Großer Polizeieinsatz in Bielefeld und Spenge – Schlag gegen kriminellen Jesidenclan
Drogendealer-Familie hinter Gittern

Bielefeld (WB). Blutrache-Mord vor dem Bielefelder TÜV, illegaler Waffenbesitz von der Pumpgun bis zur Pistole, eine Schussabgabe mit einer lebensgefährlich verletzten Frau und immer wieder Verurteilungen wegen Drogenkriminalität – dafür ist die kurdisch-jesidische Großfamilie M. seit Jahrzehnten in Bielefeld bekannt und gefürchtet.

Dienstag, 19.03.2019, 07:00 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Nachdem es längere Zeit scheinbar ruhig um den Clan geworden war, sorgen aktuell Familienoberhaupt Adil M. (52) und seine Söhne Cihan (32), Özgür (31) und Diyar (18) wieder für Schlagzeilen. Ihnen und einem engen Bekannten (31) des Clans wurden am Sonntag im Amtsgericht wegen Rauschgifthandels im großen Stil die Untersuchungshaftbefehle verkündet. Alle fünf sitzen in verschiedenen Gefängnissen in Bielefeld und Umgebung ein.

Am Samstag in den frühen Morgenstunden stürmten zahlreiche Drogenfahnder mit Unterstützung von schwerbewaffneten Spezialeinheiten und Diensthundeführern nicht nur den Hauptwohnsitz der Familie M. an der Gutenbergstraße im Bielefelder Westen. Durchsucht wurden zudem acht weitere Gebäude in der Bielefelder Innenstadt sowie in Spenge.

Das Ergebnis der stundenlangen Großrazzia fasst Polizeisprecher Stefan Tiemann wie folgt zusammen: beschlagnahmtes Rauschgift, überwiegend Marihuana, »im deutlich zweistelligen Kilobereich«, umfangreiches Material zum Bau einer Hanfplantage, gefunden nach Informationen dieser Zeitung an der Straße Schürbusch in Spenge, sowie offenbar aus Einbrüchen stammende Beutestücke.

Kripo ermittelt seit mehr als einem Jahr

»Neben sechs Fahrzeugen wurde darüber hinaus Bargeld in einem hohen fünfstelligen Bereich sichergestellt«, sagte der Polizeisprecher. Zehn Personen, darunter Frau und Tochter des Clanchefs Adil M., wurden bei der Polizeirazzia erst einmal festgenommen und in Zellen des Polizei-Gewahrsams gebracht. Das Familienoberhaupt, drei seiner Söhne und der Bekannte kamen kurz darauf wegen bandenmäßigen Drogenhandels in U-Haft.

Dieser Zeitung liegen Informationen vor, wonach die Kripo seit mehr als einem Jahr gegen den Jesidenclan M. ermittelt. Die Familie, die offiziell von Hartz IV lebt, aber Luxuslimousinen der Marken BMW, Audi oder Mercedes fährt, soll sich mit straff organisierten Rauschgiftgeschäften ihr Leben finanziert haben. Allein am Hauptwohnsitz an der Gutenbergstraße sollen Polizisten mehr als fünf Kilo Marihuana und Kokain sichergestellt haben, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Von dem heute 32 Jahre alten Cihan M. ist aus seinen Gerichtsprozessen bekannt, dass er seit fast 20 Jahren in den Drogenhandel verstrickt ist. Offenbar eine »Familientradition«: Einer seiner Onkel wurde wegen Kokainhandels und Waffenverstößen zu neun Jahren Haft verurteilt.

Zwei weitere Onkel wurden wegen des Blutrache-Mordes im August 2002 vor dem TÜV an der Böttcherstraße zu lebenslangen Strafen verurteilt. Das Schwurgericht befand, dass sie ein Mitglied eines verfeindeten Jesidenclans mit 22 Schüssen auf offener Straße regelrecht hingerichtet haben.

Kommentare

franz.B  wrote: 19.03.2019 11:23
Tja, so isses....
....es ist erschreckend, was in Deutschland jahrelang an Straftaten unbehelligt bleibt.....
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