»Heute-Show« mit dem Bielefelder Oliver Welke wird zehn Jahre alt
Höhere Quote als »Heute-Journal«

Bielefeld/Harsewinkel (dpa). Eine Sendung noch, dann gehen Oliver Welke und das Team der ZDF-»Heute-Show« in die Sommerpause. Die 18. Ausgabe in diesem Jahr am Freitag um 23 Uhr ist also die vorerst letzte einer Erfolgssatire, die jetzt seit zehn Jahren auf Sendung ist.

Mittwoch, 05.06.2019, 08:10 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 08:14 Uhr
Oliver Welke aus Bielefeld wuchs in Harsewinkel auf – mit der Folge, dass ihm die »Großstadt« Münster später wie New York vorkam. Er habe stets für seine eigene Unterhaltung sorgen müssen – wohl deswegen wurde er Komiker und ging zur ZDF-»Heute-Show«. Foto: dpa

Für »Heute-Show«-Fans ist der Sendetermin so gesetzt wie für Fußballfreunde die »Sportschau« am Samstag. Die erste Sendung lief am 26. Mai 2009, damals noch dienstags und im Monatsrhythmus, aber so erfolgreich, dass das ZDF den Eindruck hatte, da gehe noch mehr. Seit Anfang 2010 dürfen die »Heute-Show«-Satiriker wöchentlich am Freitag ran.

Welke (53), fast immer im grauen Anzug, sitzt mit unbewegtem Gesicht am Schreibtisch, rückt penibel die Brille zurecht und erklärt das Weltgeschehen: Klimawandel, Kramp-Karrenbauer, Regierungskrise in Österreich – was so anfällt. Satirisch natürlich, auch wenn die Themen oft die gleichen sind, die auch die »Heute«-Nachrichten aufgreifen.

Das Format ist längst etabliert und wurde mit Auszeichnungen überhäuft. Egal ob »Bambi«, Deutscher Comedy-Preis, »Goldene Kamera« oder Grimme-Preis: Die »Heute-Show« hat so viele Trophäen abgestaubt, dass ein einzelnes Regal kaum mehr ausreicht.

Olaf Schubert, Gernot Hassknecht, Oliver Welke und Martina Hill mit dem »Bambi« von 2014.

Olaf Schubert, Gernot Hassknecht, Oliver Welke und Martina Hill mit dem »Bambi« von 2014. Foto: dpa

Oliver Welke, gebürtiger Bielefelder, aufgewachsen in Harsewinkel im Kreis Gütersloh, Sportmoderator mit Wurzeln in Niedersachsens Radiolandschaft, hat daran seinen Anteil – ebenso wie das Konzept, das viele Größen der deutschen Satire- und Comedy-Szene einbindet. Dietmar Wischmeyer zum Beispiel, den Welke noch aus dem »Frühstyxradio« von FFN kennt, der stets schlecht gelaunt zum Beispiel »Wischmeyers Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten« präsentiert. Oder Gernot Hassknecht, dessen Tiraden kurz vor der Schnappatmung in verbalen Ausfällen eskalieren.

Bei Welke gibt sich die Klinke in die Hand, wer als Comedian was zu melden hat: Serdar Somuncu beispielsweise und Sebastian Puffpaff, die längst mit eigenen Sendungen bekannt sind, das Schweizer Talent Hazel Brugger und der sächselnde Pullunderträger Olaf Schubert, der als Experte für ostdeutsche Befindlichkeiten ohne Rücksicht auf Political Correctness loslegt. Kaum wegzudenken sind »Heute-Show«-Altstars wie Martina Hill als Tina Hausten, eine Parodie auf die ZDF-Journalistin Bettina Schausten. Dazu gehört auch Dietrich Hollinderbäumer als ahnungsloser, aber abgebrühter Korrespondent Ulrich von Heesen, der Welke von allen Einsatzorten der Welt gleichermaßen schnoddrig anpampt.

Das Konzept ist erfolgreich. 2019 hatte die »Heute-Show« im Schnitt 4,26 Millionen Zuschauer (Marktanteil 17,7 Prozent). Erstaunlich gute Werte für eine Sendung am späten Abend. Viele Sender schaffen solche Quoten nicht mal zur Primetime. Auch das ZDF-»Heute Journal« um 21.45 Uhr bleibt üblicherweise darunter.

Das im Mai 2015 angelaufene Online-Angebot der »Heute-Show« hat ständig zugelegt: auf im Schnitt 3,57 Millionen Sichtungen. Aber nicht nur das: Welke und sein Team erreichen auch das jüngere Publikum (Marktanteil 15,3 Prozent), was dem ZDF sonst schwerfällt.

Der Medienkritiker Hans Hoff, »Heute-Show«-Gucker der ersten Stunde, hat mit dem Format dennoch abgerechnet: »Mensch, ›Heute-Show‹! Du wirst zehn Jahre alt. Reiß dich mal am Riemen, mach mal das Kreuz gerade und schiel nicht immer nur nach Masse. Du warst doch mal eine ganz intelligente Form der Unterhaltung«, schrieb er beim Branchendienst dwdl.de. »Deine Art, dir eine Szene mit Angela Merkel rauszusuchen und dich darüber lustig zu machen, das war schon früher auf dem Schulhof nicht lustig. Musst du immer alles runterbrechen auf Sendung-mit-der-Maus-Niveau? Politikwitzchen für ganz Doofe?«

Für Fans eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Die Sommerpause ist elend lang, drei Monate. Die gute: Am 6. September geht’s weiter, für 2019 sind noch 15 Ausgaben geplant.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6667226?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Flug mit Migranten aus Moria in Hannover gelandet
Unbegleitete minderjährigen Migranten, kranke Kinder oder Jugendliche sowie ihre Familien aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria sind am Morgen in Hannover angekommen.
Nachrichten-Ticker