Künstler-Wunsch: »Schauräume« als Vorläufer einer Stadtgalerie
»In-Ort statt Un-Ort«

Bielefeld (WB/bp). Sonntagmittag. In drei bislang leer stehenden Ladenlokalen in einer Reihe mit Asia-Shop, Friseur, Restaurant und Lebensmittelverkauf drängen sich die, die Kunst und Kultur machen und die, die sich dafür interessieren. Eröffnet werden die »Schauräume« – Galerien auf Zeit im Parkhaus am Kesselbrink (Friedrich-Ebert-/Ecke Kavalleriestraße).

Montag, 01.04.2019, 12:00 Uhr
Vor großem Publikum eröffnet Oberbürgermeister Pit Clausen die »Schauräume«, zu denen drei leer stehende Ladenlokale im Parkhaus am Kesselbrink für drei Monate geworden sind. Drei Künstler-Vereinigungen stellen dort nacheinander aus. Foto: Bernhard Pierel

Einer der Kultur-Interessierten ist Oberbürgermeister Pit Clausen. Der sagt, er bekomme pro Jahr rund 2500 Einladungen. Es sei sein Privileg zu entscheiden, wohin er gehe.

Ein Kriterium: »Dorthin, wo ich etwas sehe, worauf ich neugierig bin.« Wie eben auf die »Schauräume«, die einen Beitrag dazu leisten würden, dass »aus einem Un-Ort ein In-Ort« werde, so Clausen. Mit der Neugestaltung des Kesselbrink sei schon viel geschafft worden, aber: »Wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen. Der Kesselbrink soll ein Platz werden, auf dem sich Menschen gerne aufhalten.« Die »Schauräume« würden dazu ihren Beitrag leisten.

Drei Monate

Der Eigentümer der Immobilie Parkhaus und Telekom-Hochhaus , das Unternehmen Goldbeck, hat drei Künstlervereinigungen die drei Leerstände für insgesamt drei Monate überlassen. Mit Unterstützung von Sponsoren und des Kulturamtes wurden aus den ehemaligen Läden (Künstler Uli Horaczek: »Die waren total verwahrlost«) Ausstellungsräume.

Die »Offenen Ateliers« machen den Anfang mit »23 auf einen Streich«, ab 5. Mai folgt der BBK OWL (Bundesverband Bildender Künstler) mit »Was geht!«, ab 1. Juni zeigt das Künstlerinnen-Forum »Spannende Kunst in allen Sparten«.

Geöffnet sind die »Schauräume« auch zu den »Nachtansichten« am 27. April von 18 bis 1 Uhr.

Gelebte Demokratie

Für den Oberbürgermeister sind die Galerien auf Zeit keine »Schickimicki-Plätze«, sondern gelebte Demokratie: »Hier kann man sagen, was man denkt und malen, was man will.«

Der BBK, so Gaby Wieging, gebe in seiner Ausstellung »Was geht!« dem Nachwuchs eine Chance: Auf einen Aufruf an junge Künstler hätten sich 36 gemeldet. Ziel der Künstler-Vereinigungen: den Wunsch nach festen Räumlichkeiten zu unterstreichen, in denen immer eigene Arbeiten gezeigt können – eine »Stadtgalerie«.

Bereits vor Jahren hatte die Bielefeld Marketing angeregt, leer stehende Ladenlokale zu temporären Ausstellungsräumen zu machen. »Leerstände gibt es genug«, sagt Marianne Weiß (Bielefeld Marketing). Die Grünen hätten vor Jahren auch schon einen Leerstand-Rundgang gemacht, aber: »Solche Räume auf Zeit zu nutzen, hört sich einfacher an als es ist.«

Energie und Herzblut

Die Organisation dahinter sei nicht zu unterschätzen. Die lobt auch der OB bei den »Schauräume«-Machern: »Da steckt viel Energie und Herzblut drin.«

Gekommen zur Eröffnung der »Schauräume« sind unter anderem David Riedel, Leiter des Böckstiegel-Museums im benachbarten Werther, Andreas Kimpel, Kulturdezernent in Gütersloh, Nadine Droste, die neue künstlerische Leiterin des Bielefelder Kunstvereins, Kulturamtsleiterin Brigitte Brand, Christoph Kaleschke, Sprecher der Sparkasse Bielefeld, Kultur-Politikerin Dorothea Becker und natürlich die beteiligten Künstlerinnen und Künstler aller drei Organisationen.

Geöffnet sind die »Schauräume« freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

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