Folge 13: Das Reich von Gärtnermeister Detlef Balten sind die Uni-Gewächshäuser
Grün für Forschung und Futter

Bielefeld (WB). Die kleine, unscheinbare Acker-Schmalwand, (oder Arabidopsis thaliana) gehört zu den Pflanzen, denen Detlef Balten viel Aufmerksamkeit schenkt. Denn sie ist ein beliebter Modellorganismus in der Biologie. »Sie hat ein kleines Genom und einen kurzen Generationszyklus«, erklärt der Gärtnermeister. Acht Wochen nach der Aussaat ist sie quasi »ausgewachsen«.

Freitag, 05.04.2019, 17:00 Uhr
Detlef Balten steht in einem der Uni-Gewächshäuser. Seit dem Jahr 1997 leitet der 56-Jährige die Gärtnerei der Hochschule. Sein privater Ausgleich: der heimische Garten von gut 1000 Quadratmetern.

Detlef Balten sorgt mit vier Kollegen dafür, dass die Pflanzen, mit denen die Wissenschaftler der Universität arbeiten und an denen sie forschen, gedeihen. Seit 1984 steht der 56-Jährige in den Diensten der Universität, seit 1997 ist er Leiter der Uni-Gärtnerei. Seinen »grünen Daumen« hat der 56-Jährige quasi geerbt: Seine Eltern hatten eine Gärtnerei in Steinhagen, er selbst hat den Beruf in Bielefeld erlernt.

Mit der Pflege der Außenanlagen allerdings hat er nichts zu tun: Sein Reich sind die drei Gewächshäuser der Hochschule, in denen es teilweise üppig grünt, Die Pflanzen zeugen von so manchem Forschungsprojekt. Neben der kleinen Acker-Schmalwand aus der Familie der Kreuzblütler gibt es hier Agaven, Aloe und Agapanthus, Kaffee, Kakao und Kakteen, verschiedenste Farne und Ficus, Mais und Erbsen.

Hanf-Diebe dürften enttäuscht gewesen sein

Während die Acker-Schmalwand etwa genutzt wird, um den Einfluss der Tageslänge oder die Reaktion der Pflanze auf Trocken- oder Kältestress zu erforschen, wird der Farn gerne in den Bestimmungskursen der angehenden Biologen eingesetzt. Von den Orchideen und Clivien werden gerne die Wurzeln untersucht, und das Basilikum ist nicht für Mozzarellasalat gedacht, sondern als Futter für die Bartagamen der Biologen. Die Vogelmiere hingegen steht auf dem Speiseplan der Zebrafinken in der Verhaltensforschung.

Was auch immer in den gläsernen Gewächshäusern grünt, wird von Detlef Balten und seinen Mitarbeitern gegossen, versorgt und natürlich vor Schädlingen geschützt. Bei der Schädlingsbekämpfung setzten die Uni-Gärtner nicht nur auf Chemie: Gegen Woll-Läuse etwa werden australische Marienkäfer eingesetzt. Und auf gar keinen Fall gespritzt werden Chinakohl, Senf und Brunnenkresse, die als Nahrung für die Raupen dienen, mit denen in der chemische Ökologie geforscht wird.

Vor »Urzeiten« sind in den Gewächshäusern auch Hanfpflanzen gezogen worden – allerdings ohne den Wirkstoff THC und daher erstens legal und zweitens als Rauschmittel nicht geeignet. Das allerdings konnten die Diebe, die damals einbrachen und die Pflanzen ernteten, nicht wissen. Ihre Enttäuschung dürfte groß gewesen sein, vermutet Detlef Balten.

Regenwassertank unter Gewächshaus

Weil Regenwasser für die Pflanzen besonders gut ist, wird es in einem Tank unter einem der Gewächshäuser aufgefangen. »Sollte der Tank tatsächlich in einem sehr trocken Sommer einmal leer sein, wird automatisch Leitungswasser aufbereitet wie Regenwasser«, erklärt Balten, während er durch das untere Gewächshaus führt. Dort gedeihen auch Mangroven – mit den Füßen im Wasser – und Exoten wie »Welwitschia«. »Die Pflanze macht nur zwei Blätter, sie ist in der Wüste Namib heimisch und lebt quasi vom Seenebel.«

In einem eigenen Bereich mit Sicherheitsstufe werden gentechnisch veränderte Organismen, die ansonsten unter Verschluss im Labor gehalten werden, entsorgt: Unter Druck und bei 121 Grad werden sie in einem so genannten Autoklav vernichtet. Auch darauf muss Detlef Balten achten.

»Die Universität ist ein toller Arbeitsplatz«, findet er. Gerade die Vielseitigkeit der Themen findet er reizvoll. Mit Interesse verfolgt der Gärtnermeister auch die Entwicklung der Hochschule. Vom Aufbau der Medizinfakultät ist auch sein Arbeitsbereich betroffen: Die Gewächshäuser werden umgesetzt und daher neu gebaut. Sein Wunsch bei dieser Gelegenheit: etwas höhere Gewächshäuser, damit einige Pflanzen nicht immer wieder gekappt werden müssen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6519287?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesfälle - Länderübergreifende Demo gegen Corona-Maßnahmen - 13 Millionen Infektionen in den USA
 Die Pandemie und ihre Folgen für Ostwestfalen-Lippe, Deutschland und die Welt : Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesf...
Nachrichten-Ticker