13 Jahre altes Tier in Olderdissen litt unter Krämpfen und Schmerzen – mit Video
Wisentkuh Holle durch Schuss erlöst

Bielefeld (WB). Wisentkuh Holle im Tierpark Olderdissen ist tot. Am Mittwochmittag hat Tierpark-Leiter Herbert Linnemann das 13 Jahre alte Tier im Gehege erst narkotisieren und dann erschießen müssen, weil es offensichtlich schwer krank war und unter Schmerzen und Krämpfen litt.

Freitag, 03.05.2019, 03:30 Uhr aktualisiert: 04.05.2019, 15:06 Uhr
Tierpark-Leiter Herbert Linnemann (links) und Chef-Tierpfleger Markus Hinker vor dem Wisentgehege direkt am Olderdisser Haupteingang. Im Hintergrund Bulle Kurt und das Jungtier Jostmeyer, das Holle im vergangenen Jahr zur Welt gebracht hatte. Foto: Hendrik Uffmann

»Das war eine schwere Entscheidung, zumal der Tierpark an dem Feiertag gut besucht war. Es gab aber keine andere Möglichkeit, und es ging darum, Holle von ihrem Leiden zu erlösen. Das Tierwohl muss in solchen Fällen Vorrang haben«, erklärte Linnemann am Donnerstag das Geschehen, das auch für die Tierpark-Mitarbeiter eine Ausnahmesituation war.

Wisentkuh Holle steht am Mittwoch apathisch am Gehegezaun, kurz bevor sie erschossen werden muss.

Wisentkuh Holle steht am Mittwoch apathisch am Gehegezaun, kurz bevor sie erschossen werden muss. Foto: Tierpark Olderdissen

Vor dem tödlichen Schuss hatte Linnemann die Besucher des Tierparks, die sich in dem neben dem Wisentgehege gelegenen Biergarten und direkt am Zaun aufhielten, informiert, was geschehen werde und allen, die nicht Augenzeuge sein wollten – vor allem Familien mit Kindern – die Gelegenheit gegeben, sich zu entfernen. Den tödlichen Schuss, so Linnemann, hätte dann lediglich eine Handvoll Besucher verfolgt. Den 450 Kilogramm schweren Körper des toten Wisents haben Tierparkmitarbeiter anschließend mit einer Seilwinde in den Stall des Geheges gezogen.

Wisentkuh Holle war 13 Jahre alt und 2010 aus Neumünster nach Olderdissen gekommen. Sie hatte dort sechs Kälber zur Welt gebracht, zuletzt im vergangenen Jahr das Kalb Jostmeyer. Das Jungtier lebt nun mit dem dreijährigen Bullen Kurt zunächst allein in dem Gehege.

Dass etwas mit Holle nicht stimmte, habe sich am Donnerstag der vergangenen Woche abgezeichnet, erklärt Herbert Linnemann. »Sie hat wenig gefressen und viel gelegen, auch mit dem Kopf auf dem Boden. Das ist für die Tiere untypisch.« Am Montag zog der Tierpark dann Tierarzt Heiner Vorbohle zu Rate. Da die massigen und für Menschen gefährlichen Tiere nicht ohne weiteres untersucht werden können, fiel die Entscheidung, Holle mit Antibiotika und Schmerzmitteln zu behandeln. Denn als weitere Symptome zeigte sie Kurzatmigkeit, sie atmete schwer und krampfte.

Einschläferung nicht möglich

Nach der Behandlung sei es Holle am Montag und Dienstag zunächst besser gegangen, bevor sich am Mittwoch ihr Gesundheitszustand wieder rapide verschlechtert habe. »Schließlich stützte sie sich am Zaun im Gehege ab, weil sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, war apathisch und reagierte auch nicht mehr auf die Tierpfleger. Sie kämpfte nur noch mit sich selbst«, so Herbert Linnemann.

In Absprache mit einem Tierarzt habe er dann entschieden, Holle von ihrem Leiden zu erlösen. Ein Tier der Größenordnung eines Wisents, so der Tierpark-Leiter, könne jedoch nicht eingeschläfert werden. Chef-Tierpfleger Markus Hinker betäubte Holle deshalb mit einem Blasrohr, so dass sie ruhig am Boden lag. »Denn sonst hätte sie auch für uns sehr gefährlich werden können, da der Schuss aus nächster Nähe erfolgen musste, um keinen Besucher zu gefährden«, erläutert Linnemann.

Aus einem halben Meter Entfernung habe er dann um kurz nach 12 Uhr der Wisentkuh mit einem Jagdgewehr von oben in den Kopf geschossen, so dass das Projektil von Erdreich aufgefangen wurde. Für solche Maßnahmen habe der Tierpark eine generelle polizeiliche Genehmigung. Dieser »sehr schnelle Tod« sei für Holle das beste gewesen.

Woran die Wisentkuh erkrankt war, das soll eine Untersuchung im Veterinäruntersuchungsamt in Detmold ergeben. Möglich seien verschiedene Ursachen, sagt Markus Hinker. »Sie kann einen Gegenstand wie einen Nagel oder eine Schraube gefressen haben. Vielleicht hat aber auch jemand falsches Futter in das Gehege gegeben.« Da Holle jedoch möglicherweise trächtig war, sei auch denkbar, dass es Probleme mit dem Fötus gegeben habe.

Eine Infektion als Ursache scheint hingegen weniger wahrscheinlich, da es den beiden verbleibenden Wisenten im Gehege offensichtlich gut geht. Das Ergebnis der Untersuchung in Detmold könne jedoch erst in einigen Wochen vorliegen.

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