Neues Ranking – täglich fünf bis zwölf Minuten Wartezeit
Staus: Bielefeld bundesweit auf Platz 13

Bielefeld (WB/bp). Der Autoverkehr in deutschen Städten wird dichter. In Bielefeld sind zur Zeit mehr als 211.000 Kraftfahrzeuge zugelassen. Und die Zahl der Zulassungen steigt. Die Folge: Staus – meist im Berufsverkehr.

Mittwoch, 05.06.2019, 08:00 Uhr
Auf der Stauliste von 14 untersuchten deutschen Städten steht Bielefeld auf Platz 13. Stauhauptstadt auf Rang 1 ist Hamburg. Foto: Thomas F. Starke

Der Auto-Navigationshersteller »Tom Tom« erstellt bereits im achten Jahr hintereinander einen sogenannten Traffic Index. Demnach liegt Bielefeld aktuell (2018) auf der deutschen Stau-Rangliste auf Platz 13 von 14 untersuchten Städten mit einem sogenannten Stau-Level im Tagesdurchschnitt von 17 Prozent; Spitzenreiter Hamburg bringt es auf 33 Prozent.

Der Stau-Level gibt die zusätzliche Fahrzeit an. Für Bielefeld würde das bedeuten: Dauert die Fahrt zur Arbeit morgens eigentlich bei freier Strecke 30 Minuten, kämen durch das Warten im Stau oder im stockenden Verkehr rein rechnerisch fünf Minuten dazu.

Im Jahr etwa 20 Stunden im Stau

Im Feierabendverkehr können es allerdings (ebenfalls rein rechnerisch) auch zwölf Minuten mehr sein. Berechnet wurde die Stauanfälligkeit auch ohne die Autobahnabschnitte im Stadtgebiet: Dann liegt Bielefeld – gleichauf mit Düsseldorf, Mannheim und Münster – auf Platz 9 und bei 26 Prozent »Stauzeit-Verlust«. Die Erhebung sagt, dass die Staubilanz eben auch zeige, ob es Dauerbaustellen in der Stadt gibt, sich die Autos dann auf Ausweichstrecken stauen. Für Bielefeld kommen da zum Beispiel die drei gesperrten Bahnunterführungen in Frage. Die Stapenhorststraße, aber auch Jöllenbecker und Beckausstraße gehören zu den Hauptausweichrouten.

Autofahrer, die in Bielefeld unterwegs sind, stehen im Jahr – legt man 250 (Arbeits-)Tage zu Grunde – etwa 20 Stunden im Stau, bei 365 Tagen wären es 30 Stunden insgesamt.

Der zeitliche Stauverlust in den Bielefeld nächst gelegenen, untersuchten Städten, nämlich Münster und Hannover, ist höher als in Bielefeld. Hannover liegt im Deutschland-Ranking auf Platz 9 mit einen durchschnittlichen Stau-Level von 22 Prozent, Münster auf Rang 11 mit 20 Prozent.

Weltweit beobachtet wurden 403 Kommunen in 56 Ländern auf allen Kontinenten. Den höchsten durchschnittlichen Stau-Level hat »Tom Tom« in Mumbai/Indien ausgemacht: 65 Prozent, gefolgt von Bogota/Kolumbien. Bielefeld liegt weltweit auf Rang 327 und hat sich im Vergleich zum Jahr 2017 beim durchschnittlichen Staulevel um ein Prozent verbessert. Rang 326 belegt Phönix/Arizona, Rang 328 Ravenna in Italien, das sich um zwei Punkte verschlechtert hat.

Das sagen die Experten

Der Stadtentwicklungsausschuss beschäftigt sich auch mit dem Thema Verkehr. Das WESTFALEN-BLATT hat drei Politiker aus dem Gremium zur Bielefelder Stau-Bilanz befragt.

Ralf Nettelstroth (CDU): »Der Eindruck, wie lang man im Stau steht, ist subjektiv. Was in Bielefeld als lang gilt, würde im Ruhrgebiet oder in Berlin gar nicht ins Gewicht fallen. Aber klar: Stau ist unangenehm, allein schon, weil zusätzlich Abgase in die Luft geblasen werden. Wir müssen dafür sorgen, dass der Verkehr flüssiger wird. Das geht nicht, in dem man Straßen zurück baut. Dann ersticken wir im Verkehr. Straßen müssen leistungsfähig bleiben, damit sich so wenig Staus wie möglich aufbauen.«

Hans-Jürgen Franz (SPD): »Ein paar Minuten täglich im Stau stehen, das hört sich nicht dramatisch an. Aber: Die Zulassungszahlen steigen weiter und wir haben 80.000 Einpendler täglich. Wenn wir nichts tun, haben wir irgendwann den Stillstand. Zu einer geringeren Verkehrsdichte beitragen würde es, wenn Kurzstreckenfahrten unter sechs Kilometer Länge vermieden würden. Das sind Distanzen, die mit Bus und Bahn oder mit dem Fahrrad zurück gelegt werden könnten. Aber das ist ein schwieriger Prozess, den wir anpacken müssen, um als letzte Konsequenz Fahrverbote zu vermeiden.

Jens Julkowski-Keppler (Grüne): »Eines ist sicher: Eine grüne Welle hilft nicht gegen Staus. Aber es findet inzwischen ein Umdenken statt. Wenn alle die, die nur kurze Strecken von fünf, sechs Kilometern zurücklegen wollen, aufs Fahrrad oder den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen würden, hätten die, die aufs Auto angewiesen sind, mehr Platz auf den Straßen. Gleichzeitig müssen die Angebote, die Lust machen, auf Bus, Bahn oder Fahrrad umzusteigen, verbessert werden. Nämlich so, dass deren Nutzung Zeitersparnis bedeutet. Neue und breitere Straßen können nicht die Lösung gegen Staus sein.«

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