Getötete Kleinkinder: Mutter trennte sich von tatverdächtigem Vater – Waffe sichergestellt Beziehungsende soll Mordmotiv sein

Bielefeld (WB). Blumen, Ballons, Kerzen, Kuscheltiere und letzte Grüße sind vor dem Haus an der Ziegelstraße zu finden. In der rechten Erdgeschosswohnung wurden am Sonntag die Leichen von zwei getöteten Kleinkindern gefunden. Jetzt ermitteln Staatsanwaltschaft und eine Mordkommission der Kripo gegen den tatverdächtigen Vater wegen Mordes an seinem Sohn (1) und an seiner Tochter (2).

Von Jens Heinze und Stefan Biestmann
Nachbarn haben vor der Erdgeschosswohnung an der Ziegelstraße, in der die Kleinkinder ermordet wurden, eine kleine Gedenkstätte errichtet.
Nachbarn haben vor der Erdgeschosswohnung an der Ziegelstraße, in der die Kleinkinder ermordet wurden, eine kleine Gedenkstätte errichtet. Foto: Christian Müller

Inzwischen zeichnet sich immer deutlicher ab, dass das Ende der Beziehung zwischen dem türkischen Vater (41) und der deutschen Mutter (27) der Auslöser für die Bluttat war. »Es gab eine Trennung«, bestätigt die für das Kapitalverbrechen zuständige Staatsanwältin Claudia Bosse. Gegen den nach seinem Suizidversuch weiterhin nicht vernehmungsfähigen Vater werde wegen zweifachen Mordes an seinen Kindern ermittelt.

Polizisten hätten die Tatwaffe sichergestellt, mit der Süleyman G. am Wochenende seinen Kleinkindern die Kehlen durchgeschnitten haben soll, bevor er noch einen Notruf zum Rettungsdienst absetzte und sich selbst die Pulsadern an beiden Armen aufschnitt. Was für eine Waffe am Tatort, der ehemals gemeinsamen elterlichen Erdgeschosswohnung an der Ziegelstraße, gefunden wurde, wollte die Staatsanwältin aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen. »Das ist Täterwissen.«

»Es gibt keine Hinweise auf einen anderen Täter«

Die Ermittler der siebenköpfigen Mordkommission seien sich jedoch nach einer umfangreichen Spurensicherung und Zeugenvernehmungen sicher, dass der Vater seine Kinder umgebracht habe. »Es gibt keine Hinweise auf einen anderen Täter«, bekräftigt die Staatsanwältin.

Aus dem Bekannten- und Kollegenkreis des mutmaßlichen Doppelmörders heißt es, dass sich die deutlich jüngere Lebensgefährtin und Mutter der zwei gemeinsamen Kinder zwei Wochen vor der Bluttat vom 41-Jährigen getrennt habe. Der Mann soll aus der gemeinsamen Wohnung in einem Sechs-Familien-Haus an der Ziegelstraße ausgezogen sein und bei einem Kollegen gewohnt haben.

Süleyman G. habe sich für das Ende der Beziehung rächen wollen, heißt es im Bekanntenkreis des Mannes. Zudem soll er sich umgehört haben, wo er illegale Schusswaffen kaufen könne. Aus dem Umfeld des tatverdächtigen Vaters verlautet zudem, dass er seit längerer Zeit Geldprobleme haben soll. Bekannte behaupten, dass der Mann spielsüchtig sei.

Rachepläne geäußert

Noch am Samstag, einen Tag vor der Ermordung der Kleinkinder, hatte der 41-Jährige einen Termin bei seinem langjährigen Frisör Gürkan Yogurtcu. »Ich habe schnell gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt«, berichtet Yogurtcu. Süleyman G., der eigentlich kommunikativ und humorvoll sei, sei sehr nachdenklich und nicht besonders gesprächig gewesen. Er habe von »Beziehungsstress« berichtet, sagt der Friseur. Der 41-Jährige habe sich an einer Kopfseite die Haare komplett abrasieren lassen. Yogurtcu: »Er ist seit vielen Jahren mein Kunde. Aber so einen Haarschnitt wollte er noch nie haben.«

Von den Racheplänen und dem Vorhaben des Vaters der gemeinsamen Kinder soll die Ex-Lebensgefährtin nichts gewusst haben. Am vergangenen Sonntag soll die Mutter ihren Sohn (1) und ihre Tochter (2) in ihrer Wohnung an der Ziegelstraße völlig ahnungslos zum Vater-Kinder-Tag in die Obhut von Süleyman G. übergeben haben. Dann fuhr die 27-Jährige zu Verwandten nach Jöllenbeck. Dort überbrachten nachmittags Notfallbegleiter und Polizisten der Frau die Nachricht vom gewaltsamen Tod ihrer beiden Kleinkinder.

Warnungen, die auf eine Eskalation der Gewalt in der Familie hindeuteten, soll es für Polizei und städtisches Jugendamt im Vorfeld nicht gegeben haben. »Nach den ersten Erkenntnissen ist der Tatverdächtige noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten«, sagt Polizeisprecherin Hella Christoph. Sie weist anderslautende Medienberichte über Einsätze wegen häuslicher Gewalt zurück.

Vater in Lebensgefahr

Derzeit ist offen, ob der mordverdächtige Vater je für die ihm zur Last gelegte Bluttat von einem Schwurgericht zur Verantwortung gezogen werden kann. Wie die ermittelnde Staatsanwältin Claudia Bosse auf Anfrage bestätigt, schwebe Süleyman G. nach seinem Suizidversuch wieder in akuter Lebensgefahr. Sein Zustand, der einen Tag nach dem Verbrechen noch als kritisch, aber stabil galt, habe sich wieder verschlechtert. Der Mann wird auf der Intensivstation eines Bielefelder Krankenhauses unter Polizeibewachung behandelt. Die Ermittler sind darauf vorbereitet, dass der nicht ansprechbare Mann plötzlich sterben könnte.

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