Wähler haben hohe Erwartungen
Kommentar nach der Europawahl: Jetzt müssen die Grünen liefern

Bielefeld (WB). Die Grünen sind bei der Europawahl zur stärksten politischen Kraft in Bielefeld geworden. Die Wähler setzen hohe Erwartungen in sie. Deshalb müssen die Grünen jetzt auch vor Ort liefern, meint Michael Schläger in seinem Kommentar.

Samstag, 01.06.2019, 13:00 Uhr
Mit 28,1 Prozent waren die Grünen bei der Europawahl mit Abstand die stärkste Kraft in Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

Haben die Jungen den Grünen dazu verholfen, bei der Europawahl mit Abstand stärkste politische Kraft in Bielefeld zu werden? Bestimmt, aber nicht nur. 42.300 Bielefelder haben sie am vergangenen Sonntag gewählt. Aber lediglich knapp 30.000 Bielefelder sind überhaupt zwischen 18 unter 25 Jahre alt.

Die Grünen sind inzwischen ein generationsübergreifendes Phänomen. Das setzt sie unter Druck. Sie müssen jetzt liefern. In der Paprika-Koalition im Rathaus waren sie schon in der Vergangenheit tonangebend, aber nicht immer konsequent. So manches grün eingefärbte Projekt war auch möglich, weil die Stadt stets auf die Millionen-Überschüsse der Stadtwerke zurückgreifen konnte. Und die haben diese Millionen mit Atomstrom in Grohnde verdient. Die Grünen werden Flächenverbrauch in Kauf nehmen müssen, weil die Stadt Wohnraum benötigt. Sie müssen den Spagat schaffen zwischen immer mehr Autos und den Ansprüchen der Verkehrswende.

Ihre besten Wahlergebnisse haben die Grünen dort erzielt, wo die Besserverdienenden leben. In manchen dieser Stadtteile ist aber auch die SUV-Dichte am höchsten. Für den ein oder anderen Wähler ist das Kreuz bei den Grünen eher chic als innerste Überzeugung. Diesen Widerspruch müssen die Grünen in praktischer Politik auflösen.

Das Ergebnis zeigt ihnen aber auch: 40 Jahre nach ihrer Gründung haben sie sogar erstmals die Chance, bei der Kommunalwahl 2020 den Chefsessel im Rathaus zu erobern. Mit welcher Kandidatin oder welchem Kandidaten? Wieder so ein Problem. Ein Name fällt in jüngster Zeit häufiger: der der grünen Umweltdezernentin im Rathaus, Anja Ritschel.

 

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