Folge 17 der Uni-Serie: Silvia Verwiebe ist Präparatorin der Bio-Sammlung
Zwischen Käfern, Vögeln und Schädeln

Bielefeld (WB). Aufgepiekste Insekten, ausgestopfte Dohlen, Trappen oder Füchse, ausgebleichte Tierschädel, in Alkohol eingelegte Schlangen und Schubladen voller Schmetterlinge, Käfer, Schnecken, Vogeleier oder Fossilien: Das ist die Welt von Silvia Verwiebe. Die 58-Jährige ist »Tierpräparatorischtechnische Assistentin« an der Universität Bielefeld.

Samstag, 04.05.2019, 19:45 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 20:02 Uhr
Silvia Verwiebe steht in einem der drei Sammlungsräume – mit Rinderschädel, Königspython und Karettschildkröte. Foto: Bernhard Pierel

Ihr Arbeitsplatz, die Biologische Sammlung der Hochschule, ist eine Lehr- und Schausammlung, wie sie erklärt. Vor allem angehende Biologen sollen hier quasi in natura sehen, bestimmen und unterscheiden lernen, was sie sonst nur in Büchern sähen.

»Früher waren Bestimmungskurse und mehrere Exkursionen Pflicht, heute sind sie nur noch freiwillig. Aber für angehende Lehrer ist es doch wichtig, Arten zu kennen und zu erkennen«, sagt Silvia Verwiebe. Aber auch interessierte Besuchergruppen, etwa Schulklassen oder Volkshochschulkurse, haben sie und Manfred Krämer, der Leiter der Sammlung, schon herumgeführt. Sie haben das riesige Hornissennest präsentiert, den Nilpferdschädel, den Kopf eines Stierhais mit Revolvergebiss oder die vielen Schächtelchen mit Käfern oder Spinnen.

Handfestes statt Theoretisches

Eigentlich hatte Silvia Verwiebe, in Braunschweig geboren und am Niederrhein aufgewachsen, nach dem Abitur Biologie studieren wollen. »Aber ich wollte erst einmal nichts Theoretisches mehr lernen, sondern etwas Handfestes machen.« Also bewarb sie sich am Walter-Gropius-Berufskolleg Bochum und absolvierte die Ausbildung zur Tierpräparatorin. Die verlangte theoretisches Wissen und praktische Fähigkeiten, »und Fummelkram liebe ich«, erzählt die 58-Jährige lachend.

Sie hatte noch nicht einmal ihre Prüfung abgelegt, da bekam sie schon die ersten Stellenangebote. Das der Universität nahm sie an – und hat es nicht einen Tag bereut: Die Arbeit macht ihr einfach Spaß.

»Eigentlich wollte ich ja noch Bio studieren und habe anfangs auch noch Seminare besucht, aber das wurde zum einen zu viel, zum anderen habe ich schnell gemerkt, dass mein Beruf alles vereint, was ich mag. Ich habe Kontakt mit der Wissenschaft und kann zugleich mit den Händen arbeiten.«

Wenn die Biologische Sammlung Neuzugänge bekommt – etwa aus Schenkungen, Hinterlassenschaften, Sammlungen, die aufgelöst werden oder als »Reste« wissenschaftlicher Arbeiten – werden sie exakt bestimmt. Dabei nimmt Silvia Verwiebe ein Mi­kroskop ebenso zu Hilfe wie Bestimmungsbücher. Zuweilen nimmt sie auch Kontakt mit Taxonomen auf. Außerdem hält sie fest, woher die Libelle oder Heuschrecke kommt, wann und unter welchen Wetter- und Klimabedingungen das Tier gefunden wurde.

Abkochen und entfleischen

Und natürlich werden die verschiedenen Falter, Wespen oder Spinnen aus der Eifel, aus Schleswig-Holstein, Thrakien, Venezuela oder vom Uni-Gelände (gefunden in 100 Metern Höhe über dem Meeresspiegel, wie fein säuberlich notiert wurde) dann für die Ewigkeit aufbereitet.

Zu den Arbeiten von Silvia Verwiebe gehört daher auch, etwa einen Hunde- oder Rinderkopf zu präparieren, ihn zunächst abzukochen und zu entfleischen, bevor er irgendwann ein vorzeigbarer Schädel ist. »Selbst das Skelett eines Braunpelikans, das wir in einem Karton quasi als Puzzle bekommen haben, habe ich wieder zusammengesetzt.« Auch die Vi­trinen der Biologischen Sammlung mit den Ausstellungen auf Zeit – leider etwas versteckt in einem Flur auf WO zu besichtigen – gestaltet die Präparatorin, recherchiert und verfasst die Texte. »Da kann man kreativ sein.«

Auch wenn Silvia Verwiebe weiß, dass viele angehende Biologen sich eher für Genetik interessieren, bricht sie doch eine Lanze für die Taxonomie, also Klassifizierung, und Systematik der belebten Welt: Die seien schließlich die Basis der Biologie. »Jetzt, in Zeiten des Artensterbens, wird das wieder stärker in den Blick genommen.« Denn, zitiert sie Konrad Lorenz, man liebe nur, was man kennt und schütze nur, was man liebt.

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