Bis freiwillige Feuerwehrleute ihr Handwerk beherrschen, müssen sie jahrelang lernen
So läuft die Grundausbildung bei der freiwilligen Feuerwehr

Bielefeld (WB). Die Feuerwehr kommt mit Blaulicht und Martinshorn, hilft und ist wieder weg. Was sich einfach anhört, dafür müssen die Helfer und Retter lange lernen, bis sie ihr Handwerk beherrschen. Das WESTFALEN-BLATT hat freiwillige Feuerwehrleute bei der Grundausbildung begleitet.

Montag, 08.04.2019, 18:36 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 07:32 Uhr
Wassernebel statt Wasserstrahl: Feuerwehrleute in der Grundausbildung üben mit einem Hohlstrahlrohr das Löschen. Foto: Bernhard Pierel

Retten, löschen, bergen, schützen: Vier Lehrgänge, sogenannte Module, durchlaufen Feuerwehr-Azubis in Bielefeld. Das sind 160 Stunden Theorie und Praxis in Fahrzeug- und Gerätekunde, Rettungs-, Brand- und Löschlehre sowie technischer Hilfeleistung. Es gilt, später im Einsatz mit der bis zu 25 Kilo schweren Ausrüstung umgehen zu können. »Bei den vier Modulen lernt man das eigentliche Handwerkszeug. Frühestens nach drei Jahren ist der Nachwuchs einsatzbereit«, sagt Hauptbrandmeister Carsten Tiekötter.

Löschwasser: Viel hilft viel? Stimmt nicht!

Tiekötter von der Löschabteilung Gellershagen ist einer der 50 Ausbilder der Freiwilligen Feuerwehr Bielefeld. Das sind allesamt erfahrene Helfer und Retter. Sie engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit an vielen Wochenenden im Jahr, um jungen Feuerwehrfrauen und -männern das Rüstzeug für den Einsatz mitzugeben. Dafür gibt es einen festen Ort: die Feuerwache West der Berufsfeuerwehr an der Ecke Jöllenbecker-/Babenhauser Straße. Das große Gelände der sogenannten Lehrwache bietet ausreichend Möglichkeiten, um das mit dem retten, löschen, bergen, schützen zu üben. Tiekötter: »Wir machen 98 Prozent der Ausbildung aus der Freiwilligen Feuerwehr für die Freiwillige Feuerwehr.«

Feuerwehr-Azubis sichern mit einer Leine eine Steckleiter und bereiten einen Löschangriff vor.

Feuerwehr-Azubis sichern mit einer Leine eine Steckleiter und bereiten einen Löschangriff vor. Foto: Bernhard Pierel

Der Laie mag denken, dass nur viel Löschwasser hilft, um einen Brand zu bekämpfen. Die Theorie vom »viel hilft viel« hat man bei der Feuerwehr längst zu den Akten gelegt. »Rein, draufhalten und wieder raus – das war früher. Heute gibt es das nicht mehr«, sagt Ausbilder Tiekötter. Einen Atemzug später erklärt der Hauptbrandmeister: »Bei einem normalen Küchenbrand kommen wir heute mit so wenig Wasser aus, dass kaum Wasserschäden entstehen.« Möglich machen dies die sogenannten Hohlstrahlrohre, die Wassernebel mit feinen Tröpfchen verspritzen. »Je feiner die Tröpfchen sind, desto mehr wird dem Feuer die Energie entzogen.«

Das und vieles mehr lernen Feuerwehrleute in der Grundausbildung. Wer sich dem Engagement im Ehrenamt verschrieben hat und in eine der freiwilligen Löschabteilungen eingetreten ist, für den entfällt vorerst ein normales Wochenendprogramm mit ausschlafen, frühstücken und bummeln gehen. Die Module finden jeweils samstags und sonntags statt. Beginn ist um 8 Uhr, Ende am Samstag zwischen 17 und 18 Uhr und am Sonntag gegen 13 Uhr. Zwei komplette Wochenenden und einen Samstag für die Prüfung umfasst ein Lehrgang.

»Die Löschabteilung Babenhausen ist eine große Familie«

Trotzdem begeistern sich junge Menschen ab 18 Jahren für die Freiwillige Feuerwehr. Warum machen sie die Ausbildung? »Für mich ist das völlig entspannt. Das macht viel Spaß«, sagt Nora Pauly (20), angehende Feuerwehrfrau bei der Löschabteilung Babenhausen. Die 20-Jährige, die an der Uni Bielefeld Molekularbiologie studiert, kommt ursprünglich aus Oberhausen. Ersten Kontakt zur Feuerwehr bekam sie über einen Bekannten. »Das hörte sich spannend an.«

Dass sie sich beim Studium in Bielefeld gleich in der ersten Woche nach dem Umzug der Löschabteilung anschloß, kommt nicht von ungefähr. In dem Stadtteil gibt es viele Studentenwohnungen. »Die Löschabteilung Babenhausen ist eine große Familie. Ich persönlich habe bei der freiwilligen Feuerwehr viel gelernt für das Verhalten im Brandfall«, sagt Nora Pauly.

Nach der Ausbildung ist vor der Ausbildung

Florian Zeeck (19/Löschabteilung Sennestadt) hat das Feuerwehr-Gen sozusagen geerbt. »Mein Vater ist seit 34 Jahren dabei. Ich bin damit aufgewachsen«, sagt der Straßenwärter. Mit zwölf Jahren Eintritt in die Jugendfeuerwehr, als 18-Jähriger Wechsel zur Löschabteilung: »Ich bin stolz, freiwilliger Feuerwehrmann zu sein, weil ich guten Gewissens anderen Leuten uneigennützig helfen kann.«

Nach der Ausbildung ist bei der Feuerwehr vor der Ausbildung. Wer die vier Module durchlaufen hat, der muss den Umgang mit Atemschutzmaske und Pressluftatmer lernen, die Motorsäge für Baumfällarbeiten beherrschen (Stichwort Orkan) und sich mit den Maschinen eines Löschfahrzeugs auskennen. Dann kommt der Truppführer-Lehrgang, laut Tiekötter »das eigentliche Ende der Grundausbildung«. Doch eines kann selbst die beste Lehre nicht bieten: »Die Einsatz-Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen.«

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