Debatte um Verlegung des Fernbus-Bahnhofs von Brackwede in die Innenstadt findet politischen Nachhall Fernbus-Bahnhof: »Pro Nahverkehr« warnt vor Schnellschuss

Bielefeld (WB). Nachdem Cornelia Delius, Vorsitzende des Verkehrsvereins, das Thema »Fernbusbahnhof« zu einem Thema ihrer Rede bei der Jahresversammlung gemacht hat, regen sich auch politische Parteien und Interessenverbände. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage, ob der Fernbus-Bahnhof vom Bahnhof Brackwede in die Innenstadt, genauer: ins Neue Bahnhofsviertel an die Joseph-Massolle-Straße verlagert werden sollte.

Zurzeit hält der Schienenersatzverkehr an der Massolle-Straße. »Pro Nahverkehr« hält es dort für Fernbusse für zu eng.
Zurzeit hält der Schienenersatzverkehr an der Massolle-Straße. »Pro Nahverkehr« hält es dort für Fernbusse für zu eng. Foto: Pierel

Der Verein »Bielefeld Pro Nahverkehr« erinnert daran, dass die Verlagerung vor zwölf Jahren abgeschlossen worden sei, der Fernbahnhof 2009 eröffnet wurde.

Norbert Block und Christoph Birnstein, Vorstandsmitglieder von »Bielefeld pro Nahverkehr«, erinnern sich: »Wir haben von Anfang an die völlig unzureichende Ausstattung des Fernbus-Bahnhofs kritisiert. Das hat aber das Amt für Verkehr jahrelang nicht interessiert. ›Kein Handlungsbedarf‹ hieß es lapidar.« Erst als die Modernisierung des Brackweder Bahnhofs beschlossen gewesen sei, habe das Amt für Verkehr mit Überlegungen zur Gestaltung des Fernbus-Bahnhofs begonnen. Birnstein: »Und jetzt die Rolle rückwärts? Auf einmal wird der Standort hinter dem Hauptbahnhof als geradezu ideal angepriesen. Man nutzt die neuen Haltebuchten an der Massolle- Straße für die Fernbusse und alles ist super?«

Für einen Standort nahe dem Hauptbahnhof gebe es zweifellos gute Argumente, räumt der Vereinsvorsitzende Dr. Godehard Franzen ein: »Man zieht dann aber weiteren Verkehr ins Zentrum. Das passt nicht zu den Bemühungen, die Schadstoffe zu senken.« Eine gute Anbindung an den Nahverkehr sei wichtig. Von der Massolle-Straße bis zur Stadtbahnhaltestelle sei es aber ungefähr genauso weit wie in Brackwede zur nächst gelegenen Haltestelle.

An der Massolle-Straße fehlen Kurzzeit-Parkplätze

Die neuen Bushaltebuchten seien für den Schienenersatzverkehr ausreichend, für Fernbusse seien sie aber zu schmal. Birnstein: »Bei Fernbussen muss das Gepäck in den Laderaum verladen werden. Dazu müssen die großen Ladeklappen auf der Fahrerseite geöffnet werden. Die ragen dann einen Meter in die Straße hinein. Das ist eine gefährliche Situation. Das Beladen geht auch nicht ›Klappe auf, Klappe zu‹. In Brackwede stehen die Fernbusse mit geöffneten Ladeklappen häufig eine Viertelstunde oder sogar noch länger. Für Fernbusse bräuchte man eigentlich schräg angeordnete Haltebuchten, damit auch die Fahrerseite des Busses weit genug vom fließenden Verkehr weg ist.«

Für problematisch hält Pro Nahverkehr es auch, dass es an der Massolle-Straße keine Kurzzeit-Parkplätze mehr gibt. Block: »In Brackwede kann man sehen, dass viele Fahrgäste mit dem Auto gebracht oder abgeholt werden. Es ist unrealistisch zu erwarten, dass diese Autos in das benachbarte Parkhaus fahren. Das kann in Stoßzeiten zu chaotischen Verhältnissen führen.«

Antrag für nächste Sitzung

Die Wetterschutzhäuschen, so Block, seien für den Schienenersatzverkehr in Ordnung, für den Fernbusbetrieb seien sie viel zu klein. Block, Birnstein und Franzen warnen vor der Fehleinschätzung, mit einer Verlagerung des Fernbus-Bahnhofs an die Massolle-Straße würde man Investitionen in Brackwede einsparen. Franzen: »Der barrierefreie Zugang zur Stadtbahnhaltestelle muss auch ohne Fernbusbahnhof gebaut werden.« »Bielefeld pro Nahverkehr« warnt vor einem »Schnellschuss«.

Die FDP will in Sachen Fernbus-Verlagerung für die nächste Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 21. Mai eine Anfrage stellen, um zu erfahren, ob es bereits eine Prüfung von Seiten der Verwaltung gegeben habe. Die FDP sei immer der Ansicht gewesen, der Fernbus-Bahnhof gehöre in die Innenstadt, so FDP-Vorsitzender Jan Maik Schlifter. Auch die FDP Jöllenbeck votiert für einen Fernbus-Bahnhof am Hauptbahnhof. Gregor vom Braucke: »Das würde den Bürgern aus dem Bielefelder Norden den Zugang zum Fernbus erleichtern.«

Kommentare

Busbahnhof

Der so genannte Fernbusbahnhof in Brackwede ist eine Schande für Bielefeld. Der erste Eindruck eines Reisenden ist eben ein Zug- oder Busbahnhof. Um somehr, wenn der Reisende aus dem Ausland kommt. Diese Orte sind die Visitenkarten einer Ortschaft. Brackweder Busbahnhof als Visitenkarte? Eine Seitenstrasse ohne Infrastruktur. Ein bescheidener Warteraum für die Reisende, macht sicherlich einen negativen Eindruck. Die Weiterfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Straßenbahn und Bus sind von dieser Stelle ungünstig.
Der beste Ort für Fernbusse wäre hinter dem Hauptbahnhof. Mit wenig Aufwand könnte man die Strasse zu diesem Zweck einrichten.

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