Ausstellung: »Bart – Mode, Rebellion, Männlichkeit?«
Mehr als des Mannes Zierde

Bielefeld (WB). Des Mannes Bart zeugt von Mode, Rebellion und Männlichkeit, er gilt als religiöses Bekenntnis, ist Ausdruck von Individualität ebenso wie ein Ausweis sozialer Zugehörigkeit – er ist mehr als eine Zierde. Im 21. Jahrhundert ist der Bart so populär wie lange nicht mehr.

Samstag, 01.06.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 01.06.2019, 09:38 Uhr
Unter dem Titel »Bart – Mode, Rebellion, Männlichkeit?« untersucht eine Sonderausstellung im Historischen Museum Bielefeld das Phänomen des Bartes. Die sehenswerte Schau wurde von Anja Wucherpfennig kuratiert. Foto: Oliver Schwabe

Grund genug für eine kulturgeschichtliche Betrachtung. Das Historische Museum

Jürgen Burkhardt bei der Bartweltmeisterschaft in Austin 2017.

Jürgen Burkhardt bei der Bartweltmeisterschaft in Austin 2017. Foto: Museum

Bielefeld nimmt das Phänomen Bart in einer Ausstellung genauer unter die Lupe. Woher kommt der Bartboom in Deutschland, und wie hat sich der Bartschmuck seit dem 19. Jahrhundert verändert? Das war die Ausgangsfrage, mit der Anja Wucherpfennig, Volontärin des Museums, an die kuratorische Arbeit ging.

Porträts berühmter Bartträger empfangen den Besucher. Zu bewundern ist dort zum Beispiel die Bartkreation von Jürgen Burkhardt, dem Bartweltmeister 2017 ebenso wie der mit 5,33 Metern längste Bart der Welt. Weiter geht’s zur Abteilung Religion. »Sowohl im Judentum und im Islam als auch im Christentum wurden und werden Bärte von Geistlichen und Gläubigen genutzt, um ihre Frömmigkeit auszudrücken«, weiß Anja Wucherpfennig.

Über die Bedeutung des Barts im Laufe der Zeit

Anhand zahlreicher Beispiele und Exponate wird deutlich, wie sich die Bedeutung des Barts und die Art, ihn zu tragen, gewandelt haben. Einen besonderen Stellenwert hatte der Bart in der Kaiserzeit. »Wer seinen Bart wie Kaiser Wilhelm II. nach oben gezwirbelt trug, brachte damit zugleich auch seine Kaisertreue zum Ausdruck«, erklärt Wucherpfennig.

Mit einer Bartbinde wurde der Bart in Form gebracht und des Nachts fixiert. Bartwuchscremes versprachen reichen Wuchs, und die spezielle Kon­struktion der Barttasse stellte sicher, dass der Schnäuzer beim Trinken nicht nass wurde und aus der Form geriet. Doch keine Bewegung ohne Gegenbewegung: Die Lebensreformer ließen ihre Bärte einfach wild wachsen.

Mit der Erfindung des Rasierhobels im Jahr 1904 durch die Firma Gillette wurde das Barttragen wieder verdrängt, und die Mehrheit der Männer war fortan glatt rasiert. Auch der Erste Weltkrieg leistete dem Rasieren Vorschub. »Unter den Gasmasken war ein langer Bart einfach störend«, erläutert Anja Wucherpfennig.

 

In der Ausstellung wird deutlich, dass die jeweilige Bartmode stark mit dem herrschenden Männlichkeitsideal zusammenhängt. Als zum Beispiel in den 60er Jahren die Mehrheit der Männer zum Rasierer griff – gerne auch mehrmals täglich – nutzten die Akteure der 68er-Bewegung Bärte als Zeichen politischer Rebellion.

Dass Gesichtsbehaarung auch ein Zeichen von Gemeinschaft sein kann, zeigen Bartklubs, Bartwettbewerbe, aber auch die Kampagne »Dein Bart für Deutschland«, initiiert anlässlich der Fußballeuropameisterschaft 2012.

Ein Ausdruck von Männlichkeit

Heute sieht man wieder mehr junge Männer mit Bart. Einige von ihnen erklären im Interview, warum sie den Bart der Glattrasur vorziehen. »Der Bart gilt heute wieder als Ausdruck von Männlichkeit. Er ist eine Reaktion auf die Emanzipation der Frau«, gibt Wucherpfennnig zu verstehen.

Die Ausstellung »Bart« im Historischen Museum Bielefeld, Ravensberger Park 2, wird an diesem Sonntag eröffnet und läuft bis zum 27. Oktober. Geöffnet ist sie dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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