Bernhard Schlink kehrt zum Uni-Jubiläum für eine Lesung an die Hochschule zurück
Der Gern-Schreiber

Bielefeld (WB). »Ich schreibe einfach gern«, sagt Bernhard Schlink vor gut 400 Zuhörern in der Uni-Bibliothek. Was, darauf komme es zunächst gar nicht an: »Einkaufszettel, Juristisches, Romane...eben alles.«

Dienstag, 28.05.2019, 18:04 Uhr
Bernhard Schlink las in der Uni-Bibliothek aus seinem aktuellen Roman »Olga«. Der Jurist arbeitete in den 1970er Jahren als wissenschaftlicher Assistent an der Hochschule. Foto: Oliver Schwabe

Zum 50-jährigen Jubiläum der Hochschule kehrte Bernhard Schlink »nach Jahren« für einen Besuch zurück nach Bielefeld – der Stadt seiner Geburt. Heute lebt der Schriftsteller, Jurist und frühere Richter am Landesverfassungsgericht Nordrhein-Westfalen in Berlin und New York.

Berühmt wurde Schlink nicht mit juristischen Schriften, sondern mit einem Roman, dessen Verfilmung Kate Winslet als Hauptdarstellerin den »Oscar« einbrachte: »Der Vorleser«.

Als Geburtsort gelte für ihn Dornberg, so Schlink (74), »aber nur, weil das Krankenhaus im Krieg dorthin evakuiert worden war.« Die ersten sechs Monate seine Lebens sei er im Pfarrhaus aufgewachsen: »Mein Vater war Pfarrer der Neustädter Mariengemeinde.« Bereits 1945 sei die Familie nach Borgholzhausen umgezogen.

Zum Uni-Jubiläum liest Schlink aus »Olga«

Schlink studierte in Heidelberg und Berlin, promovierte 1975 und arbeitete bis 1977 als Wissenschaftlicher Assistent an der Fakultät für Rechtswissenschaften der Universität Bielefeld. An diese Jahre erinnere er sich vor allem noch an seine damalige Zimmerwirtin, so der 74-Jährige.

Gemeinsam mit seinem Freund und Co-Autor Walter Popp schrieb er 1987 seinen ersten Roman, »Selbs Justiz«. Es folgten weitere Kriminalromane um die Figur des Privatdetektivs Gerhard Selb, die Schlink ohne Walter Popps Mitarbeit verfasste: »Selbs Betrug« (1992) und »Selbs Mord« (2001). Weitere Bücher folgten, der berühmteste, »Der Vorleser«, wurde in 39 Sprachen übersetzt. Schlink wurde mit zahlreichen Preisen geehrt.

Zum Uni-Jubiläum las er aus »Olga«. Schlink hat – erneut – eine starke Frauenfigur geschaffen, erzählt in den Roman von Olgas Leben vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre, wobei die deutsche Geschichte schlaglichthaft gestreift wird, stets verbunden mit Olgas Schicksal.

Olga wächst als Waise in einem Dorf in Pommern auf, Herbert ist der Sohn des Gutsherrn Sie verlieben sich und bleiben gegen den Widerstand seiner Eltern, die mit Enterbung drohen, ein Paar, das immer wieder zueinander findet, obwohl Herbert zum Abenteurer wird, der oft monate- wenn nicht gar jahrelang auf Reisen ist.

Diskussion mit Wissenschaftlern

Ein Vorbild habe nur die Figur des Herbert, sagt Bernhard Schlink. nämlich die des Polarforschers Herbert Schröder-Stranz.

Der wurde, wie der Roman-Herbert, auf einem Rittergut geboren, der trat, wie Herbert, den Schutztruppen für Deutsch-Südwestafrika bei und nahm an der Niederschlagung des Aufstandes der Herero und Nama teil, der bereiste, wie Herbert, Kola und Karelien. Und er kehrte von einer Arktis-Expedition nicht mehr zurück, gilt seit 1912 als verschollen. Ebenfalls wie Herbert.

Für Olga sind diese Reisen, diese Expeditionen sinnlose Hirngespinste. Sie schreibt Herbert, obwohl sie eigentlich weiß, dass er längst tot ist, weiter Briefe. 1945 muss sie in den Westen fliehen, wird noch einsamer, als sie schon war (»Olga«, 2018 im Diogenes-Verlag erschienen).

Im Anschluss an die Lesung diskutierten Wissenschaftler der Uni mit Bernhard Schlink über Themen wie Liebe, Schuld und Verantwortung.

 

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