2200 Besucher feiern Element Of Crime im Lokschuppen Ruf nach Romantik

Bielefeld (WB). Sven Regener spaziert den Kurfürstendamm entlang »Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang«, feiert eine Party am »Schlesischen Tor« und springt mitten hinein ins »Prinzenbad«.

Von Kerstin Panhorst
Frontmann Sven Regener und Element Of Crime im Lokschuppen: Sie begeistern weiterhin ein großes Publikum.
Frontmann Sven Regener und Element Of Crime im Lokschuppen: Sie begeistern weiterhin ein großes Publikum. Foto: Timo Gemmeke

Die Berliner Lokalitäten spielen eine große Rolle beim Konzert von Element Of Crime im Lokschuppen. Denn die Hauptstadt zieht sich wie ein roter Faden durch das aktuelle und zugleich 14. Studioalbum »Schafe, Monster und Mäuse«, das die Band fast komplett live auf der Bühne spielt.

Manchmal geht es sogar um die Wurst bei Frontmann und Texter Regener, genauer gesagt um Salami (»Ein Brot und eine Tüte«) oder Currywurst mit und ohne Darm (»Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin«). Oder er ersinnt eine düster treibende Dystopie in »Gewitter« und schafft es sogar, Formulierungen wie »dinkelschrotversetzte Brote« eine poetische Note abzugewinnen.

»Himmel der brotlosen Kunst«

Er reißt beide Hände zum »Himmel der brotlosen Kunst« hinauf und lässt seinen Schlachtruf des Abends erklingen: »Romantik!«. Denn die beherrschen Element Of Crime wie kaum eine andere Band. Eine rohe, schöne Romantik, die frei ist von Klischees und abgenutzten Plattitüden, von Kitsch und süßlichen Metaphern.

Das ist in erster Linie natürlich Verdienst von Frontmann und Autor Regener (»Herr Lehmann«), aber auch seiner Bandkollegen um Ekki Busch, Jakob Iljas und Richard Pappik, die seine Texte mit einer Mischung aus Rockmusik und Chanson musikalisch untermalen.

»Siehst du den Stein auf der Straße? Der ist klein, schmutzig und schwer, der liegt dort, weil keiner ihn haben will, aber auch weil er niemanden stört«, singt Sven Regener in »Bevor ich dich traf«.

Kombination aus Melancholie und Witz

Der Selbstvergleich mit einem nutzlosen Stein, einem in einer Einbahnstraße fest steckenden Fahrzeug und einem zerzausten Vogel auf einer Straßenbahn könnte deprimierend sein, ist er aber nicht. Weil Regener sich eben als Ich-Erzähler auch in einer durch ein Sockengeschäft ersetzten Wienerwald-Filiale wiederfindet. Diese ganz eigene Kombination aus Melancholie und Witz war schon immer kennzeichnend für den Stil der seit 34 Jahren existierenden Berliner Band.

Neben den neuen Liedern hat die nach einem Film von Lars von Trier benannte Kombo natürlich auch ältere Werke mit nach Bielefeld gebracht. Darunter das Stück »Wer ich wirklich bin«, von dem Gisbert zu Knyphausen kürzlich eine Coverversion veröffentlichte. »Die ist total super und wir sind stolz, aber auch peinlich berührt. Wir haben das Stück seit 1998 nicht mehr gespielt, weil wir es nicht so gut konnten«, erklärt Sven Regener und stimmt zur Ehrenrettung das Lied an.

Auf die ganz großen Hits müssen die 2200 Fans allerdings bis zur ersten Zugabe warten, bei der direkt hintereinander das wohl schönste Liebeslied der Band, »Weißes Papier«, und natürlich auch das inzwischen legendäre »Delmenhorst« erklingen.

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