Auf Wasserförderung auf Sennestädter Gebiet kann nicht verzichtet werden
»Uns liegt der Sprungbach am Herzen«

Sennestadt (WB). Gut vier Kilometer führt der Sprungbach vom Teutoburger Wald, wo er entspringt, durch Sennestadt und Naturschutzgebiete, bis er in den Bullerbach mündet. Doch sorgen sich viele Bürger, weil der Bach abschnittsweise immer wieder trockenfällt.

Montag, 01.04.2019, 16:39 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 17:44 Uhr
Weil seit einigen Jahren die Niederschlagsmengen zurückgehen und der Grundwasserspiegel sinkt, kommt es an den Messstellen des Sprungbachs in Sennestadt immer öfter zu niedrigen Pegelständen. Nicht selten ist das Bachbett gänzlich trocken. Foto: Peter Bollig

Kritiker machen dafür die Stadtwerke verantwortlich, weil auf Sennestädter Gebiet die Wasserwerke 1 und 16 Trinkwasser für Bielefelder Bürger fördern.

Mit Reinhard Wittig vom Dezernat Wasserwirtschaft der Bezirksregierung Detmold, Thomas Werning vom Umweltamt Bielefeld und Olaf Kulaczewski von den Stadtwerken standen drei Experten in der Bezirksvertretung Sennestadt Rede und Antwort zum Zustand des Sprungbaches. Thomas Werning machte gleich zu Beginn der Ausführungen deutlich, dass nicht nur der Klimawandel dafür verantwortlich zu machen ist, wenn der Bachlauf austrocknet, aber auch, dass die Stadt Bielefeld nicht auf die Wasserförderung in diesem Gebiet verzichten kann. Die Behörden räumen ein, dass eine Normalförderung in den Wasserwerken 01 und 16 zu häufigerem und länger andauernden Trockenfallen des Sprungbachs führt.

Bielefelder verbrauchen mehr Wasser

Schon seit 1890 gibt es das Wasserwerk 01 in Sennestadt; ein zweites Wasserwerk, das WW16, wurde 1971 in Betrieb genommen. Gemeinsam können dort maximal 2,8 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr gefördert werden. Im vergangenen Jahr, in dem die Trockenheit des Sprungbachs besonders gravierend war, wurden 1,34 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert. Die beiden Wasserwerke machen jeweils 6,5 Prozent der Gesamtförderung für das Bielefelder Stadtgebiet aus.

Der Bedarf an Trinkwasser steigt, wie der Geo-Biologe Olaf Kulaczewski vor den Bezirksvertretern betonte. Seit 2015 verzeichne man eine Trendumkehr bei der Wasserversorgung, es werde wieder mehr Wasser pro Haushalt verbraucht. Der Pro-Kopf-Bedarf stieg in Bielefeld von täglich 113 Liter (2017) auf 120 Liter (2018). »Wir müssen neue Anlagen bauen«, sagte Kulaczewski in Sennestadt. Doch »der Bedarf an Wasser steigt schneller als wir bauen können«, ergänzte er. Über mögliche Erweiterungen im Furlbachtal und auf dem Truppenübungsplatz habe man bereits gesprochen. Schon seit den 1930er Jahren reiche die geförderte Wassermenge auf Bielefelder Stadtgebiet nicht mehr aus. Aktuell bekommen die Bielefelder ihr Wasser auch aus Oerlinghausen und Augustdorfer Gebiet.

»Ich kann kein Wasser fördern, ohne den Grundwasserspiegel zu senken.«

Doch was bedeutet das für den Sprungbach? »Ich kann kein Wasser fördern, ohne den Grundwasserspiegel zu senken. Wir müssen die Kröte schlucken und den Sprungbach zwei Monate im Jahr trockenfallen lassen. Bielefeld first«, zeigte sich Thomas Werning vom Umweltamt nicht kompromissbereit.

Reinhard Wittig von der Bezirksregierung Detmold wies darauf hin, dass es entlang des Sprungbachs mehrere Messstellen gebe. Bis 2010 habe es keine Probleme gegeben, aber die seit 2011 verstärkt auftretenden Defizite bei den Niederschlägen machten sich bemerkbar. Unterdurchschnittliche Niederschläge hätten eine unterdurchschnittliche Grundwasserneubildung zur Folge, meinte Wittig.

Markus Müller (SPD) wollte das jedoch nicht hinnehmen. »Uns liegt der Sprungbach am Herzen« betonte er und forderte die Experten auf, zügig zusätzliche Standorte zur Wasserförderung zu suchen. Indes sehen die Behörden selbst die Notwendigkeit, die Situation des Sprungbachs zu verbessern. Die zuständigen Wasser- und Landschaftsbehörden der Stadt Bielefeld und Bezirksregierung Detmold haben Anfang 2018 die Empfehlung ausgesprochen, durch intensivere Unterhaltungsmaßnahmen sowie Strukturverbesserungen am Zustand des Baches zu arbeiten.

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