Folge 12: Dr. Annette Fugmann-Heesing ist Vorsitzende des Uni-Hochschulrates
Eine Bindung fürs Leben

Bielefeld (WB). Als Ostwestfälin – geboren in Petershagen – war es für Annette Fugmann-Heesing keine Frage, sich zum Studium der Rechtswissenschaften an der jungen Universität Bielefeld einzuschreiben. Mit Ministergenehmigung (!) wechselte sie dann ins idyllische Freiburg – um nach nur einem Semester reumütig an den Teutoburger Wald zurückzukehren: »Das Studium war in Bielefeld besser!«

Samstag, 30.03.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 18:00 Uhr
Dr. Annette Fugmann-Heesing ist der Uni Bielefeld seit Jahrzehnten verbunden. Gerne erinnert sie sich an ihre Studienzeit: »Die Studiensituation beflügelte. Wir saßen zu viert bei Prof. Jochen Frowein auf dem Sofa und haben Völkerrecht gehört.« Foto: Bernhard Pierel

Der Universität ist Dr. Annette Fugmann-Heesing weiter verbunden: Seit fast elf Jahren ist sie Vorsitzende des Hochschulrates – ein Amt, das sie mit Begeisterung ausübt. Es sei mehr als erfreulich, wie sich die Universität entwickle, sagt Fugmann-Heesing besonders mit Blick auf die künftige Medizinfakultät. »Die aufzubauen ist eine Herausforderung und eine Riesen-Chance für die Region.«

Fugmann-Heesing selbst studierte von 1973 bis 1980 an der Universität Bielefeld – mit dem einen Semester Unterbrechung im Breisgau. »Eine Universitätsstadt war Bielefeld damals noch nicht«, erzählt sie. Entsprechende Kneipen gab es auch kaum – »ich erinnere mich aber noch an Ferdis Pizza Pinte.« Dafür aber sei die Studiensituation ausgesprochen angenehm gewesen. »Es gab eine Aufbruchstimmung.

Und es gab bei den Juristen das Einphasen-Modell.« Damit habe man sehr viel schneller studiert und schnell praktische Erfahrungen gemacht. »Man konnte das Erlernte anwenden und wusste, wofür man studierte.« Vielleicht waren die Bielefelder ihrer Zeit voraus. Das Einphasenmodell der Juristenausbildung, nur möglich gemacht durch eine Experimentierklausel im Richtergesetz und der Grund, warum Fugmann-Heesing für das Studium in Freiburg eine Sondergenehmigung benötigte, wurde jedenfalls gekippt. »Ich bedaure außerordentlich, dass es nicht zum Regelmodell wurde, Bielefeld war hier wegweisend«, sagt die 64-Jährige.

Von 1980 bis 1983 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Bielefeld

Sie selbst war von 1980 bis 1983 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Bielefeld, promovierte und trat dann eine Stelle beim Regierungspräsidenten in Detmold an. Zwei Jahre später wechselte sie in die Staatskanzlei in Düsseldorf, um dann im Alter von nur 30 Jahren Stadtkämmerin in Herford zu werden. »Seit meiner Praxisphase in der Verwaltung, als ich die Gestaltungsmöglichkeiten gesehen habe, wusste ich, dass ich Kämmerin werden will.« Da die Juristin die erste Frau in diesem Amt war, war zunächst nicht klar, wie sie zu titulieren sei. Die Stadt Herford richtete daher eigens eine Anfrage an die Dudenredaktion.

Bis 1991 übte die SPD-Politikerin dieses Amt aus, dann wurde sie von Hessens damaliger Ministerpräsident Hans Eichel zur hessischen Finanzministerin berufen. Von 1994 bis 1996 dann kehrte sie zurück an ihre Alma mater und übernahm eine Lehrstuhlvertretung für Öffentliches Recht, um danach erneut in die Politik zurückzukehren: Der Berliner Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, ein CDU-Politiker, berief Fugmann-Heesing zur Finanzsenatorin, von 1999 bis 2011 war die Ostwestfälin Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und gehörte den Ausschüssen für Kultur sowie Wissenschaft und Forschung an.

Sprecherin der deutschen Hochschulrats-Vorsitzenden

Als solche, zudem erfahren in Gremienarbeit und Aufsichtsratstätigkeiten war Annette Fugmann-Heesing eine ideale Kandidatin für den Hochschulrat der Uni Bielefeld, dem sie von Beginn an vorsitzt. Dem Hochschulrat obliegt die Aufsicht über die Geschäftsführung des Rektorats, er hat Einblick in Wirtschaftspläne, Hochschulentwicklungspläne und Rechenschaftsbericht und bezieht Stellung zu allem, was von grundsätzlicher Bedeutung ist. Unumstritten war das Gremium bei seiner Einführung nicht, »mittlerweile aber findet diese Governance-Struktur Akzeptanz«, resümiert Fugmann-Heesing, die Sprecherin der deutschen Hochschulrats-Vorsitzenden ist.

Mehr Eigenständigkeit und größere Spielräume für die Hochschulen benötigten klare Verantwortlichkeiten und auch Kontrolle. Alle Ratsmitglieder arbeiten ehrenamtlich, »und alle setzen sich für eine gute Entwicklung der Hochschule ein.« Dass auch Vertreter aus der Wirtschaft dabei sind, findet Fugmann-Heesing aus Erfahrung gut: »Sie haben einen anderen Blickwinkel und stellen andere Fragen. Das ist hilfreich.«

Weil die 64-Jährige an vielen Sitzungen in der Universität teilnimmt und viele Gespräche führt, um auf dem Laufenden zu sein, ist sie zweimal im Monat in Bielefeld. Die Mutter zweier erwachsener Töchter freut sich über die Entwicklung »ihrer« Universität. »Die Hochschulen sind ein wichtiger Nährboden für unsere Gesellschaft. Wenn die Hälfte eines Jahrganges an eine Uni oder FH geht, haben die eine ganz andere Breitenwirkung als vor Jahrzehnten.«

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