Im Südwestfeld vergibt die Stadt Bielefeld Grundstücke erstmals nach sozialen Kriterien
Wer bauen will, braucht Punkte

Bielefeld (WB). Acht Baugrundstücke im kleinen Brackweder Ortsteil Südwestfeld werden zum Testballon für die neue soziale Baulandpolitik der Stadt Bielefeld. Zum ersten Mal hat der städtische Immobilienservicebetrieb (ISB) einen Katalog mit sozialen Kriterien aufgestellt, nach dem die Käufer ausgewählt werden.

Dienstag, 09.04.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 07:32 Uhr
Im Baugebiet »Im Lecke« im Brackweder Ortsteil Südwestfeld bietet die Stadt Bielefeld acht Baugrundstücke an. Den Zuschlag sollen Interessenten bekommen, die die meisten der geforderten sozialen Kriterien erfüllen. Foto: Bollig

Im Baugebiet Im Lecke, einst Standort des Gemeinschaftshauses im Südwestfeld, hat der ISB auf der städtischen Fläche acht Grundstücke für Ein- bis Zweifamilienhäuser in Größen zwischen 413 und 528 Quadratmetern markiert. Wer dort baut, wohnt in der Nachbarschaft des örtlichen Kindergartens und eines Spielplatzes und lebt im Ortsteil mit rund 1000 Menschen in seiner näheren Umgebung. Wer dort bauen will, sollte allerdings auch einige Bedingungen erfüllen, damit er beim Verkauf der Grundstücke überhaupt zum Zuge kommt.

Anforderungskatalog

Der ISB hat einen Anforderungskatalog aufgestellt. Punkte werden nach sozialen Kriterien vergeben. So gibt es zehn Punkte je Kind im Haushalt, jeweils zehn weitere Punkte für Bewohner mit einer Behinderung von mindestens 50 Prozent oder einen Pflegegrad von mindestens Stufe 2. Jeweils 20 Punkte gibt es pro Person im Haushalt, die einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in Bielefeld hat. Die Voraussetzungen sind nachzuweisen, deren Stichtag ist der 10. April 2019. Bei Punktgleichheit der Bewerber soll das Los entscheiden.

Der ISB wendet einen solchen Katalog zum ersten Mal beim Verkauf stadteigener Baugrundstücke an, wie Jürgen Bültmann, Kaufmännischer Leiter des ISB, dem WESTFALEN-BLATT sagt, insbesondere um Familien die Möglichkeit zu geben, preisgünstig zu bauen. Und im Gegenzug für die Erfüllung der sozialen Kriterien legt sich die Stadt beim Kaufpreis fest: 220 Euro soll der Quadratmeter kosten, angelehnt an den für diesen Bereich geltenden Wohnbaulandrichtwert. Bislang, sagt Bültmann, wurden städtische Baugrundstücke an den Interessenten mit dem höchsten Gebot verkauft.

Wie sich die Grundstückspreise in Bielefeld in den vergangenen Jahren entwickelt haben, zeigt sich ganz konkret an diesem Areal: Als die Politik im März 2014 erstmals über den Bebauungsplan für das Gebiet Im Lecke beriet, sprach Jürgen Bültmann noch von einem damals aktuellen Bodenrichtwert von 175 Euro je Quadratmeter.

Wie Bauland vermarktet werden kann

Von dem Katalog mit Sozialpunkten erhofft sich die Verwaltung erste Erkenntnisse und Erfahrungen darüber, wie künftig Bauland so vermarktet werden kann, dass es erschwinglich bleibt – vor dem Hintergrund, dass die Stadt künftig verstärkt Flächen, die zu Bauland erhoben werden, selbst kaufen und vermarkten will . Jürgen Bültmann spricht denn auch von einem »ersten Versuch«. Bei diesen Kriterien habe man sich von Beispielen anderer Städte leiten lassen. Es gebe durchaus weitere Beispiele mit wesentlich umfangreicheren Katalogen, die mehrere Seiten stark seien, bei denen unter anderem auch Einkommensnachweise vorzulegen seien. »Das wollten wir so nicht. Es soll für die Interessenten einfach sein, die Nachweise für die wenigen Kriterien zu erbringen«, betont der ISB-Leiter.

Um Spekulanten vom Neubaugebiet fernzuhalten, hat der ISB eine weitere Bedingung erstmals eingeführt: Wer eines der acht Grundstücke kauft, muss es mindestens zehn Jahre lang selber nutzen. Wer dagegen verstößt, zahlt als Vertragsstrafe 20 Prozent des Kaufpreises. Und damit die Flächen nicht lange brach liegen, verpflichten sich die Käufer dazu, ihr Haus innerhalb von zwei Jahren bezugsfertig zu bauen.

Nach den Festsetzungen des Bebauungsplans liegen die Grundstücke in einem reinen Wohngebiet. Zugelassen sind Einzelhäuser mit maximal zwei Wohneinheiten und Satteldach. Eine geteerte Baustraße führt bereits von der Straße Im Lecke aus in das Baugebiet. Jürgen Bültmann zufolge sind Ver- und Entsorgungsleitungen ebenfalls schon unter der Straße verlegt.

Interessenten haben bis zum 10. Mai die Möglichkeit, ihre Bewerbungen um die Grundstücke einschließlich der geforderten Nachweise einzureichen. Erste Bewerbungen sind laut ISB bereits eingegangen. Formulare gibt es beim Immobilienservicebetrieb hier .

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