikone.

Freitag, 07.06.2019, 15:24 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 15:26 Uhr
Szene mit (von links) Gjorche Janakiev, Judith Patzelt, Alexander von Hugo, Nadja Jovic und Alena Selin Cokkormaz.

Dass Malala kein Märchen aus Tausendundeiner Nacht ist, sondern Alltag in Teilen dieser Welt, zeigt das Musiktheaterstück »Malala«. Das erlebte am Mittwoch seine Uraufführung auf der Foyer-Bühne der Rudolf-Oetker-Halle. Der überwiegende Teil der Zuschauer war so alt wie Malala, als sie, ein Mädchen im pakistanischen Swat-Tal, ihr Recht auf Bildung einfordert.

Während der 80-minütigen Vorstellung war das Publikum still, wirkte berührt, gepackt von der Handlung. Und von der Leistung der Darsteller auf der Bühne. Neben den drei Profis Susi Studentkowski (Malala), Judith Patzelt (Mutter und andere Rollen) und Alexander von Hugo (Vater, Bruder Kushal) waren das Jugendliche, unter anderem der Initiative »Angekommen in deiner Stadt Bielefeld«. Die Zuschauer dankten für deren engagierte Vorstellung mit stehenden Ovationen.

Nick Westbrock und Danyal Dhondy hatten aus dem Theaterstück mit ein paar eingestreuten, folkloristischen Stücken ein reines Musiktheaterstück gemacht, um Malalas Geschichte authentischer erzählen zu können.

Konzept geht auf

Das Konzept ist aufgegangen, die drei professionellen Darsteller und die Laien sind zu einem Ensemble verschmolzen. Die Jugendlichen, die auf der Bühne stehen, 16 bis 21 Jahre alt, haben eigene Ideen eingebracht – unter anderem die, in ihrer Muttersprache Genesungswünsche an Malala zu verlesen, als die in Birmingham im Krankenhaus liegt.

Gerade die Musik, die die Taliban doch genauso als Gotteslästerung verboten haben wie Tanz, Fernsehen, Computer und den Schulbesuch von Mädchen, transportiert die Lebenswelt, in der Malala aufwächst: Nicht nur das Schwere, sondern auch das Leichte. Die Eltern wollen nicht nur für den Sohn, sondern auch die Tochter Bildung. Der Vater, ein Lehrer, hat Kontakt mit der BBC; für den Sender schreibt Malala unter Pseudonym ein Blog-Tagebuch. Sie erzählt von ihren Alltag, der von Verboten der Taliban, von Angst und Terror bestimmt ist. Obwohl sie unter dem Namen der Märchenfigur Gul Makai schreibt, verbreitet sich die Kunde ihrer wahren Identität.

Attentat auf Malala

Die Taliban verüben ein Attentat auf Malala, verletzten sie und andere Schülerinnen schwer. Malala wird nach Großbritannien in Sicherheit gebracht, wird letztendlich mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Das Stück endet mit ihrer Rede vor der UNO. Die echte Malala (21) engagiert sich als UN-Botschafterin, studiert in Oxford Politik, Wirtschaft und Philosophie. Von den vermutlich zehn Attentätern wurden zwei zu Haftstrafen verurteilt. Und natürlich muss es das Stück offen lassen, ob Malalas Einsatz auch in ihrer Heimat ein Samenkorn für Veränderungen gelegt hat.

Das Stück jedenfalls zeigt Malala als normales Mädchen mit Freundinnen, das sich mit dem Bruder fetzt und verträgt, ein Mädchen, das Mitleid hat mit anderen Kindern, die nicht die Chance haben zu lernen. Oder keine Lust dazu.

Die Uraufführung von »Malala« ist gleichzeitig auch eine Uraufführung für das Oetkerhallen-Foyer als (Musik-)Theaterbühne, die Platz bietet für die beiden Musiker André Hammerschmied (oder Anahit Ter-Tatshatyan) und Arndt Hesse sowie insgesamt 15 Darsteller: neben Susi Studentkowski, Judith Patzelt und Alexander von Hugo sind das Attaallah Attaallah, Amelie Cohrs, Carlos Daniel, Gjorche Janakiev, Nadja Jovic, Sophia Klemisch, Jil Loose, Muhanad Murad, Mia Niekamp, Alena Selin Cokkorkmaz, Farhad Tamr und Ram Zouelhid.

Aufführungstermine sind am 12. Juni, 10 Uhr, 15. Juni, 17 Uhr, 18. Juni, 10 Uhr, 19. Juni, 9 Uhr, 23. Juni, 15 Uhr, 3. und 4. Juli, 10 Uhr; Wiederaufnahme ist am 27. Februar 2020. Karten gibt es unter Telefon 0521/51-5454.

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