Auswärtiger Deckhengst Kurt (8) soll dem Tierpark Olderdissen Nachwuchs bescheren – mit Video
Wilde Jagd nach den Eselstuten

Bielefeld (WB). Die grauen Hausesel sind seit Jahren eine der großen Attraktionen des Tierparks Olderdissen. Jetzt bemüht sich die Parkleitung erneut um Nachwuchs unter den Unpaarhufern: Deckhengst Kurt (8) aus dem Tierpark Nadermann in Delbrück soll die beiden rossigen Stuten Lotti (20) und ihre Tochter Geli (11) befruchten.

Dienstag, 09.04.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 03:30 Uhr
Hatz durch das große Gehege: Kurt stürmt den Stuten hinterher und muss dabei mitunter ganz schön Prügel einstecken. Foto: Oliver Schwabe

Gestern näherte sich das Eselstrio, das in gleicher Mission schon 2017 erfolgreich »kooperierte«, unter Aufsicht erstmals seit damals wieder an. Lotti und Geli hatten Augenblicke zuvor schon gewittert, dass ein scheinbar fremder Mann im Anmarsch auf ihr Gehege ist. Neugierig und aufgeregt waren sie deshalb zum Gatter getrabt, um Blickkontakt aufzunehmen.

Kurt zeugt Eselnachwuchs im Tierpark Olderdissen

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Foto: Oliver Schwabe
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Die Vorfreude der beiden gut 200 Kilogramm schweren Weibchen auf den unverhofften Herrenbesuch währte jedoch nur kurz. Denn der eher klein gewachsene, schwarzbraune Eselhengst Kurt, der kaum 170 Kilogramm auf die Waage bringt, gerade noch die Gelassenheit in Person, gebärdete sich plötzlich wie ein angriffslustiger Soldat im Angesicht des Feindes. Zwar brüllte er kein siegesicheres »Attacke!« in den Himmel. Aber er fing an zu trampeln und röhrte ähnlich entschlossen ein ohrenbetäubendes »Iiiiiiiaaahhhh« durch den Park, als gäbe es für ihn kein Morgen.

Kaum hatten Chef-Tierpfleger Markus Hinker und sein Kollege Tobias Becker den wild gewordenen Hengst von der Leine gelassen, warf dieser sich derart todesmutig den beiden etwas größeren, hellgrauen Stuten entgegen, dass, diese nur noch panisch und wild austretend die Flucht ergreifen konnten. Kurt stürmte schnurstracks hinterher und blieb ihnen dicht auf den Fersen, fing sich dabei am ganzen Körper heftige Wirkungstreffer von Vorder- und Hinterhufen ein.

Rustikales Liebesspiel

Bei mehreren spontanen Begattungsversuchen biss er sich immer wieder im Nackenkamm des einen oder anderen Weibchens fest, wurde aber trotzdem jedes Mal abgeschüttelt, um schier unermüdlich – dafür sind die Lastentiere bekannt – weiter anzugreifen und sich zusätzlich böse Prügel abzuholen. Experten nennen dieses Verhalten »Dominanzgehabe um die Rangordnung«.

»Die Tritte machen dem Hengst normalerweise nichts aus, denn die Hufe unserer Stuten sind unbeschlagen«, erklärt Markus Hinker. Er hat das rustikale, geradezu brachial anmutende Liebesspiel der Hausesel über die Jahre schon öfter beobachtet. »Wenn es dem Hengst weh tun würde, dann würde er sicherlich mit dem Werben aufhören und käme bei dem Weibchen vielleicht auch nicht mehr zum Zuge.«

Theoretisch könnten Bein- oder Kieferknochen durch einen kräftigen Eselstritt leicht brechen, »aber dass das passiert, ist äußerst unwahrscheinlich«, sagt Hinker. »Denken sie an den Beipackzettel und die Nebenwirkungen von Aspirin. Es wird selbst da irgendeinen Menschen geben, der damit Probleme bekommt.«

Wenig später wendete sich das Blatt im großen Gehege: Kurt musste dem anfangs hohen Angriffstempo offensichtlich Tribut zollen, wurde selbst zum Gejagten. Die Stuten hielten zusammen und verschafften sich Respekt. Der Tierpflegemeister ist trotzdem zuversichtlich, dass die ungestüm agierenden Esel sich bald vertragen und erfolgreich vermehren werden. Dabei sei der Größenunterschied zwischen Hengst und Stute durchaus von Vorteil: »Wenn der Hengst kleiner ist, vererbt er auch kleiner«, sagt Hinker. »Dadurch hat die Stute später eine leichtere Geburt.«

Nachwuchs in zwölf Monaten?

Und darum geht es schließlich: Wenn die Befruchtung geklappt hat, sollen in Olderdissen in zwölf Monaten zwei gesunde Esel-Fohlen zur Welt kommen. Laut Tierparkleiter Herbert Linnemann sind die Babys mit ihren vier bis fünf Kilogramm kaum größer als ein erwachsener Stallhase. Nachwuchs bei den Hauseseln bringe dem Park mehr Besucher, den Elterntieren »eine schöne Beschäftigung« und wichtige Zugewinne in ihrem Sozialverhalten.

Bleibt den Tierpflegern in Olderdissen nur eine Sorge: dass ihre Esel von unwissenden und mitunter rücksichtslosen Parkbesuchern entgegen aller Warnungen weiterhin gefüttert werden. Zusätzliches, unerlaubtes Füttern führe schnell zur Verfettung der auf nährstoffarme Kost eingestellten Tiere, betont Markus Hinker. Leiden die Esel erst an der im Ernstfall daraus resultierenden Hufrehe-Erkrankung, sei es zu spät. Hinker: »Dann hilft oft nur noch eine Notschlachtung.«

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