Experten erläutern mögliche positive Auswirkungen der Digitalisierung
Neue Arbeitswelten

Bielefeld (WB). »Gönnt euch täglich einige Minuten, in denen ihr nur aus dem Fenster schaut und träumt.« Diese Aufforderung versteht der Wiener Neurobiologe Bernd Hufnagl nicht als Aufforderung zur Arbeitsverweigerung; sie sei vielmehr Teil von »New Work«.

Mittwoch, 05.06.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 09:14 Uhr
Zum Arbeiten einfach auf den Rasen legen? Warum nicht? Die Digitalisierung macht es immer mehr Beschäftigten möglich, den Arbeitsort frei zu wählen. Foto: dpa

In einer Zeit, in der viele Beschäftigte in traditionellen Berufen von Zukunftsängsten geplagt werden, beschäftigten sich am Dienstag 400 Teilnehmer einer vom Internet-Karrierenetzwerk Xing veranstalteten Konferenz in Bielefeld – die vierte in dieser Art nach Berlin, Hamburg und Halle und vor Zürich – vor allem mit den positiven Seiten der neuen Arbeitswelten: kaum Hierarchien, mehr Freizeit, relative Unabhängigkeit von einem festen Ar­beitsort.

Aktuell 82.000 IT-Stellen in Deutschland unbesetzt

Gekommen waren Unternehmer und Personalchefs, vor allem aber viele IT-Dienstleister überwiegend jüngeren Alters. Sie haben, wie Dilia Das in einem der mehr als 20 Workshops erläuterte, beste Berufsaussichten. Aktuell seien in Deutschland 82.000 IT-Stellen unbesetzt, 27.000 mehr als vor einem Jahr. Allerdings: 43 Prozent brächen ihr Informatik-Studium vorzeitig ab. Um dem abzuhelfen empfiehlt die frühere Bertelsmann-Managerin und jetzige Bildungsunternehmerin (Neue Fische, Hamburg) IT-Fachleuten eine duale Ausbildung.

Lasse Rheingans, Bielefelder Digital-Unternehmer, stellte sein Modell des Fünf-Stunden-Arbeitstages bei vollem Gehalt vor. Es funktioniere, weil sich die Beschäftigten in der Zeit umso mehr auf die Arbeit konzentrierten.

Wertschätzung bringt Wertschöpfung

Immer wieder kamen bei der Konferenz, bei der das Spitzencluster it’s OWL in der Schüco-Arena als Mitveranstalter auftrat, auch die Belange derer zur Sprache, die mit Digitalisierung, Globalisierung und Künstlicher Intelligenz vor allem die Sorge um den Arbeitsplatz verbinden. »Bei den einfachen Beschäftigten in dem fleischverarbeitenden Betrieb, in dem ich arbeite, brauche ich mit solchen Themen nicht zu kommen«, erklärte eine Teilnehmerin.

Sophie Cyriax vom Fahrzeugzulieferer Elkamet (Biedenkopf) berichtete Ähnliches: »Als wir in der Produktion wie in der Verwaltung Plätze einrichteten, in denen die Arbeiter kostenlos eine Tasse Kaffee trinken konnten, wurden sie überhaupt nicht angenommen.« Die Recherche ergab: Ein Vorarbeiter hatte sie als »Verpisser-Ecken« bezeichnet. Das schreckte ab. Dagegen helfe nur, möglichst viele in solche Entscheidungen einzubeziehen. Daran zeige sich Wertschätzung, so Cyriax. Das zahle sich aus: »Wertschätzung bringt Wertschöpfung.«

Gleichwohl seien Möglichkeiten der Entspannung überlebenswichtig. Das betonte der prominenteste Redner der Veranstaltung, der Mediziner und Buchautor Prof. Dieter Grönemeyer. Arbeitsstress, auch hervorgerufen durch falschen Umgang mit den Mitarbeitern, sei Ursache für Schlaganfall, die große Zahl an Rückenleiden, für Angina pectoris sowie psychische Erkrankungen wie Depression und Alkoholsucht bis hin zu Selbstmord. Wie leicht sei es dagegen, einige Minuten zu entspannen.

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