Der Violinist Ara Malikian begeistert 300 Zuhörer in der Oetkerhalle
Wilder Zauberer auf den Saiten

Bielefeld (WB). Als Ara Malikian in Beirut aufwuchs, herrschte Krieg im Libanon. Bei Bombenangriffen musste sich seine Familie in der Garage verstecken, was dem damals Fünfjährigen nicht gefiel. »Für mich war das ein dunkler Ort, voller Ratten und ungemütlich«, erzählt der Violinist den 300 Besuchern seines Konzerts in der Rudolf-Oetker-Halle.

Dienstag, 02.04.2019, 18:13 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 18:16 Uhr
Der Violinist Ara Malikian machte mit seiner Band auf seiner ersten großen Deutschland-Tournee Station in der Rudolf-Oetker-Halle. Das Publikum ließ ihn erst nach mehreren Zugaben wieder gehen. Foto: Kerstin Panhorst

Ara Malikian in der Oetkerhalle

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Foto: Kerstin Panhorst
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Also habe sein Vater, ebenfalls Musiker, sich die Bratsche geschnappt, die Großmutter die Ukulele und die Nachbarn improvisierten ein Schlagzeug aus Küchenutensilien. »Wir gehen jetzt in die Garage und machen Musik wie die Beatles, hat mein Vater gesagt. Dabei hörte der sonst nur Bach, Mozart und all diese Burschen«, erklärt der heute 50-Jährige.

Damals wurde seine Liebe zur Musik geweckt und auch dazu, sich nicht von Genres in eine Schublade stecken zu lassen. Denn auf seiner ebenfalls durch diesen ersten Probenraum inspirierten »Royal Garage World Tour« bricht Ara Malikian mit den Konventionen. Er dekonstruiert bestehende Werke, lässt verschiedene Stilrichtungen ineinander überfließen und macht aus ihnen seinen ganz eigenen Klang. Der ist so international wie auch Malikian selbst – der gebürtige Libanese mit armenischen Wurzeln, der seit über 15 Jahren in Spanien lebt.

Eine Geschichte zu jedem Stück

Und weil er als Jugendlicher einst in Hannover Musik studiert hat, kann der Geigenvirtuose sehr gut Deutsch. Davon macht der Violinist gerne Gebrauch, denn zu fast jedem seiner Stücke gibt es eine Geschichte, die Malikian charmant und mit viel Humor erzählt. Während seiner Zeit beim Sinfonieorchester in Madrid sei das Spielen im Orchestergraben zur Qual geworden. Er und seine Kollegen hätte sich die Zeit dort mit Playstation, Zeitungslektüre und kleinen Schlafpausen vertrieben – bis jemand einen Tunnel gebaut hätte, um die Flucht zu wagen. »Erst wennich tot bin, gehe ich wieder in einen Graben. Ich bin auf der Bühne sehr glücklich«, sagt Ara Malikian und beweist es bei jeder Komposition aufs Neue.

Wie ein Derwisch tanzt er über die Bühne, dreht sich im Kreis und springt umher. Ein wilder Zauberer auf den Saiten mit Afro, Schlaghose, Bart und mit Schmuck behangen. Er ist ein Energiebündel, dessen Dynamik sich auf seine Band und auch auf die Zuschauer überträgt, egal ob er nun einen Walzer von Tschaikowsky, seine Eigenkomposition »Aliens Office« über Flüchtlinge und Immigranten oder »Bachelorette« von Björk spielt. Er sei ein großer Fan der isländischen Sängerin, erzählt Malikian, der einmal das Glück hatte, neben ihr im Flugzeug zu sitzen. Da Björk ihn aber ignorierte, versuchte er sie mit dem Essen eines Herings zu beeindrucken, bekam einen allergischen Schock und sorgte so für eine Notlandung.

Enorme Präsenz

Eine andere seiner herrlich schrägen Anekdoten handelt davon, wie er als Ersatzgeiger bei einer norwegischen Folkloreband einstieg, aber nicht skandinavisch genug wirkte. Also spielte er im Biberkostüm Geige und konnte damit seine Introvertiertheit ablegen. Die merkt man Ara Malikian nur noch ein wenig an, wenn er über sich selbst redet – sehr ruhig, sehr zurückgenommen und bescheiden.

Aber sobald er den Bogen in die Hand nimmt und der erste Ton erklingt, ist seine Präsenz enorm. Nach zweieinhalb Stunden purer musikalischer Freude entließen ihn deshalb die Zuschauer unter stehenden Ovationen und erst nach mehreren Zugaben, unter denen vor allem Led Zeppelins »Kashmir« einen bleibenden Eindruck hinterließ.

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