Versuchter Totschlag beim Hofgang: Anwalt sieht Fehler beim Gefängnisleiter
JVA-Chef angezeigt

Bielefeld(WB). Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Martin Lauppe-Assmann hat in dieser Woche den Leiter der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede, Uwe Nelle-Cornelsen, bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld angezeigt und beim Justizministerium eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Der Anwalt hält den JVA-Leiter mitverantwortlich dafür, dass sein Mandant bei einem Hofgang fast umgebracht wurde.

Samstag, 09.03.2019, 03:00 Uhr
Yanqing T. im Dezember vor Gericht. Foto: Bernhard Pierel

Hintergrund ist der Fall des chinesischstämmigen Amokläufers Yanqing T. aus Düsseldorf. Er hatte 2014 zwei Anwälte (51/54) und eine Sekretärin (50) umgebracht und vier Menschen verletzt, weil er sich schlecht beraten fühlte. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und saß in der JVA Ratingen. Dort soll er angekündigt haben, eine Vollzugsbeamtin mit einem Biss in den Hals zu töten. Der Raubmörder Fred W. hörte davon und verpfiff den Mithäftling, der nach Bielefeld-Brackwede verlegt wurde.

Aus noch nicht geklärten Gründen wurde 2017 auch Fred W. nach Bielefeld-Brackwede verlegt. Dort griff Yanqing T. bei einem Hofgang den »Verräter« an und versuchte, ihm den Hals mit einer Keramikscherbe aufzuschneiden. Der Raubmörder wehrte den Angriff ab, und Justizmitarbeiter überwältigten den Häftling. Die Scherbe stammte von einer Kanne, die T. mit auf den Hof genommen hatte.

Im Dezember 2018 wurde T. vom Landgericht Bielefeld wegen versuchten Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt. Martin Lauppe-Assmann, der den angegriffenen Häftling vertritt: »Den leicht reizbaren psychopathischen Mehrfachmörder hätte man nicht zu anderen Häftlingen auf den Hof lassen dürfen. Auch das Mitnehmen von Keramikgeschirr hätte man ihm verbieten müssen.«

Nach dem Angriff habe die JVA die Scherbe weggeworfen und die Staatsanwaltschaft erst nach Tagen über das versuchte Tötungsdelikt informiert. Die Staatsanwaltschaft sei zunächst auch nicht über die Person des Angreifers informiert worden, so dass ihr die Brisanz nicht klargewesen sei und sie zuerst wegen versuchter Körperverletzung ermittelt habe.

Gefängnisleiter Uwe Nelle-Cornelsen sagte am Freitag, er werde sich gegenüber dem Ministerium und der Staatsanwaltschaft äußern »und einiges richtigstellen.«

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