Sechs-Meter-Fahrbahn im Queller Neubaugebiet ist fürs langsame Tempo offenbar zu schmal
Spielen nur auf breiter Straße?

Bielefeld (WB). Auf eine Verkehrsführung als Spielstraße werden die künftigen Bewohner des Neubaugebietes Charlottenstraße/Augustastraße möglicherweise verzichten müssen. Der Grund: Die Straße wird dafür zu schmal.

Mittwoch, 03.04.2019, 14:30 Uhr
Auf der Freifläche neben dem Wohngebiet Augustastraße und Charlottenstraße (links) soll in diesem Monat noch die Bebauung starten. Ob dann Tempo 30 oder Schrittgeschwindigkeit auf den Straßen erlaubt ist, wird noch geklärt. Foto: Peter Bollig

Die Regelung erscheint vor allem Karl-Ernst Stille von den Grünen kurios: In der Ausbauplanung ist die Straße, die ringförmig durch das geplante Wohngebiet führen soll, mit sechs Metern Breite vorgesehen, dazu Tempo 30 als erlaubte Höchstgeschwindigkeit.

Stefanie Maaß von der Verkehrswegeplanung im Amt für Verkehr erläuterte in der jüngsten Brackweder Bezirksvertretersitzung: In Bielefeld sei einst festgelegt worden, dass Spielstraßen mit der erlaubten Schrittgeschwindigkeit acht Meter breit sein sollen. Den Grund konnte sie nicht liefern. Es bedeutet aber, dass die Straßen breiter werden müssten, damit Autofahrer gezwungen werden langsamer zu fahren. Stille: »Das kann nicht sein, dass man zwei Meter breiter bauen muss, um eine Spielstraße hinzukriegen.«

Baustraße soll nach sechs Monaten wieder abgeräumt werden

Der Grünen-Fraktionschef, der befürchtet, dass Tempo 30 von den Autofahrern nicht eingehalten wird, schlug vor, die Straße in der Planung auf acht Meter Breite auszudehnen. Für die Planer wäre das allerdings ein Problem, weil der Bebauungsplan bereits verabschiedet wurde – auch von der Bezirksvertretung –, der Plan für eine Änderung der Straße wieder überarbeitet werden müsste. Dabei will der Investor der Verwaltung zufolge noch in diesem Monat mit der Bebauung beginnen.

Maaß sagte aber zu, zu überprüfen, ob auch sechs Meter breite Straßen als Spielstraßen ausgewiesen werden könnten. Jesco von Kuczkowski (SPD) regte alternativ an, zumindest eine Ausweisung als Tempo-20-Straße zu prüfen.

Der Straßenring durch das Neubaugebiet mit rund 23 Einzel- und Doppelhäusern sowie drei Mehrfamilienhäusern mit 24 Wohnungen erhält Anbindungen sowohl an die Augustastraße als auch an die Charlottenstraße. Die neue Straße soll denn auch als Fortführung der bestehenden Verbindungen nach dem Beschluss der Bezirksvertretung in zwei Abschnitten die Namen »Charlottenstraße« beziehungsweise »Augustastraße« übernehmen.

Wenig glücklich sind die Politiker nach wie vor mit der Erschließung des Baugebietes. Statt über Charlotten- und Augusta­straße hätten sie lieber eine direkte Anbindung an die Osnabrücker Straße (L 756), weil die anderen Verbindungen schmal und oft zugeparkt seien. Mit diesem Wunsch war man am Landesbetrieb Straßen NRW als Baulastträger der Osnabrücker Straße gescheitert.

Der lässt es immerhin zu, dass vorübergehend eine Baustraße zur Osnabrücker Straße gelegt wird, um den Baustellenverkehr aus dem angrenzenden Wohngebiet herauszuhalten. Das allerdings nur vorübergehend, wie in der Sitzung klar wurde. Ende September soll die Baustraße wieder abgeräumt werden.

Abstimmung vertagt

Für die Bezirksvertreter kam das überraschend. Hans-Werner Plaßmann (SPD) erinnerte an eine Mitteilung im November, dass die Baustraße erst dann abgebaut werde, wenn das Gelände, durch das sie führt, ebenfalls wie geplant bebaut werde. Stefanie Maaß machte in diesem Punkt wenig Hoffnung, dass sich Straßen NRW hier bewegen werde.

Brigitte Varchmin (Linke) und Horst Schaede (SPD) drängten noch einmal darauf, das Baugebiet eben doch über die Osnabrücker Straße zu erschließen. Schaede stellte sogar in Aussicht, der Ausbauplanung die Zustimmung zu verweigern; die wurde jetzt erst in erster Lesung behandelt, der Beschluss somit vertagt.

Dass das Neubaugebiet nicht direkt und dauerhaft an die Osnabrücker Straße angebunden wird, hat die Bezirksvertretung ein Stück weit selbst vereitelt. Als der Bebauungsplan als Entwurf vorgelegt wurde, machten die Politiker diese Anbindung noch zur Bedingung für ihre Zustimmung zum Baugebiet. Als es im November zur abschließenden Verabschiedung des Bebauungsplans kam, hatten sie aber einstimmig und ohne Debatte der Planung zugestimmt – auch ohne die Anbindung an die Osnabrücker Straße.

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