Aus dem Studentenprojekt Trendbrause ist der Bielefelder Getränkehersteller Limoment geworden
»Zuckerwasser gibt’s woanders«

Bielefeld (WB). Viele ambitionierte Start-up-Unternehmen verschwinden schnell wieder in der Versenkung. Ein Gegenbeispiel liefern fünf Jungs einer Brackweder Unternehmergesellschaft: Sie haben ihr einstiges Studentenprojekt Trendbrause seit 2014 zum bekannten Getränkehersteller Limoment gemacht, von dem sie inzwischen (bescheiden) leben können. Gerade ist die dritte Geschmacksrichtung auf den Markt gekommen.

Mittwoch, 08.05.2019, 18:00 Uhr
Aus dem Führungsteam der Brackweder Firma Limoment (von links): die drei Jungunternehmer Janosch Kriesten (29), Lars Timmermann (26) und Phillip Marsell (32) mit ihrem neuen Getränk vor den alten Birnbäumen an der Erpe­straße in Ummeln. Foto: Markus Poch

Birne-Grüntee heißt die brandneue Limonadenkreation. Eine süße Birnensorte aus dem nahen Hiddenhausen (Kreis Herford) liefert den Löwenanteil. Hinzu kommen Trauben-Direktsaft, Quittensaftkonzentrat sowie Grüntee-Extrakt, natürliches Grüntee-Aroma und etwas Kohlensäure – fertig ist ein fruchtiger Eistee ohne den Zusatz von Zucker oder anderen Süßungsmitteln.

Damit wollen seine Schöpfer erneut ihren eigenen Ansprüchen an die Getränkeherstellung gerecht werden – »für ein gutes Gewissen gegenüber dem eigenen Körper und der Natur«. Entsprechend selbstbewusst werben sie auch mit den Worten »Zuckerwasser gibt’s woanders«, nehmen es auf mit Coca-Cola und Co.

Mit Zutaten aus der Region

Ein möglichst natürliches Erfrischungsgetränk zu entwickeln – ohne Zuckerzusatz und ausschließlich mit Zutaten aus der Region OWL – war die ursprüngliche Idee, und bei der Umsetzung dieser Philosophie ist es geblieben. Die beiden ungewöhnlichen Sorten Apfel-Minze und Apfel-Rose mit Säften aus der Leopoldshöher Mosterei Wernicke haben über die Jahre ihren Weg in mehr als 1000 Getränkemärkte und Gastronomiebetriebe in weiten Teilen Deutschlands und Österreichs gefunden.

Jetzt rückt die dritte Geschmacksrichtung Birne-Grüntee – Slogan »Endlich was für die Birne« – ins erfolgreiche Kleinsortiment der Marke auf. Abgefüllt wird sie von der Brauerei Hohenfelder in Rheda-Wiedenbrück, vertrieben über einen Getränkelogistiker in Harsewinkel.

Limoment – das sind der Sozialarbeiter Janosch Kriesten (29), der Soziologe Phillip Marsell (32), der angehende Betriebswirt Lars Timmermann (26), der Informatiker Kim Marcel Czesna und der Marketing-Experte Moritz Kinder (28). Sie nennen sich selbst »Unternehmer, Weltverbesserer und Spaßvögel aus Leidenschaft«, sind stolz darauf, in welchem Umfang ihr Konzept trotz der übermächtigen Konkurrenz im Getränkeregal angenommen wird.

Aus Fehlern gelernt

Und sie sind auf dem Boden geblieben, haben aus Fehlern gelernt, die viel Zeit und Geld kosteten. Nach wie vor erledigen sie sämtliche anfallenden Arbeiten in Eigenregie – von Papierkram über Produktion und Produktentwicklung bis hin zu Design, Marketing und Vertrieb. Bei Bedarf hinzugezogene Helfer in Teilzeit sind Martin Kroner und Max Schröder (beide Vertrieb), Tim Burrows (Veranstaltungen) sowie Sebastian Hinz (Produktentwicklung).

»Wir sehen uns als Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichzeitig«, erklärt Phillip Marsell. »Wir haben deshalb unseren studentischen Lebensstandard von einst bewahrt und stecken jeden Euro, der übrig bleibt, wieder ins Unternehmen.« Sein Kollege Janosch Kriesten umschreibt das Phänomen anders: »Es muss uns manchmal noch bewusst werden, was sich hier aus der Trendbrause entwickelt hat. Aber der Spaßfaktor steht bei uns weiterhin ganz weit oben«, sagt er augenzwinkernd, während er in eine Kiste unsortierter Legosteine greift. »Wir haben zwar kein Geld, sind aber glücklich. . .«

Und warum konnten die Jungs ihren Siegeszug nicht unter dem ursprünglichen Namen Trendbrause antreten? Warum die Umbenennung im Jahre 2016? »Brause ist laut Lebensmittelverordnung ein stark zuckerhaltiges Getränk mit chemischen Zusätzen«, erklärt Phillip Marsell. »Es ist also genau das, was wir inhaltlich nicht wollten.« Deshalb sei man für das »Hybridprodukt zwischen Schorle und Limonade« erneut auf Namenssuche gegangen und über Ansätze wie Glückslimo, Glücksbringer oder Naturbruder bei Limoment gelandet. Dieser Name ist inzwischen als Wortmarke eingetragen und damit europaweit geschützt.

Marmelade und Müsliriegel

Und was kommt als nächstes aus dem kleinen Limoment-Büro auf dem Gelände der Möllerwerke? »Es könnte eines Tages auch andere Naturprodukte nach der bewährten Limoment-Formel geben«, fantasiert Marsell. »Zum Beispiel Kaubonbon, Marmelade oder Müsliriegel.«

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